published in 'JuptrTech von Juptr' on Juptr.io

0
0

Full Stack Engineer, Software enthusiarchitect, Open Source programmer, CTO@Juptr.

Aus Sicht eines IT'lers, der seit ca. 1 Jahr im Bereich digitale Medien tätig ist. Also frisch und unverdorben :)


Rüdiger Möller

Oettinger zur Hülfe ! Die digital überforderte Medienwirtschaft.

Viel wird geredet über die "digitale Transformation" in der Medien- und Marketingbranche. Aber digitaler Erfolg braucht IT-Kompetenz und -Investment, nicht Anwälte und Lobbyisten. Der bizarre Versuch über ein neues Leistungsschutzrecht das Rad der Zeit zurückzudrehen ist zum Scheitern verurteilt, schlimmer noch: ein Fehlinvestment zum Schaden aller. 

 

Das Gejammere um die Adblocker ..


Adblocker sind deshalb so effektiv, weil bis heute die meisten Distributionssysteme Werbung von "extern" in die Seite einspielen. D.h. ein Adblocker braucht nur bestimmte Netzwerk-Anfragen zu blockieren um diese Werbung zu eliminieren. "Inline"-Werbung, die also direkt vom CMS/Webserver in die Seite integriert wird, ist wesentlich schwerer zu filtern, zudem riskiert der Adblocker das ausfiltern von "echtem" Content.

In Wahrheit sitzt der Distributor am längeren Hebel

Wie Facebook jüngst eindrücklich demonstriert hat, sitzt der Distributor am längeren Hebel: Er kann den inneren Aufbau der Seite minütlich ändern, während ein Adblocker-Anbieter immer erst analysieren, seine Software/Konfiguration ändern und diese Änderungen per Update an die User ausrollen muss.

 

Incompetence@work: Seite eines Major (Top 3) Publishers in der Analyse. Rund 40 unterschiedliche Tracker, hunderte von Requests. Grösse des tatsächlichen Textes: rund 4kb, also <2 Promille des übertragenen Datenvolumens. Preisfrage: Warum nutzen User Adblocker ?

Man hätte besser in Technik statt Anwälte investiert


Es gibt keine "korrekte" Darstellung einer Website.

Webseiten sind in Html verfasst. Die Grundidee von Html ist, daß sie je nach Leistungsfähigkeit des Endgeräts und Geschmack des Nutzers verschieden dargestellt werden kann (mit/ohne Bilder, senkrecht quer, in Ausschnitten). 

Es gibt weder eine technische noch eine gesetzliche Vorschrift, wie eine html Datei in der Anzeige auszusehen hat

Die optische (oder akustische) Darstellung einer Website (=html Datei) obliegt dem Browser. Diesem steht es frei, Elemente wegzulassen, nicht darstellen zu wollen/können oder zusammen mit anderen Webseiten auf einem Bildschirm darzustellen (ein Aggregator OMG ..). Folglich sind sowohl Adblocker als auch Aggregatoren nur alternative Darstellungsplattformen für Webseiten. 

Wer damit nicht einverstanden ist, sollte seine Inhalte nicht als Html zur Verfügung stellen und auf andere Anzeigeformate ausweichen (z.B. PDF).

 

Eine Html Seite im Lynx-Browser. Hier muss die Kommission einschreiten. Dringend. Das geht so nicht !


Das Konzept eines starren Publikationskanals macht im Digitalen keinen Sinn


Das klassische Konzept einer Zeitung oder eines Magazins ergibt sich aus den Restriktionen der Print-Distribution. Digital macht dies keinen Sinn. Der überwiegende Teil der Konsumenten zieht eine personalisiert gefilterte Informations-Timeline dem "Poll, Scroll & Scan" mehrerer (bzw. Hunderter) Webseiten vor.

(Teil-)Automatisierte Aggregation wird auch weiterhin die bevorzugte Art sein, Inhalte zu konsumieren. Das lässt sich nicht wegregulieren und da hilft auch kein Lobbyismus.


Soziale Netzwerke als Content-Aggregatoren sind ein Provisorium


Daß vorwiegend Soziale Netzwerke zur Content-Aggregation und Filterung eingesetzt werden, ist eher dem Mangel an Alternativen zuzuschreiben. Ursprünglich war dies auch nicht Sinn und Zweck eines sozialen Netzwerks.
Im Grunde ist es ein aufwändiges und mit einem hohem Mass an Datenpreisgabe verbundenes Verfahren: Die Interessen eines Nutzers werden mühsam und trickreich aus den Verbindungen im Social Graph hergeleitet.
Wesentlich einfacher (und ohne digitales Entblößen) kommt man zum Ziel, wenn man wie bei www.juptr.io direkt seine Interessen (und nur die) mitteilen kann.


Publisher haben im digitalen Raum Ihre Kernkompetenzen verloren


Im traditionellen Print-Markt organisieren Verlage weitgehend die Distribution und Monetarisierung (Anzeigen/Abonnenten). Digital wird sowohl Distribution als auch Advertising überwiegend durch Facebook und Google (und einige andere digitale Dienstleister) geleistet. 

Das Betreiben einer Website ist keine "Distribution" sondern nur eine fundamentale technische Content-Bereitstellung. 

Entsprechend findet die Wertschöpfung auch zu grossen Teilen bei den genannten Firmen statt und nicht mehr beim Publisher selbst.

Passiv hat man der Entwicklung beigewohnt und zugesehen wie einige wenige Konzerne ein Distributionsmonopol (und somit auch ein Marketing- und Datenmonopol) etabliert haben. Diese Konzerne verfügen nun neben einem erheblichen Zeit- und Entwicklungsvorsprung auch über die nötigen Einnahmen ihren technologischen Vorsprung auszubauen und ihrerseits "politische (und digitale?) Landschaftspflege" zu betreiben.

Nach dem Verlust der Distribution folgt das Verblassen der Marke ("Hab' ich auf Facebook gelesen")

Zudem ermöglicht diese Monopolstellung exorbitante Margen unabhängig von der tatsächlich gebotenen Qualität:


Publisher sind im Vorteil, aber unfähig diesen zu nutzen 


Der Versuch über rechtliche Mittel und Lobbyismus die digitale Realität an das  Geschäftsmodell anzupassen anstatt umgekehrt das Geschäftsmodell der digitalen Realität ist kostspielig und fruchtlos. 


Für 3 Millionen kann man ein eigenes (publisherübergreifendes) "Facebook" bauen, vorrausgesetzt man weiss was man tut. IT-Investment ist mehr als viel Geld auf viele Projekte mit vielen Menschen zu werfen.

Die Nutzer folgen den Inhalten, Reichweite um ein gemeinsames Social/Content-Network zu bewerben ist ja noch vorhanden :). Mit Einzelinitiativen und Insellösungen (Single-Publisher-Newsapps, geschlossene Plattformen wie Blendle oder Upday etc.) wird man nicht verhindern, daß die Abhängigkeit von Google, FB & Co noch zunimmt und damit einhergehend das Verblassen der Marke sowie begrenzte Möglichkeiten an der Wertschöpfung teilzuhaben. 



Published in:
JuptrTech von Juptr
Juptr Technik Blog, java, javascript, polymer, distributed systems, verteilte systeme, realtime analytics, nlp