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Warum Sardinien italienischer sein kann als der Stiefel

Italiener pfeifen einem überall hinterher, aber eine Tropfsteinhöhle und ein romantischer Sonnenuntergang gibt es nur dort: in Sardinien!

 

Altstadt von Alghero

 

Heimatlose Katzen am Katzenplatz

 

Sonnenuntergang am Capo Caccia

 

Strände (in Alghero und Umgebung) + Höhle (in Fertilia)

Wenn ich an Urlaub denke, dann denke ich an Italien. Aber Italien ist nicht gleich Italien, sprich: Pizza, Pasta und feurige Italiener, die einem hinterher pfeifen. Nein, Italien kann noch sehr viel mehr sein.

Wenn man an Italien denkt, dann hat man die Toskana mit ihren schnuckeligen mediterranen Häusern vor Augen. Oder die Stadt mit den meisten Abschlussfeierern: Rimini. Selbst an Sizilien mit ihren Mafia-Armani-Trägern denkt man öfters als an die kleine Insel Sardinien. Dabei kann einem gerade diese Insel öfters italienischer vorkommen als der Stiefel.

Als ich das erste Mal im August in Sardinien war, war ich wirklich beeindruckt. Kam man erstmal aus der Stadt raus, war man umgeben von niedrigen Bäumen und Ginster. Der Duft des Lavendels vermischte sich mit dem des Salbeis und des Rosmarins. Die Hitze ließ die Luft flimmern, und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, wildes italienisches Flair zu fühlen.

Wenn man nach Sardinien will, hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Fähre oder Flugzeug. Ich kann jedem nur die Fähre empfehlen, wenn man sich wie ein Schnitzel … verzeih, eine Spaghetti auf die Dusche freuen möchte. Nach zwölf Stunden Fähre klebt man am ganzen Körper vom Salz, und wenn man sich gegen die teuren Kabinen entschieden hat, tun einem auch noch diverse Körperstellen weh. Aber dafür spürt man das Meer und erhascht vielleicht einen Blick auf Delphine, die manchmal neben der Fähre schwimmen. Für jeden, der sich Verlockenderes vorstellen kann, empfehle ich das Flugzeug.

Ich war schon in mehreren Städten, aber am besten hat mir Alghero in Sardinien gefallen. Sieht es am Tag noch aus wie eine Stadt mit zu vielen Urlaubern, so entfaltet es am Abend seinen ganzen Charme. Die fröhlichen Stimmen der Urlauber vermischen sich mit dem Geplapper der Sarden und dem Rauschen der Wellen, die ans Ufer schlagen.

Aber erst einmal ganz von vorne.

Will man tagsüber wirklich schnorcheln, dann sollte man die gepflegten Strände hinter sich lassen und an der Küste entlangfahren, bis Klippen in Sicht kommen, die einen sicheren Weg ins Meer bieten. Will man ziemlich schnell tauchen, und das am besten auch noch ohne lästige Touris, so fährt man in das von Alghero fünf Minuten entfernte Fertilia, ein kleines schnuckeliges Dorf, in dem sich auch ein kleiner Flughafen befindet. Unter Wasser sieht man Fische, Krebse, Seeigel, die sich an die Felsen schmiegen, Muscheln, Seesterne und hin und wieder eine kleine sandige Fläche. Es ist schwer, sich satt zu sehen. Und sein Abendessen kann man sich auch noch angeln.

Geht die Sonne langsam unter, so sieht man sich einem gewaltigen Anblick gegenüber: einem Himmel in nur allen erdenklichen Rot- und Orangetönen über dem Meer. Bleibt man in Alghero, so sieht man die Sonne hinter einem Kap, rechts von der Stadt, verschwinden: Capo Caccia. Man schnappt sich also am besten seinen Liebsten, verschwindet mit ihm an den Strand und knutscht vor der romantischsten Kulisse, die man sich vorstellen kann. Hat man zudem noch einen guten Orientierungssinn, so fährt man direkt ans Kap, setzt sich auf die großen Felsen, die gefühlt hundert Meter und mehr über dem Meer sind, und schaut sich alles von oben an. Rose und Jack hatten es auch nicht schöner!

Hat man den Sonnenuntergang genossen, kann man gleich am Strand im Restaurante Lido, Alghero, eine Pizza essen. Oder man geht bis zur Altstadt vor und setzt sich an die Stadtmauer an einen Tisch, von dem aus man einen wunderbaren Blick über das Meer hat.

Danach sollte man sich unbedingt die Altstadt ansehen und im Dunklen die beleuchtete Stadtmauer entlangwandern. Atme ein. Atme aus. Riechst du die Seeluft? Den Knoblauch? Den Fisch vom Hafen? Die Altstadt ist durchzogen von kleinen Gassen mit noch kleineren Geschäften oder Hauseingängen, in denen Katzen liegen und einen träge beobachten. Bei Nacht durch Alghero zu wandern ist ein Gefühl, als wäre man gleichzeitig zu Hause, während doch alles neu ist.

Aber auch die täglichen Erkundungstouren lohnen sich. Hat man genügend Zeit, so sollte man sich unbedingt die Tropfsteinhöhle Grotta di Nettuno anschauen. Sie gehört zu den schönsten Höhlen, die das Mittelmeer zu bieten hat. Man kann nicht nur über ein Boot an einer Führung teilnehmen, sondern auch über Land ist die Grotte zu erreichen. Allerdings braucht man für die 654 Stufen, die hinab führen, einen langen Atem und eine Menge an Schwindelfreiheit. Aber das ist sie wert!

Möchte man andere Dörfer besichtigen, so sollten Stintino und Castelsardo auf keinen Fall fehlen! Stintino hat einen wunderschönen Strand mit weißen Kieseln und glasklarem türkisen Wasser zu bieten. Castelsardo liegt weit über dem Meer und ermöglicht einen atemberaubenden Blick auf den Golfo dell‘ Asinara. Castelsardo ist nicht nur wegen seiner aus Lavastein erbauten Festung, sondern auch wegen der Korbflechtkunst, die viele Bewohner dieses Ortes noch praktizieren. Statt Souvenirs aus den Läden in den Städten für die Liebsten zu erwerben, kann man dort Körbe und andere aus Palmblättern geflochtenen Gegenstände kaufen.

Aber auch für archäologisch Interessierte hat Alghero etwas zu bieten: Nuraghen Palmavera. Dabei handelt es sich um Steinbauten, die kegelförmig sind und etwas an mediterrane Iglus erinnern. Der Nutzen dieser Häuser, von denen manche schon im 15. Jhd. v. Chr. entstanden sind, ist immer noch unbekannt. Man sollte ihnen unbedingt einen Besuch abstatten und seine eigene Theorien spannen.

Und eines darf nicht fehlen: Wer keine Katzenallergie hat, sollte unbedingt den kleinen Katzenplatz, an der Stadtmauer von Alghero besichtigen. Über ein Dutzend heimatloser Katzen hat dort sein Zuhause gefunden und werden von einer älteren Dame behütet, die aus Liebe zu den süßen Streunern ihre wenige Rente aufopfert. Spenden und Katzenfutter sind immer willkommen! Und wer weiß: Wenn man genau genug hinschaut, sieht man in einer Kiste vielleicht einen Wurf von ein paar Tage alten Kätzchen!

Alghero ist für mich zu einer kleinen Heimat in Italien geworden. Der Duft der ganzen Blumen und Pflanzen, die Unterwasserlandschaften, die wilden Küsten und kleinen Gassen, die meine Abenteuerlust befriedigt haben … Am liebsten wäre ich die ganze Nacht dort aufgeblieben und durch die Altstadt und den Strand gestreunt. Ich habe dort Pizza um Pizza und Nudeln um Nudeln gegessen und mich am Abend von den Meeresgeräuschen in den Schlaf wiegen lassen. Diese Stadt kann ich nur jedem empfehlen, der italienisches Flair schnuppern, durch eine wunderschöne Altstadt wandern und den romantischsten Sonnenuntergang weit und breit sehen möchte.

Und wem all das noch nicht italienisch genug ist, der kann sich sicher sein, dass es garantiert mindestens einen Italiener auf einer Vespa gibt, der pfeifend vorbeifährt. Oder in lautem Italienisch in sein in der Hand festgewachsenes Handy spricht.

Arrivederci! Buon viaggio!



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