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Anti-Trump-Party in Berlin-Mitte

Proteste als inhaltsleerer Akt der linksliberalen Selbstbeweihräucherung
 

Auf feministischen Blogs liest man in der Regel allerhand Texte, die, sagen wir, weder mit einem geistreichen Stil noch kritischer Tiefe glänzen, davon abgesehen, dass ihnen meist jeder Sinn für Humor abhanden gekommen ist (beispielhaft mag folgender, ungelenk polternder Auszug sein: Wer filzt meine Brüder bei Nacht und Wind? Es sind Polizisten die Spezialisten im Racial Profiling sind!). Doch seit Donald Trump zum US-amerikanischen Präsidenten gewählt wurde, geht es richtig zur Sache. Auf dem wohl bekanntesten deutschsprachigen feministischen Blog Mädchenmannschaft, konnte man die Ankündigung einer Anti-Trump-Party zur Amtseinführung des selben finden. Das Prinzip war, dass man mit dieser Festivität gegen Donald Trump protestierte, indem jene Musiker gefeiert wurden, welche zur Amtseinführung ihren Auftritt verweigert hatten. Man stellt sich also nun diese Gruppe immer ernst durch ihre Drahtgestelle schauender Kulturstudenten vor – hunderte Paare Vintage-Turnschuhe aneinandergedrängt – wie sie zu Not Ready To Make Nice von den Dixie Chicks tanzen und fragt sich berechtigterweise, was das soll.

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Es bleibt der schale Nachgeschmack einer Imagepflege des deutschen Bildungsbürgers [...]

Einen Abend vor besagter Party fand in der Hauptstadt auch der Trump Protest Berlin, wie es über facebook betitelt wurde, statt. Hunderte Menschen versammelten sich vor dem AfD-Büro in der Schillerstraße, um dort Stellung zu beziehen. Doch gegen was? Obwohl der Titel des Protestes eine klare Antwort vermuten lässt, wird es ein wenig abstrakter: Die Organisatoren sprachen davon, den Machthabern in aller Welt zu zeigen, "dass Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Angstmacherei nicht toleriert werden". Natürlich ist Trump für viele Menschen die Galionsfigur dieser negativen Zustände, aber warum will man den Machthabern aller Welt zeigen, dass die Deutschen diese Problematiken nicht unterstützen, zumal der Protest auch niemals wirklich den Wirkkreis deutschsprachiger Berichterstattung verlassen wird, um in besagten Ländern große Wellen zu schlagen. Es bleibt der schale Nachgeschmack einer Imagepflege des deutschen Bildungsbürgers, der nur einmal an öffentlicher Stelle sagen wollte, dass er ja mal gar nicht mit diesem Präsidenten einverstanden ist, und ebenfalls nicht mit Labeln, die an ihm haften.

Darf sich so etwas noch Protest nennen? Man neigt dazu „Nein“ zu sagen, denn Proteste drücken nicht nur ein Unbehagen gegenüber eines Umstandes aus, sondern wollen diesen auch in der Regel verändern. Es gab unzählige Proteste gegen Trump seit seiner Aufstellung als Kandidat und während des Wahlprozesses (Proteste die leider mehrheitlich im gleichen marktschreierischen Gestus geführt wurden, den der Kritisierte schon bediente) – aber nun wurde dieser Mann halt mehrheitlich gewählt. Und zwar durch das demokratische System, welches uns überhaupt erst eine Protestkultur ermöglicht hat, ohne erschossen oder inhaftiert zu werden. Wenn ein Politiker demokratisch gewählt wird, dann muss sich die kleinere Gruppe, welche die Wahl verloren hat, damit abfinden und kann nicht allen ernstes mit einem Mittel des demokratisch-politischen Systems fordern, dass die ranghöchste Amtseinführung einer demokratischen Wahl rückgängig gemacht wird. Das führt sich doch selbst ad absurdum und untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit.

Und wenn es nicht darum geht Trump als Präsidenten abzusetzen, müsste jeder, der Anti-Trump-Parties besucht, sich eingestehen, dass er in diesem Fall einfach nur penetrant über etwas meckert, das sich nun nicht mehr ändern lässt. Da verkommt politisches Engagement dann zu einem Trinkanlass und zur Selbstdarstellung. Auf der Welt gehen lauter dringliche Geschehnisse vor sich, denen der Platz in einem Newsfeed verwehrt bleibt weil in Industrieländern Proteste durchgeführt werden, die nur der linksliberalen Selbstbeweihräucherung dienen. Ich habe einfach keine Lust Monate nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse Facebook-Posts mit Inhalten wie     „Die Welt steht am Abgrund mit Trump als Präsidenten!“ zu lesen. Das ist in gleicherweise sinnlos, wie die immer selben mitleidigen Kommentare, dass die Klimaerwärmung eine schlechte Sache ist. Jeder weiß, dass die Klimaerwärmung vor sich geht, wer das noch nicht verstanden hat, wird es auch nicht, und nur zu propagieren, dass das eine schlechte Sache sei, führt zu keiner Lösung, sondern nervt mich höchstens. Wenn sich eine Gruppe schon gegen etwas mit den Mitteln des Protests formieren will, dann sollte das vielleicht auch ergebnisorientiert passieren. Man könnte sich fragen, was beispielsweise dazu geführt hat, dass dieses unangenehme Wahlergebnis eingetreten ist. Wie wäre es mit Protesten gegen das Wahlsystem, oder am generellen staatlichen Aufbau der weiterhin gewährleistet, dass solch fragwürdige Präsidentschaftsnominierungen überhaupt zu Stande kommen. Aber ich möchte die Trump-Party-Verkaterten auch nicht bevormunden, sicherlich fällt ihnen eine spaßige, eventuell ironische, Protestmethode ein, die auch noch zu gewährleisten in der Lage ist, dass man sich die Birne zu kippen kann. Wie wäre es mit einer Kunstausstellung in Kreuzberg?



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