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Ich bin seit 2010 Hobbyautorin und bin hauptsächlich im Fanfiktion-Bereich unterwegs. Irgendwann im jahr 2015 fing ich dann an, aktiv mit eigenen Charaktern zu schreiben und bin so auch ab und zu im Prosa-Bereich wiederzufinden. Zwar kann ich mich noch nicht ganz von meinem Fandom lösen, aber ich versuche verstärkt mit eigenen Charaktern zu spielen


SerenaHell

Was ein Buch mir schenkte

Nennt man es Schicksal oder Zufall, wenn man seinen Weg ändert und dann etwas besonderes passiert? Wenn ein Wagnis, eine neue Sache, einen in neue Richtungen führt? Begegnungen können nicht nur mit Menschen stattfinden. 

 

Serena zählte sich zu den Personen, die von sich selbst nicht viel hielt. Lob wurde kritisch betrachtet und Kritik immer für bare Münze genommen. Sie war, nein ist, eine zurückgezogene Persönlichkeit, die mit jedem verstreichenden Jahr immer mehr das Alleinsein vorzieht. 

Aber eins gibt es, wo sie Offenheit zeigt. Wo sie sich Lob als solches zu Herzen nimmt und Kritik überhaupt erstmal selbst nachprüft. 

Dort fühlt sie sich aufgehoben. Dort fühlt sie sich geborgen. Denn dort ist der einzige Ort, an dem sie Freiheit, Ehrlichkeit und Offenheit zeigen kann, ohne gekannt zu werden. Serena ist nämlich nur ein Künstlername. Der Name für die Hobby- und Fanfiktion-Autorin. 

Vierzehn Jahre jung, es kommt einem wie eine Ewigkeit vor. Eintritt am 01.10.10. Vernarrt in das, was tausende Mädchen damals begeistert hatte - Bis(s). Sie hatte nicht genug von dieser Romanze bekommen können. Gott, Edward ist so heiß. Und diese Liebe! Die toppt nichts. Nicht, dass man sich dafür schämen müsste - Es geht nur um die Hintergrundgeschichte. 

Und was machte die junge Serena? Sie meldete sich in dem deutschen Fanfiktion-Forum an. Jede Geschichte, unabhängig von Wortzahl, Kapitel oder überhaupt der schriftstellerischen Qualität, wurde verschlungen.

Damals hieß Serena noch silkena. Ein Nickname, der Serena lange für sich behalten hatte. Aber das erzählt sie euch später. 

Silkena las, was sie in die Finger bekam. Damals war das Bis(s)-Fandom noch überschwemmt von Alternate Universe, All Humans und unendlich vielen Variationen vom zweiten Buch der Bis(s)-Reihe. 

Heute findet sie die Geschichte nicht mehr, die einen Meilenstein in ihrem Weg darstellte. Sie weiß noch, dass es um eine magersüchtige Bella ging - und einfach ohne Grund abgebrochen worden war. Aber sie wollte so dringend wissen, wie es weiterging. So dringend, so sehnlichst, dass sie beschloss, es selbst fortzuführen. 

Liebe geht durch den Magen. Sie kennt den Titel dieser Geschichte noch, im .rtf-Format existiert die Geschichte sogar noch auf ihrem Laptop. Nur wird dieses Dokument nie wieder geöffnet werden. Es bleibt, weil es wichtig für sie ist. 

Das stellte eine der wichtigsten Begegnungen ihres Lebens dar. Sie begegnete keinem Menschen, keinem atmendem Wesen, nichts, was diese Begegnung ebenso wiederspiegeln könnte. Deswegen kann sie mit Fug' und Recht' behaupten, dass es eine freudige Begegnung war - es könnte niemand widersprechen. 

Die begegnete der Literatur. Als Leseratte war ihr bereits einiges bekannt - anders wäre sie nie auf Bis(s) und das dazugehörige Fandom gestoßen -, aber ihr war nie in den Sinn gekommen, selbst zu schreiben. 

Heute, fast sieben Jahre später, kann sie sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. 

Es verging eine Weile, kurz, betrachtet sie ihre Stats beim Schreiben diesen Textes. Am 27.11.10 postete sie eine weitere Geschichte - die blieb, obwohl sie selbst die Geschichte nie wieder lesen würde. Denn so schlecht es im Vergleich auch ist, es ist ein wichtiger Punkt gewesen. Es brachte mich auf etwas anderes, als diese endlos ausgelatschte Bella/Edward-Romanze. 

Es war Kapitel 21, der 28.12.10, als sie sich den Weg zu einer neuen Liebe bereitete. Eine, die sie bis heute fasziniert. Die ganzen Fanfiktions (so sehr manche Menschen Fanfiktions auch verpönnen mögen), die sie zu dieser für mich besonderen Liebe verfasst habe, könnten Bücher füllen.

Eine Fanfiktion mit dem Fokus auf Carlisle Cullen und die Volturi. Eigentlich hatte Serena überlegt, dieses erste Review hier hineinzukopieren. Aber sie lehnt ab, sich dieser doch leicht beschämende Review-Art offen zu zeigen. 

Sie nennt den Namen dieser Person nicht, aber diese Fanfiktion-Autorin gehört heute zu ihren engsten Freunden. Die Kilometer waren dank ICQ, dann Facebook und schlussendlich WhatsApp niemals wichtig gewesen. Gesehen haben die beiden sich bisher nur zweimal in ihrem Leben und doch wissen sie viel voneinander. 

Es war die Entscheidung, sich diesem Carlisle zu widmen, die ihr eine weitere wichtige Begegnung schenkte. Eine, die sie bis heute in ihren Entscheidungen prägt. Eine, die sie im Leben nicht bereuen könnte - Durch das Schreiben. 

Anfang 2011 widmete sie sich zum ersten Mal dieser Liebe, die sie bis fesselt. Es ist nicht romantische Ader der Beziehung, die sie immer wieder neu erforscht. Und zuerst einmal zerstört, um sie neu aufbauen zu können. Sie begann darüber nachzudenken, wie Carlisle Cullen und Edward Anthony Mason zueinander standen. 

Manch einer, der bis hierher gelesen hat und den Fanfiktions nicht allzu abgeneigt ist, wird sich vielleicht wundern. Aber das, was ich daran so liebe, ist eine andere Geschichte, die nicht hierher gehört. 

Als Fanfiktion-Autor hat man einen stetigen Wandel im Bezug auf Favoriten, Zugriffe und dem einzigen Lohn den man bekommt - Reviews. Eine Person begleitet Serena bis heute bei dieser speziellen Beziehung. Jede Geschichte, sei sie doch so vorhersehbar mittlerweile, die mit dieser speziellen Beziehung zu tun hat, wird von ihr gelesen und bewertet. 

Diese Person gehört zu ihren größten Kritikern, treustens Lesern und besten Bewertern. Heute noch wartet sie sehnsuchtsvoll auf ihre Reviews, wohl wissend, dass es die ehrlichste Kritik oder das beste Lob sein wird. Vor allem diese Person prägt den heutigen Schreibstil. Durch jede Höhe, durch jede Tiefe, hat diese Person Serena begleitet - Eine Begegnung mit einer anonymen Person, die weder im Alter noch im Wohnort bekannt ist. 

Auch diese Begegnung zählt zu ihren wichtigen. 

Viele Jahre beschäftigte Serena sich nur mit dieser Beziehung beschäftigt. 

Mit dieser Beziehung entstand Serena selbst, der Künstlername silkena wurde überflüssig. Irrelevant und nichtssagend. 

Zu erkennen, wer Serena ist, war für die Fanfiktion-Autorin Serena ein hartes Stück Arbeit. Es nicht nur als eine Namen auf einer Seite zu sehen, als einen Namen für den ersten selbstgeschaffenen Charakter, sondern als etwas tiefgehenderes. 

Als sie silkena in Serena änderte, hatte sie erkannt, wer Serena war. 

Serena war, und ist, ein Teil von der Autorin Serena. Es gibt diesen Teil, den sie in der Gesellschaft repräsentiert. Doch dieser Teil ist nicht Serena. Serena ist die Hobby-Autorin. Die zwar alles andere als perfekt, nicht einmal ansatzweise bekannt oder gar unfehlbar ist, aber einen Ort gefunden hat, den sie braucht.

Den ihr niemand mehr nehmen kann.

An dem sie die besten Menschen gefunden hat, die sie kennt.

An der sie die Kontrolle behält. In der realen Welt wäre sie diesen Menschen nie begegnet. 

Nur ein Mensch, dem sie schon mit Zehn begegnet war, stammte aus ihrem reelen Leben. Heute reute Serena viel ihres Verhaltens in der Unter- und Mittelstufe. Sie hat es dieser Person damals genauso wenig leicht gemacht, einen Fuß im Leben zu setzen. Jahre später, noch gar nicht so lange her, brachte sie diese eine Leidenschaft zusammen. 

Derselbe Geschmack beim Schreiben. Dieselbe Faszination. Ein immerwährend offenes Ohr. Unterstützend, liebevoll und loyal. 

Stephenie Meyer mag heute nicht mehr Serenas erste Wahl in der Vampirliteratur sein und vielleicht mag sie die Beziehung, die Bücher, mit sehr viel mehr Kritik betrachten. 

Trotzdem hat diese Frau diese eine Buchreihe geschrieben, die Serena das Schönste, Wertvollste und Wichtigste in ihrem Leben gebracht hat. Begegegnungen werden immer mit atmenden Wesen definiert, trotzdem kann sie nicht anders, als zu sagen - Diese Bücher waren die beste Begegnung, die sie gehabt hatte. 

ENDE



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