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Mona
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Zwischen Uni und Nebenjob

Wenn es in der Domstadt mal nicht so rund läuft

 

Kennen Sie das auch? Ein Tag an dem nichts so läuft, wie es soll, an dem man schon beim Aufstehen genervt ist und man ahnt, dass wird heute nicht besser werden?

So erging es auch der Studentin, die an diesem frühen Morgen noch vor dem Wecker erwachte. Schuld war wieder einmal die kölner Müllabfuhr, die in diesem Stadtviertel in aller Herrgottsfrühe ihren Arbeitstag begann und wie jede Woche freundlicherweise Sturm klingelte, um an die Mülltonnen zu erinnern, die natürlich noch nicht an der Strasse standen. Denn die Bewohner des Hauses Nr. 48 waren in der Regel studentische Spät-ins-Bett-Geher und daraus folgend Spätaufsteher am nächsten Morgen, was den wöchentlichen Dienst an den Mülltonnen deutlich belastete. Dennoch waren an diesem Morgen alle pünktlich zur Uni und Arbeit ausgeflogen und das Öffnen der Tür überblieb der – den Träumen hinterherjagenden – Studentin.

Mit einem ausgiebigen Frühstück versuchte die Studentin den Tag noch zu retten. Während der starkt verkalkte Wasserkocher vor sich hinbrodelte und der Toaster ein ‘Brikett’ auswarf, stellte sich die Frage, welche Maus nun wieder auf verbrecherischen Sohlen den Kühlschrank ausgeraubt hatte. Für das morgendliche Festmahl blieben also nur schwarzer Tee mit viel Zucker, Butter auf einem traurigen Toast und zwei Folgen Desperate Housewives, um die Gedanken von schwerwiegenderen Problemen (Bachelorarbeit) abzulenken. Leider hatte sich die Uhr an diesem Tage überlegt, schneller zu ticken. So war es schließlich – aus zwei Folgen wurden fünf - schon sehr viel später als erwartet. Und so blieben der Studentin nur wenige Minuten, um sich im Galopp salonfähig zu präsentieren, die Treppe hinunter zu stürzen und im letzten Moment die U-Bahn Richtung Hochschule zu erwischen.

Doch auch die KVB hatte keinen guten Start in den Tag. Erneut gab es einen Unfall der Linie 12 zwischen (H) Neusser Str./Gürtel und (H) Scheibenstr. Betroffen davon war nun selbstverständlich auch die Linie 15. So hieß es also warten, was den meisten Menschen bekanntlich schwerfällt, so auch der Studentin. Und auch ein Statement der KVB zum Vorfall: ‘Die Bahnen fahren in unregelmäßigen Abständen’ konnte den Unmut und die Ungeduld kaum besänftigen. Die Studentin wartete unglaubliche 15 Minuten, um dann in eine überfüllte Bahn einzusteigen. Plötzlich glaubte die Studentin in einem Science Fiction Film zu sein. Auf der Anzeige der Bahn las sie das Datum: 09. Juni 2004. Ein wissenschaftliches Wunder? Befand sie sich in einer Zeitmaschine und raste zurück zu ihren Wurzeln? Der Gedanke wurde mit einem abruptem Bremsen der Bahn beendet und die Studentin hatte die Innenstadt endlich erreicht.

In der Hochschule angekommen fehlte jede Spur ihres Vorlesungsmaterials. Hatte sich hier eine diebische Elster an ihren Vorlesungsunterlagen vergriffen? Auch von Block und Stift war nichts zu sehen. Heimlich prüfte sie ob ihr Kopf zumindest noch an Ort und Stelle war. Damit der Dozent von ihrer Zerstreutheit nichts mitbekam, lieh sich die Studentin schnell Zettel und Stift bei ihren Kommilitonen. Der Zettel blieb dennoch unbenutzt. Denn während der Vorlesung gestand der Dozent, dass ‘alles in den Skripten stehe’ und “außerdem werde vor der Klausur das Thema noch einmal ‘stark’ eingegrenzt”, was die Wichtigkeit des Lernens an diesem Tag stark mindert. Das Mitschreiben hatte sich somit erübrigt und auch die Lehranstalt konnte ohne schlechtes Gewissen verlassen werden. Endlich ein Lichtblick an diesem hektischen Tag.

Nun rief nur noch die Pflicht: 6 Stunden arbeiten. Es war Weihnachtszeit und der Marktplatz boomte vor Weihnachtsmarktständen, Besuchern, Essen, Glühwein, Polizei und Krankenwagen. Die Eislaufbahn am Heumarkt war das Ziel der Studentin. Heute mussten wieder Schlittschuhe ausgeliehen, angezogen, zurückgegeben und desinfiziert werden. Die Studentin erwartete eine Schicht voller Spaß und Missverständnisse. 6 Stunden lang sah sie Menschen verschiedenster Nationen: Deutsche, die sich nur beschwerten; Franzosen, die kein Wort englisch verstanden; Italiener, die zum Glück Spanisch verstehen konnten; Engländer, die eindeutig zu viel Glühwein getrunken hatten; Chinesen, die zum ersten Mal auf dem Eis liefen; Eltern, die ihre Kinder alleine auf der Eisbahn fahren lassen und ihnen auf keinen Fall selbst helfen wollten; Kinder, die ohne ihre Eltern nicht Eislaufen mochten; Amerikaner, die alles hinnahmen und die Kölner Haie. Letztere wurden zu ’Sozialstunden’ verpflichtet und mussten auf dem Weihnachtsmarkt aushelfen. So gab es in diesem Fall neben Kinderbetreuung auf dem Eisfeld durch die Kölner Haie auch zur Freude aller ausreichenden Alkoholnachschub und Autogrammstunden.

Endlich: Um 22.00 Uhr hatte es die Studentin geschafft. Ein anstrengender, schlecht gestarteter Studien- und Arbeitstag neigte sich dem Ende. Noch eben das obligatorische Feierabendkölsch auf dem Heimweg und dann auf schnellstem Wege nach Hause. Dort wartete bereits das Bett und weitere Folgen Desperate Housewives. Die Nachtspeicherheizung in der Altbauwohnung war noch nicht einmal warm geworden – hat aber schon hunderte Euro Strom gezogen – da hieß es dann leider: ‘Licht aus und schlafen’. In der Kneipe im Erdgeschoss feierte man noch eine weihnachtliche Party im ‘Sing mit’-Stil. Geübt konnte die Studentin diese wohlwollenden Klänge ausblenden und begab sich zurück ins Tal der Träume voller Reichtum und Freiheit.

8 Stunden später klingelt es. Es ist wieder einmal nicht der Wecker. Ein motivierter Postbote hat es geschafft vor 10 Uhr an der Tür zu sein. Die Hausbewohner sind arbeiten. Und so bleibt der Studentin keine Wahl, als beim zweiten Klingeln erneut aufzustehen und den Tag seinen Lauf nehmen zu lassen.

Liebe Deine Stadt!



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