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Amelie

Liebe, Hass und Amelie

 

Du bist genau das, was sie jetzt braucht.
Amelies Eltern lieben mich ab dem Augenblick, in dem ich über ihre Türschwelle trete. Sie lieben mich für all das, was ich nicht bin. Dafür, dass ich nicht sieben Jahre älter als Amelie bin, kein Vorstrafenregister habe, kein Junkie bin, ihr nicht die Nase brechen werde, wenn sie Schluss macht. Per Kopfnuss.

Zwei Monate später macht Amelie mit mir Schluss. Ich breche ihr nicht die Nase. Sie sagt, sie wird einige Wochen nicht in der Stadt sein. Sie begibt sich für vier Wochen in eine geschlossene Therapie, erzählt mir ihre Freundin Sophia. Es ist nicht das Einzige, das sie mir erzählt.

Christoph, du bist doch Amelies Freund.
Ja.
Ich auch.
Christoph und ich schlagen uns an diesem Tag nicht. Amelie und Sophia sind nicht mehr befreundet.

Amelie ist zurück in der Stadt und nur noch Christophs Freundin. Wenn es sich einrichten lässt, schlafen wir miteinander. Nachdem mit Christoph Schluss ist, kommen wir wieder zusammen. Sechs Wochen schlafen wir miteinander, wenn es sich einrichten lässt, dann macht Amelie Schluss. Sie hat Angst, sich zu verlieben. Ich breche ihr nicht die Nase.

Wochen später - Amelies neuer Freund heißt Tobias - erreicht mich ihre SMS um Mitternacht. Ein sieben Jahre älterer, vorbestrafter Junkie bedroht sie. Ich leihe mir Philips Porsche und fahre rasend vor Alkohol, Aggression und Angst durch die Stadt. Als ich um zwei Uhr aufgebe, schreibt sie mir, dass alles in Ordnung ist. Ich erfahre nie, ob sie gelogen hat. Eine halbe Stunde später schleiche ich in ihre Wohnung, ihr Zimmer, ihr Bett. Wir schlafen in dieser Nacht miteinander. Ebenso in den nächsten Wochen, wenn es sich einrichten lässt.

Katharinas Geburtstagsfeier ist großartig. Dass ich Amelie mitgebracht habe dagegen nicht. Helena ist endlich einmal betrunken. Ich weiß nicht wie lange ich darauf gewartet habe, dass es passiert und ich weiß nicht wie lange wir Stirn an Stirn aneinander lehnen ohne dass es passiert.
Helena, wenn du das machst, rufe ich Felix an, ruft Caroline.
Gott, ich habe dich immer schon gehasst.
Warum hast du mich überhaupt mitgenommen, ruft Amelie.

In die Stadt sind es fünf Kilometer. Amelie will die Strecke zurück laufen. Ich weiß, sie will, dass ich sie aufhalte und so halte ich sie auf. Es ist ein Spiel. Beide spielen wir unsere Rollen um geschlagen zu werden. Und so stürzen wir im Strudel aus Alkohol, Abscheu und Anziehung auf den Asphalt.

Für einige Wochen sehen wir uns nicht. Kurz bevor ich nach Barcelona fahre lässt es sich einrichten, also schlafen wir miteinander. Am dritten Tag in Barcelona küsse ich das erste Mal Johanna. Am vierten Tag haben wir Sex. Am fünften Tag schreibt mir Amelie.
Ich vermisse es, in deinen Armen zu liegen.
Sie erhält keine Antwort von mir.
Zurück in Deutschland weiche ich ihr aus. Ich schaffe es eine Woche.
Hast du dich in Johanna verliebt?
Die Sache mit Johanna ist mir ernst und nicht von Dauer.
Ich habe das Gefühl, du kannst für mich niemals empfinden, was du für Amelie empfunden hast.

Cristina ist aus Rumänien und drei Jahre älter als ich. Wir sehen uns einmal auf Jakobs Geburtstag. Ich verliebe mich auf den ersten Blick, doch am nächsten Tag fliegt sie für sechs Monate nach Brasilien. Seit dieser Woche ist sie zurück. Im Club, in dem wir uns wiedersehen arbeitet Nadine an der Bar, weshalb ich um zwei Uhr kaum noch laufen kann. Ich will doch kann mich auf der Toilette nicht übergeben. Unkontrolliert treibe ich durch das wogende Meer aus Menschen, bis ich auf Grund laufe. Amelie greift und küsst mich aus der Menge heraus.
Komm erst mal über deine Ex hinweg. Dafür bin ich echt zu alt.

Amelie und ich sind das letzte Mal auf einen Kaffee verabredet und sie hat Neuigkeiten.
Ich habe eine neue Nummer, die du nicht bekommst. Ich studiere Jura in Hamburg. Ich will einen Neuanfang.
Das ist genau das, was ich jetzt brauche.



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