published in 'CHIAROSCURO' on Juptr.io

0
0

Je-m'en-foutiste, living and writing in Cologne, Germany.


Suffimoiselle

Fleischkleider, die Lady Gaga klaute

Jana Sterbaks Life-Size im Lehmbruck-Museum in Duisburg.

 

Der Tag an dem Lady Gaga bei den VMAs 2010 versuchte, ein Tabu zu brechen und sich in mehrere Kilo rohen Fleisches hüllte, war ein Tag, an dem sie die Kreation einer Künstlerin kopierte: Jana Sterbak.

 

Lady Gaga bei den VMAs 2010 in einem Kleid, das von Jana Sterbak inspiriert ist.

Vanitas: Flesh Dress for an Albino Anorectic, ein Kleid, wird für jede ihrer Ausstellungen neu geschaffen. Wie dem Titel bereits entnommen werden kann, thematisiert das Kleid die Auseinandersetzung des Irdischen Daseins mit seiner Vergänglichkeit, einem barocken Leitmotiv, das durch Jana Sterbaks Werk des Öfteren postmodern interpretiert wird. Sie widmet sich dabei außerdem der Rolle der Frau in der Gesellschaft, weshalb ihr Œuvre unter anderem auch feministisch konnotiert wird.

Neben einem Kleid aus Fleisch, dessen Verfall u.a. durch den Abdunklungsprozess des toten Tieres bestaunt werden kann, präsentiert die Künstlerin im Museum Lehmbruck in Duisburg außerdem noch ein den Körper komplett verhüllendes Strickkleid, wodurch die Trägerin sich anonym in der Gesellschaft bewegen kann, obgleich sie alle Blicke damit auf sich zieht.


"

Eine Krone, die beginnt zu glühen und heißer wird, je näher man an sie herantritt...

Das fleischliche Thema greift sie ebenfalls in der Arbeit zu einem Sessel auf, der gegenteilig zu dem Kleid, das für jede Ausstellung auf ein Neues produziert wird, immer der gleiche ist. Hierdurch wird die Vorliebe Sterbaks für widersprüchliche und gegensätzliche Thematiken bzw. Verwendungen eines bestimmten Materials deutlich.

Als wäre das nicht schon genug gewesen, wird der Besucher neben dem Schock-Moment des Kadaverkleides und des vor sich hergammelnden Chair Apollinaires, durch weitere Objektinstallationen zum Nachdenken über seine Rolle in der Gesellschaft angeregt.

Eine Krone, die beginnt zu glühen und heißer wird, je näher man an sie herantritt, oder ein Kleid, dessen Stromdrähten durch den Annäherungsprozess des Betrachters an das Objekt beginnt, zu leuchten. Jana Sterbak liebt es brenzlig und die Gefahr, wobei sie die Geschichten von Märchenerzählungen aus Kindheitstagen oder der griechischen Mythologie in ihre Werke spielerisch und provokativ verwebt.


Wer sich dem Wagnis stellen möchte, kann noch bis zum 11. Juni in Duisburg die Installationen und Fotografien der Künstlerin bestaunen. Falls das bis hier hin noch nicht schmackhaft genug sein sollte: Vor Ort gibt es auch noch ein Bett mit einer Brotmatratze und ein Schokoladenskelett. Eine vollmundige Ausstellung.



Published in: