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Mal poetisch, mal grotesk, gerne traurig, kafkaesk. Tags im Laden, dann am Schreiben. Nachts in Gedankenmeeren treiben.


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Aber

Wenn der Hass dich übermannt, bilde dir ein, du seist tolerant.

 

Freitagabend, Bier steht kalt, 
Für Party bist du schon zu alt, 
Lieblingsserie ist geladen, 
Jetzt fehlen noch Gemüsefladen. 
Du schälst gerade deine Möhren, 
Da kannst du sie schon wieder hören!
Die beiden Sünder über deinem Kopf!
Du schnaubst erzürnt in deinen Topf. 

Was treiben die da oben wieder?
Der Hass fährt dir in deine Glieder. 
Du hörst sie reden, rufen, lachen -- 
Das können die zwei doch nicht machen!
Selbst wenn sie schon zusammenleben, 
Müssen sie dir das nicht auf die Nase kleben! 

Zwei junge Männer im besten Alter, 
Was stimmt nicht mit dem Hausverwalter?
War er bei der Besichtigung denn blind?
Du hast doch noch ein kleines Kind!
Wie furchtbar schrecklich es doch wäre, 
Zöge dein Sprössling einst die Lehre, 
Dass sein Herz für jeden schlagen kann -- 
Egal, ob Frau oder ein Mann. 
Dass sein Gefühl gut ist und echt, 
Ganz unabhängig vom Geschlecht. 
Dass es egal ist, was die Leute sagen, 
Sollen sie doch an ihren Vorurteilen nagen!

Was wäre das für eine Welt, 
In der man Entscheidungen aus Liebe fällt?
Nicht angeführt von Angst und Hass. 
Keine Unschuldigen mehr beim Aderlass.
Der Gedanke gibt dir fast den Rest; 
Den Kochlöffel hälst du ganz fest. 

Dein Abendmahl ist nun gerichtet
Und deine Stimmung hat sich leicht gelichtet.
Du denkst: Was bin ich für ein toller Mann, 
Dass ich das still ertragen kann. 
Es liegt eindeutig auf der Hand:
Du bist ja ach so tolerant.



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