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Hallo zusammen! Ich bin Jana, 20 Jahre jung und habe diese Seite ganz neu für mich entdeckt. Mein Hobby, das Schreiben und Lesen von interessanten Artikeln und Beiträgen, möchte ich so etwas mehr Raum geben. Ich studiere zur Zeit Germanistik und Geschichte, schreibe gerne vor mich hin. Bisher aber noch ohne etwas zu veröffentlichen. Vielleicht ändert sich das.
Außerdem bin ich ein großer Tierfreund und liebe gute Musik. Alles was der Seele gut tut eben.


Jana Wagner

Die Suche nach dem Keks

Jeder ist auf der Suche. Immer. Da gibt es alltägliche Dinge, wie die Fernbedinung oder den Schlüssel zu suchen. Aber wenn man gefragt wird, stellt sich bei vielen doch eine größere Suche in den Vordergrund. Nach Liebe,Sinn, Erfolg und Glück...oder so ähnlich. Für mich ist das der ,,Keks" des Lebens. Denn so wie mein Hund ein Leckerlie sucht, nämlich entschlossen, zielstrebig und vorallem mit Freude an der Sache, so müsste das doch auch zu finden sein....

Ein kurzer Einblick wie mein Hund mir half die Spur zu finden.

Das große Ziel findet man, wenn man auf dem Boden bleibt.

 

Hoch konzentriert schnüffelt sich die kleine Nase durch das hohe Gras. Die Rute ist oben, die Ohren gespitzt. Nichts entgeht ihr. Obwohl sie die Schnecke wahrnimmt und auch meine kleinen richtungsweisenden Hilfen, folgt sie konsequent dem Geruch des Hundekekses.  Zwölf Sekunden, genau zwölf, dann hat sie ihn hinter einem Stein entdeckt und verschlingt ihn gleich. Bewundernswert.

Ich sehe ihr gerne dabei zu und mache diese Späße mit ihr. Es ist tatsächlich so, von den Tieren kann man viel über sich selber lernen. Im Moment bin ich in der Phase meines Lebens, wo andere sagen:,,Du kannst noch gar nicht wissen was du willst." oder ,,Dir fehlt noch die Erfahrung um das zu beurteilen."

Ich kann dazu sagen, dass ich ziemlich genau weiß was ich im Leben suche, nämlich Zufriedenheit. Klingt einfacher als es ist. Meiner Ansicht nach sollte man dem nachgehen, was einen glücklich macht und Freude bereitet, besonders wenn man jung ist. Das ist natürlich nicht immer machbar...eher das Gegenteil. Der Weg dahin entpuppt sich zunehmens als steile Wand in einem unendlich erscheinenden Gebirge.

Für mein Abi musste ich viel lernen, jeden Notenpunkt erarbeiten in langen Nächten, in denen ich verzweifelt über dem Mathebuch hing und manchmal aufgeben wollte. Immer wenn ich kurz davor war, alles zu ernst zu nehmen, hörte ich kleine tapsige Schritte vor meiner Zimmertür. Ein Schnüffeln. Ein leises Winseln. Wenn meine kleine Gina dann rein kam, immer froh mich zu sehen, konnte ich nicht anders als mich erleichtert zu fühlen. Dann konnte ich sogar wieder mit neuer Motivation lernen, während  mich mein kleiner Hund vom Bett aus beobachtete.

Der Wille den Keks zu suchen muss da sein.

Gina das ,,Such!'' beizubringen war nicht schwer, sie ist ein Jagdhund, auf langen Waldspaziergängen fühlt sie sich am wohlsten.Sie zu überzeugen, lieber das Leckerlie als die Maus zu jagen, stellt dagegen heute noch manchmal eine kleine Schwierigkeit dar.

Mein Studium ist auch nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Nicht freier als die Schule, nur unübersichtlicher. Dennoch führt es mich zu dem was ich machen möchte, denn manchmal muss man wohl einen unangenehmen Umweg gehen. Schreiben will ich, recherchieren...Journalismus, Autor..vielleicht ein Drehbuch.

Einer Passion folgen ist für mich ein wichtiger Teil vom Keks.

Dabei suche ich mir Geschichten zusammen. In der Großstadt nicht schwer. Die die anders sind, verrückter, auffallender oder einfach fröhlicher oder trauriger als der Rest. Die erzählen einem die besten Storys über das Leben. Manchmal reicht es auch ziellos mit dem Bus oder der S-Bahn zu fahren, die Eindrücke und die Atmosphäre etwas aufnehmen, hilft den Überblick zu behalten und das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren.

Mein Hund lebt jetzt schon fast dreizehn Jahre in meinem Heimatdorf. Im Haus mit großem Garten. Man könnte meinen sie sei mit der Zeit müde oder träger geworden. Wenn ich jedoch an das Regal mit der Leine gehe, flippt sie praktisch aus vor Freude. Ihre großen Augen blinzeln glücklich zu mir hoch, während sie lustig um mich herum hüpft und piept. Wir gehen eigentlich, seit je her die immer gleichen Runden, durch das immer gleiche Dorf. Ihre Freude an dieser, vermeintlichen Monotonie, ungetrübt. Eher von Tag zu Tag mehr. Wenn ich dann noch Kekse einstecke, ist sie nicht zu halten.

 In meinem Nebenjob schlich sich auch langsam die Frustration ein. Ich fühlte mich überflüssig und oft leer und müde danach. Dazu kam die Sorge, mit dem studieren nicht hinterher zu kommen. So sitzt man dann spät Abends auf dem Heimweg in der S-Bahn, allein in seinen Gedanken und Sorgen, bis an einer Haltestelle ein Punk mit Gitarre zusteigt und ein Lied singt, ,Wild Horses' von den Rolling Stones. Er singt es mit solch einem Gefühl und Ehrlichkeit, auch wenn nicht jeder Ton sitzt, dass ich danach mit einem Lächeln und neuem Mut ausgestiegen bin. An diesem Tag konnte mich nichts mehr erschüttern, ich war gut drauf.

Freude, auch in den kleinen Dingen zu finden, hilft auf der Suche nach dem Keks.

Warten ist nicht ihre Stärke. Gina ist ungeduldig und muss sich zusammenreißen. Ich habe ihr den Keks auf den Kopf gelegt, erst auf mein Kommando darf sie ihn haben und den Kopf senken. Sie ist nicht genervt, eher aufgeregt dabei. Zittert vor Spannung und schielt immer wieder nach oben, guckt dann wieder flehend zu mir. Sie hält durch, einmal atmet sie tief ein und aus, als wolle sie sich beruhigen. Schaut mich dann konzentriert an. Ich gebe ihr das erlösende Zeichen. Schnell ist das Leckerlie verschlungen, sie schaut mich grinsend mit wedelnem Schwanz an. Gleich nochmal.

Das Warten kann einen zermürben. Seit der sechsten Klasse habe ich den Wunsch einmal in die USA, nach Kalifornien zu reisen. Ein Schüleraustausch kam jedoch nicht in Frage, ich wollte dort soviel Freiheit wie möglich haben. Diese Entscheidung sollte mich auf eine Geduldsprobe stellen. Einige Mitschüler reisten im Urlaub dorthin, andere gingen nach dem Abi, als Au pair ins Ausland. Ich wollte so gerne, aber hatte mir im Laufe der Zeit einen Plan gemacht. Los Angeles sollte es sein. Bis ich schließlich alle finanziellen Mittel zusammen hatte, war ich zwanzig geworden. Diesen Sommer nun, beinah zehn Jahre nach meinem Erst-Wunsch dorthin zu fliegen, mach ich es endlich wahr.

Geduld ist wichtig um den Keks zu finden.


So habe ich mit und durch meine liebe kleine Gina, gelernt der richtigen Spur zu folgen um meinen Lebens- Keks zu finden. Zufrieden ist man auf der Suche, wenn man den richtigen Weg hat. Der Wille, die Leidenschaft treiben einen an. Die Freude dabei und die Geduld lassen die Suche ein Abenteuer werden. In all meinen Lebenslagen muss ich oft an Gina denken, wie sie jede Sekunde genießt und jeden Keks mit der selben Ambition sucht und findet. Von meinem Hund kann ich soviel über das Suchen und über das Leben lernen, wie von wenigen anderen. Es stimmt schon, auch wenn es kitschig klingt: Dein Tier weiß um dich.

Obwohl ich noch auf der Suche bin, denke ich einmal meinen Keks zu finden.

Gina ist auch so erfolgreich bei ihrem suchen, weil sie weiß wie lieb ich sie hab und wir wohl beide große Freude an der gemeinsamen Zeit haben. Sich mit Menschen oder Tieren zu umgeben, die man liebt, trägt nämlich zusätzlich ungemein dazu bei, sich den Weg zu erleichtern und über das Ergebnis zu freuen. Egal ob es die Erwartungen voll erfüllt oder nicht.

Wenn man sich mit liebenden Menschen und Tieren umgibt, ist man schon nah am Keks.

Vielleicht wartet die nächste Belohnung schon hinter der Ecke, viellecht muss ich auch noch etwas warten. Ganz egal ich freu mich drauf, wie Gina es tun würde, denn bis jetzt gab es am Ende immer einen Keks.





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