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Die Literatur ist die angenehmste Art und Weise das Leben zu ignorieren.


M.B.

Wach auf 

 

Ich kenne dich seit Jahren.

Du kennst mich.

Ich weiß wonach du suchst.

Nach was?

Ich weiß wo dein Platz ist.

Mein Platz.

Ich weiß wie du dich fühlst.

Wie ich mich fühle.

Ich weiß, du willst zurück.

Zurück.


Sein Herz schlug immer wieder gegen seine Brust als er aufwachte. Immer dieser Traum. Seit Jahren. Und noch immer nicht weiß er was diese Stimme von ihm will. Jedes Mal sagt sie, er würde nach etwas suchen, doch wenn er sie fragt warum antwortet sie nicht.

Wach auf.

Er schreckt zurück. Sowas war ihm noch nie passiert. Noch nie hatte er diese Stimme gehört als er wach war. Panik brach in ihm aus. Mit niemandem hatte er je darüber geredet. Wie sollte er das denn auch erklären? Sein Herz klopfte schneller als normal und zügig stand er auf. Gedanken flogen ihm durch den Kopf. Träumte er? Er zog sich Hose und Jacke an und lief aus der Wohnung. Er lief durch die Stadt. Kein Auto, kein Mensch war zusehen. Seine Beine trugen ihn von alleine und ehe er sich versah stand er mitten in einem Wald. Träumte er?

Komm zurück.

Die Stimme klang klarer als er sie je hörte und plötzlich fühlte er sich nicht mehr verängstigt, sondern beschützt. Der Wind streifte die Blätter der großen Bäume und es raschelte in allen Ecken.

Kämpfe um dein Leben.

Schnell blickte er nach rechts, in die Richtung in der die Stimme kam und etwas in seinem Herzen wollte ihr folgen. Also lief er durch den Wald, folgte der Stimme, welche in der Stille immer lauter wurde. Er betrachtete die Blätter, die in der Luft tanzten und hörte den Vögeln zu, wie sie ein Lied für ihn sangen. Er folgte der Stimme weiter in den Wald hinein, bis er sie auf einmal nicht mehr hörte. Mit einem Keuchen ging er auf die Knie und hielt sich den Kopf. Alles um ihn herum drehte sich und ein Brummen in seinem Kopf, wollte nicht aufhören. Ein neutrales Piepen ertönte in seinem Kopf welches in einem monotonen Rhythmus kam. Schwer atmend fühlte er sich als müsste er sterben. Blut spuckend lehnte er sich gegen einen Baum. Du darfst nicht in Panik geraten, fiel ihm als Erstes ein. Er schloss die Augen und sog scharf die Luft ein.

Er saß im Auto und lenkte es. Die Lichter der Autos strahlten ihm entgegen. Neben ihm saß eine Frau und erzählte ihm etwas, dabei lächelte sie mit dem schönsten Lächeln, welches er je gesehen hatte.

Bleib bei mir.

Keuchend öffnete er wieder seine Augen. Die Stimme, dachte er. Sie war zurück. Es war die Selbe, wie die der Frau im Auto. Den Kopf haltend stand er wieder auf. Kurz wurde ihm schwarz vor Augen, doch er kämpfte. Er wollte zu der Stimme. Ihr folgen. Aus diesem Wald hier heraus. Er wollte wissen was hier eigentlich los war.

Ich bin bei dir.

Er kämpfte sich nach vorne und langsam wurden die Schmerzen weniger und das Atmen fiel ihm ebenfalls leichter. Hatte er es geschafft? Ein Gefühl von Erleichterung machte sich in ihm breit. Plötzlich hielt er sich wieder ächzend den Kopf.

„Fahr‘ nicht so schnell. Wir haben doch noch Zeit.“, lachte sie und sah auf die Straße. „Ich weiß. Ich will aber nicht so-“, schreiend unterbrach sie ihn. „Alex!“ Er hörte nur noch ein lautes Hupen und sah die Lichter des Autos welches, gerade auf sie zu raste. Panisch sah er zu ihr rüber, doch dann ein harter Aufprall und ihm wurde schwarz vor Augen. Man sagt ja, vor dem Tod sieht man sein Leben an sich vorbeiziehen. Doch das was er sah, waren einfach nur die letzten Momente mit ihr.

Er würgte, entschloss sich jedoch weiter zu gehen. Langsam fiel es ihm schwerer einen Fuß nach dem anderen zu setzten. Doch er nahm alle seine Kräfte zusammen und zwang sich weiter. In der Ferne erkannte er eine Silhouette. War es sie? Er lief weiter ohne anzuhalten. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, an „Was wäre wenn“. Als er nur wenige Meter entfernt war, konnte er nicht mehr. Er kniete sich hin. Die Silhouette hatte den Rücken zu ihm gekehrt und er sah langes braunes Haar, welches wie die Blätter im Wind wehte. So kurz vor dem Ziel durfte er nicht aufgeben. Doch dazu fehlte ihm die Kraft. Als er erschöpft auf den erdigen Boden schaute, drehte sich die Silhouette um und hielt ihm eine Hand hin. Als er auf sah, strahlte ihn eines der schönsten Lächeln dieser Welt an. Ihres. 

Komm zu mir., sagte sie in einer sanften Stimme. Kurz zögerte er. Er verstand das alles nicht. Hatte er über alles hier überhaupt gründlich nachgedacht? Und dennoch entschied er sich die Hand zu nehmen.

Weiß. Weiß. Das war die Farbe welche er sah. Weiß wie Schnee, wie Wolken. Ein monotones Piepen schallte durch seinen Kopf. Jemand rüttelte ihn und eine ihm bekannte Stimme rief: „Holen Sie den Arzt!“ Diejenige hielt andauernd seine Hand und mit weinerliche Stimme flüsterte sie: „Alex. Du hast mich gefunden.“ 



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