published in 'SouthEastAsia' on Juptr.io

0
0

WorldWideTravelling


Mona

Von Surat Thani nach Bangkok

Es ist stickig. Menschen quetschen sich durch die Gänge. Kinder schreien, haben Hunger und müssen auf die Toilette. Mit 5 km/h bahnt sich der Zug seinen 15-stündigen Weg durch die Landschaft Thailands. Ein einmaliges Erlebnis, das nicht zu wiederholen ist.

 

Im Süden Thailands gibt es tolle Inseln, die auf einer Thailand-Reise nicht ausgelassen werden sollten. Dazu gehören die im Osten gelegenen Inseln Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao, aber auch westliche Inseln wie etwa Koh Phi Phi oder Phuket. Es gibt verschiedene Möglichkeiten den südlichen Teil Thailands zu erreichen. Die einfachste und schnellste Variante ist das Flugzeug. Zwar sind Flüge innerhalb des Landes nicht allzu teuer, im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln ist der Flug von Bangkok auf eine der Inseln jedoch die teuerste Variante. Weitere Möglichkeiten der Anreise sind Bus oder Zug. Mit beiden Verkehrsmitteln kommt man meist in Surat Thani an, wo bereits Busse warten, die den Reisenden zu den entsprechenden Fähren bringen. Die Busse sind sehr komfortabel und bieten meist ausreichend Platz. Aber auch der Zug bietet Schlafwagons in unterschiedlichen Preisklassen an. So geht die Fahrt im Schlaf vorbei. Wer ein sehr geringes Budget hat kann sich auch in die billigste Klasse im Zug einbuchen – die ‚Holzklasse’. Doch die ist mit Abstand die abenteuerlichste Möglichkeit der Reise und wirklich nichts für jedermann, wie ich auf meiner Zugfahrt durch Thailand, über die ich im Folgenden berichten werde, selbst festgestellt habe.

 

Die Türen sind durchgehend geöffnet.

Es ist stickig. Menschen quetschen sich durch die Gänge. Kinder schreien, haben Hunger und müssen auf die Toilette. Mit 5 km/h bahnt sich der Zug seinen 15-stündigen Weg durch die Landschaft Thailands. Ein einmaliges Erlebnis, das nicht zu wiederholen ist.

Die Sitze der Holzklasse bestehen aus im rechten Winkel aneinander genagelten Brettern und sind in 4er-Blöcken aneinandergereiht. Zwar sind die Sitze und Lehnen teilweise mit Polster ausgestattet, dennoch erkennt man auf den ersten Blick, dass bequem etwas Anderes ist. Sitze verstellen und sich zurücklehnen? Fehlanzeige. Gerne drängen sich 6 Personen auf einer 4er-Bank zusammen. Meine Freunde und ich haben Glück und bleiben zu dritt in einem 4er-Block. So kann sich im Wechsel immerhin eine Person langlegen, während die anderen zwei sich unbequem in die 90° Sitzposition einfügen müssen.

Als der Zug sich schließlich in Bewegung setzt, sind wir irritiert, denn die Türen des Zuges stehen allesamt noch offen. Außer uns scheint das jedoch niemanden zu überraschen. In Thailand bleiben die Türen der Züge einfach auf. Immerhin kann man dadurch überall aussteigen wo man möchte, denn der Zug fährt meist so langsam, dass dies tatsächlich möglich wäre. Das Schienensystem ist sehr alt und holprig. Selbst wenn man gerade das Glück hat sich auf einer Holzbank lang hinzulegen, ist an Schlaf gar nicht zu denken. Zusätzlich stört bei der Nachtfahrt die Beleuchtung, die sich weder dimmen noch ausschalten lässt. Zwischenzeitlich wird der Flur zum Bett umfunktioniert. Doch auch das trägt nicht zum Schlafen bei. Aufgrund fehlender Klimaanalgen ist die Luft stickig und heiß. Da die Fenster deswegen während der Fahrt teilweise geöffnet sind, spürt man nicht nur das Geholpere des Zuges, sondern hört es auch. Durchgehend laufen Thais an uns vorbei und starren uns an. Warum ist eigentlich klar: Welcher Tourist fährt denn schon freiwillig in diesen Wagons, wenn es doch auch Schlafwagons mit Betten gibt? Bereits nach 2 Stunden habe ich mich das selber gefragt.

Doch die wahren Highlights dieser Fahrt warten noch auf uns, denn bei 15 Stunden Zugfahrt kann es schon mal vorkommen, dass die Toilette aufgesucht werden muss. Bereits zu Beginn der Fahrt wagten wir einen Blick in die dafür vorgesehene Kabine. Wie aus Asien gewohnt gibt es nur ein Loch im Boden. Die Schienen können durch dieses Loch beobachtet werden. Aus dem Toilettenraum kommt ein unglaublicher Gestank. Klopapier ist selbstverständlich nicht vorhanden und der Boden so nass wie eine Pfütze. Man verschwendet lieber keinen Gedanken daran, um welche Flüssigkeiten es sich handeln könnte. Schnell wird klar, dass der Toilettengang auf ein Minimum reduziert werden muss. Aus diesem Grund haben wir kaum etwas getrunken. Und wir waren nicht die einzigen, die versuchten die Toilette zu meiden. Kinder wurden einfachheitshalber aus dem Fenster gehalten. Die Methode ist zwar nicht besonders sicher, aber auf jeden Fall schneller.

Nach 10 Stunden Fahrt geht dann schon die Sonne auf. Mit der Sonne werden auch die anderen Reisenden wach. Kinder schreien, Frauen verkaufen Essen und Getränke und die Männer rauchen. Die Übermündung wird wohl noch bis Bangkok getragen. Immerhin können wir nun die Landschaft Thailands bewundern. Dieser Teil der Reise ist wohl der schönste. Erstens ist man schon fast in Bangkok angekommen. Außerdem kann man die offenen Türen nutzen, sich auf die Treppen setzen, Füße baumeln lassen und die Landschaft und frische Luft genießen. Die frische Luft gibt es allerdings auch nur bis kurz vor Bangkok. Danach führen die Schienen den Zug vorbei an Müll, Häusern und Fabriken. Bestimmt eine Stunde schlängelt sich die Bahn so durch die Metropole bis zum Bahnhof Mitten in der Stadt.  



Published in: