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Stille Nacht

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Ich war dir noch nie so nah, war noch nie so ich, noch nie so du.

09.09.16. Eine imaginäre Begegnung


Es ist kühler jetzt, doch noch immer drückend. Die warme, stickige Luft lässt mich schwitzen, schneller atmen und schummrig werden. Ich bekomme eine Gänsehaut. Du läufst neben mir her, machst Witze, über dies, über jenes, wir lachen, fühlen uns wohl, fühlen uns wie immer.

Das entfernte Brummen unseres sich nähernden Busses weckt uns aus unserer Trance. Du nimmst meine Hand und rennst los, in großen, eiligen Schritten rennst du, schnell und immer schneller, rennst los und ziehst mich mit dir mit. Doch meine Füße taumeln, streiken, versagen mir den Dienst und nur für einen kurzen Moment scheine ich zu schweben. Du spürst den fehlenden Widerstand, drehst dich zu mir um und fängst mich auf, ich lande sicher in deinen Armen.

Wir sehen uns an, keuchend, lachend, lebend. Den Bus haben wir verpasst, hätten wir wahrscheinlich eh verpasst und in diesem Moment ist es uns egal. Wir gehen weiter, Hand in Hand, folgen dem entfernten Brummen des Busses. Und dann ist es ruhig.

Nur unsere Schritte hört man noch, das seichte Rascheln der Gräser, als wir an einem Feld vorbeigehen und unsere Herzen. Ich war dir noch nie so nah, war noch nie so ich, noch nie so du. Du lässt mich schwitzen, schneller atmen und schummrig werden. Ich bekomme eine Gänsehaut und mir läuft ein wohliger Schauer über den Rücken. Du bemerkst es, bleibst stehen, siehst mich an. Du drückst meine Hand, siehst mir in die Augen und dann küsst du mich. Etwas unbeholfen, etwas tollpatschig, doch auf wunderbare Art und Weise du. Du bist toll und ich mag dich, mag dich so, wie du bist. Wir lösen uns voneinander, lächeln uns schüchtern an und gehen weiter, meine Hand tief in deiner vergraben.

Es ist still, nur unsere Schritte hört man noch, das seichte Rascheln der Gräser, als wir das Feld hinter uns lassen und unsere Herzen. Ich war dir noch nie so nah, war noch nie so ich, noch nie so du. Ich drücke deine Hand, warm und weich um meine, und lächle dich an, glücklich. Wir gehen weiter, immer weiter, Hand in Hand, dem imaginären Brummen unseres Busses hinterher.

 



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