published in 'Encounters von Juptr' on Juptr.io

0
0

Hi, ich bin Sujin, 19 Jahre alt und liebe es kreativ zu werden.
Das Zeichnen, Schreiben und Fotografieren ist meine große Leidenschaft und diese teile ich gerne mit Anderen.
Manches habe ich schon veröffentlicht, möchte ihm hier aber noch einmal die Möglichkeit geben, ein breiteres Spektrum an Leserschaft zu erreichen.
Ich hoffe, was ich hier so präsentiere und präsentieren werde, gefällt euch als Lesern, Kritikern und und Fanatikern, genauso gut, wie mir selbst als Schreiber.


SujinLunaLee

"Der, dessen Namen niemand kannte"

 

Es war einmal ein junger Mann, dessen Familie war sehr angesehen und entsprechend war er es auch. Er hatte alles was man sich nur wünschen könnte, alles was eines Menschens Herz begehren könnte, so dachte zumindest jeder, der ihn sah. Ein Leben im Überfluss an Geld, an Ruhm, Luxus und Status. Dieser junge Mann hatte viele Freunde und jedes Wochenende ging er mit ihnen aus. Jeder kannte seinen Namen, wo immer er auch hinging. Mit einem stetigen Lächeln auf den Lippen ging er mit einer Leichtigkeit durch sein Leben, um die ihn andere beneideten. Ja, wahrlich hatte er alles, was man sich wünschen könnte. Doch wer ihn kannte, der wusste, dass alles längst nicht alles war. So perfekt dieser Mann auch erschien, so war auch er nicht fehlerfrei.

Ihn plagte das Gefühl. Nicht eines, nein, alle.

Der blendende Schein nach außen trügte schon immer über das gebrochene Innere. Die Familie war groß, doch auch so groß, wie sie zu sein vermochte, so war nicht ihre Größe das Prägende an ihr. Viel mehr war es ihre Kälte. Einst war dieser junge Mann ein Knabe, dessen Gedanken rein und sein Lachen pur war. Ihn schehrte es nicht, was Ruhm und Status anbelang. Er lebte, wie ihm sein Herz den Weg durch Tag beschrieb. Doch schon bald musste dieser unschuldige kleine Junge grausame Erfahrungen machen. Und wenn es auch nur jene war, dass Geld Macht bedeutete und Macht des Menschens Bestreben war. Schon im frühen Kindesalter trug er Kleider, die der Moderne adeligem Prunk entsprachen. Und weh er beschmutzte oder gar zerstörte sie. Schlug er sich die Knie beim Spielen auf und rannte unter Tränen zu seiner Mutter, so nahm diese ihn nicht in den Arm. Nicht einmal tröstete sie ihn. Wenn sie selbst die Wunden pflegte, war es schon eine Tugend ihrerseits. Denn sonst wurde der kleine Junge meist nur mit Tränen im Gesicht zurückgelassen. Alleine mit den Schmerzen kämpfend.

So ging das Jahr für Jahr. Sein Bruder war bereits älter, er verstand viel mehr, aber dennoch auch, wie es seinem jüngeren Geschwisterlein erging. So wäre er gern mehr für ihn dagewesen, doch auch ihm wurde viel abverlangt und nicht alles konnte er auf seine Schultern lasten. Für den Jüngsten war dies jedoch noch viel schwerer.

Er musste mit ansehen, wie sein großer Bruder bereits Erfolge feierte, während er selbst noch ganz am Anfang stand. Immer wieder fielen Sätze, wie "Schau dir deinen Bruder an!" oder "Dein Bruder hat schon so viel erreicht und du?". Der Druck war gewaltig. Das Gefühl von Ausgestoßenheit, von Unfähigkeit, ja gar von Nutzlosigkeit machte sich in dem kleinen Jungen breit und wuchs mit ihm stetig heran. So wurde aus dem herzlichen Knaben ein gefühlskalter Mann.

In Freundschaft von keiner großen Bedeutung, denn nur trotz dessen hatte er ja noch lange nicht den Hang zu richtig und falsch verloren. Er wusste genau, dass es das Richtige war, für Menschen dazusein und es das Falsche war, sie im Stich zu lassen. Eine Freundschaft ließ sich auch auf Wissen bauen. Alle Emotionen wie Freude, Wut und ja, auch Trauer ließen sich auf Wissen stützen. Nur eine nicht: Die Liebe. So mied er dieses Gefühl über Jahre. Zwar hatte er manche Frau an seiner Seite, doch lieben tat er nie eine davon. Und so taten sie es auch nicht. Doch wer war er einem der mächtigsten Gefühle dieser Welt zu entrinnen? So wurde es schwierig für ihn, als er sich letztlich verliebte.

Eine junge Frau trat in sein Leben, unerwartet und völlig unvorbereitet. Und alles an ihr schien so perfekt. Perfekt genau wie er es war. Sein Herz überschlug sich förmlich, als er sie das erste Mal sah. Er musste sie kennenlernen und tat alles, um sie bei sich zu halten. Doch sie wollte nicht, dass er zu einem Teil ihres Lebens werden würde. Sie wies ihn ab. Und dies saß tief. Seine Ängste wurden vom einen Moment auf den anderen voll und ganz erfüllt. Das Gefühl ausgestoßen zu sein trat erneut auf. Alles brach wieder ein Stück weit in sich zusammen und er allein musste die Lasten tragen. Anmerken lassen wollte er sich jedoch nichts. Er musste ja schließlich "stark" bleiben. So lächelte er nur und sprach der jungen Frau lediglich die Freundschaft aus. Sie wusste nichts von all seinem Schmerz. Sein perfekt einstudiertes, makeloses Lächeln übertünchte ihn zu sehr, als dass sie ihn hätte mit bloßem Auge erkennen können. Sie nahm das Gebot der Freundschaft an, wenn auch sie etwas zu verbergen hatte. Denn auch sie hatte mit Angst und Zweifel zu kämpfen. Die Angst benutzt zu werden und der Zweifel nie gut genug zu sein. Dieser junge Mann war so perfekt, in ihren Augen, wie hätte er da eine wie sie lieben können? So dachte sie. Und so liebten sie beide einander, ohne es zu wissen. So ging es lange Zeit. Von beiden Seiten verstärkte sich das Gefühl der Ablehnung, obwohl innerlich das Bedürfnis der Nähe zueinander stetig wuchs. Sie nahm sich einen Anderen, woraufhin der junge Mann endgültig überzeugt war, dass sie ihn nicht lieben konnte. Die Tatsache, dass er sich nicht für die junge Frau freuen konnte wiederum, hinterlies bei ihr den Anschein, als würde sie seinen Ansprüchen nicht gerecht werden. Woraufhin sie sich dachte, dass es dann erst gar kein Wunder war, dass er sie nicht liebte. Und so zog sich die düstere Spirale immer weiter zu, getrimmt in Richtung des Unvermeidbaren.

Die Zeit verging, die Spannungen stiegen, ein Streit folgte dem Anderen. Wie sollte es auch anders sein, wenn beide ihre seeligsten Wünsche verbargen? Erst nach einer gefühlten Ewigkeit gab die junge Frau ihren Gefühlen nach. Sie erfuhr, dass der junge Mann sie lieben sollte und beschloss daraufhin, ihm ihre Gefühle zu beichten. So wie sie ihm jene mitteilte, so sprang das Herz des jungen Mannes vor Freude. Doch dann überkam ihn der Zweifel. Sie lehnte ihn doch erst ab, also was, wenn sie ihn nun nur um seines Ansehens Willen wollte? Wenn er ihr nichts bedeutete, aber sein Geld es war, was sie ansprach? Er konnte nicht riskieren, ein zweites Mal verletzt zu werden. Der junge Mann griff also nach den Händen seiner Angebeteten, sah ihr tief in die Augen und fühlte den stechenden Schmerz, so wie er sagte: "Es tut mir leid, aber ich liebe dich nicht mehr. Ich tat es gewiss, aber nun nicht mehr." Und jeder, der vorbeilaufenden Passanten, hätte gestoppt, hätten sie das förmlich spürbare Knacken zweier Herzen gehört.

Es tat weh, doch es würde das Beste sein, dachte der Mann. Doch nach jenem Tag war nichts mehr so, wie es einst gewesen war. Die Verbindung zwischen ihnen schien an Form und Struktur zu verlieren. Unruhen machten sich breit, Eifersucht war die Folge. Unbeholfenheit und Verzweiflung beiderseits. Und dann kam ein Abend, den es in seinen Augen nicht hätte geben dürfen. Es war ein großes Treffen mit Freunden. Ausgelassene Stimmung durchzog die Abendstunden und entsprechend wurde ausgeschenkt. Nach einer geraumen Zeit waren alle in heiterer bis tranceähnlicher Verfassung. Alle bis auf den jungen Mann.

Ihn plagte das Gefühl. Nicht alle, nein, eines: Die Liebe.

Nachdem schon viele gegangen waren unterhielt er sich mit der jungen Frau, die ihn so in ihren Bann gezogen hatte. Seit langem war es mal wieder ein recht lockeres Gespräch, was ihn freute, ihm aber auch ein beengendes Gefühl in der linken Brust verursachte. Der Alkohol machte es für ihn nur schlimmer. Irgendwann war der Schmerz zu groß und so redete er. Er sprach von sich, von seiner Familie, von dem Druck, der Last, dem Schmerz, den er schon damals ertragen musste. Er sprach davon, wie weh ihm all dies tat, sprach von seinen Zweifeln und den Anforderungen, die er an sich selbst stellte. Und so weh, wie es ihm tat darüber zu reden, so tat es ihr weh, ihn so leiden sehen zu müssen. Die junge Frau wollte ihrem Geliebten bei ganzem Herzen Trost spenden und umarmte ihn. Für einen Moment schien alles gut, wenn nicht sogar perfekt. Doch er stieß sie schon bald von sich und drehte sich weg. Als sie fragte, was mit ihm sei, sah er sie mit ernstem Blick an. Er schrie: "Was ist es, das du an mir liebst? Ist es mein Status? Ist es mein Aussehen? Ist es mein Geld? Was?!" Sie war erschüttert. Wie konnte er nur so von ihr denken? Ihr wäre nie auch nur im Traum eingefallen, ihn wegen soetwas oberflächlichem zu wollen. Sie liebte ihn von ganzen Herzen, mit all seinen Fehlern und Macken. Dies sagte sie ihm auch, woraufhin der junge Mann ganz bitterlich zu weinen begann. Die junge Frau wollte grade auf ihn zu, da kam er ihr bereits entgegen und küsste sie stürmisch. Er hielt sie gar so fest im Arm, es schien als wollte er sie nie wieder loslassen. Er sagte ihr, dass er sie liebte, nein, er sagte, dass er viel für sie empfände. Das Wort der "Liebe" wollte er bewusst vermeiden und er sagte ihr auch, dass er es deshalb nicht nutzen wollte, weil es mächtig wäre und er diese Macht noch nie zuvor spürte. Alles was er in Verbindung mit der jungen Frau spürte, fühlte er noch nie zuvor und das machte ihm Angst. Der junge Mann bat sie darum, dass sie auf ihn warten sollte, denn weder war er bereit, noch war es der richtige Zeitpunkt. Sie willigte ein und versprach ihm, sie würde ewig auf ihn warten, wenn sie müsste.

Wer hätte gedacht, dass dies sogar wahrscheinlich war?

Bereits am nächsten Tag sagte ihr ihr Angebeteter im Telefonat, dass sie den gesamten Abend vergessen solle und dass alles, was er sagte, nicht der Wahrheit entsprach. Er habe geschauspielert, ihr eine heile Welt vorgetäuscht, um sich für die vergangene Kälte zu entschuldigen. Nun prädigte er dies als Fehler. Die junge Frau verstand die Welt nicht mehr. Sie wusste ja nicht, dass er am anderen Ende des Hörers saß und sich hätte erwürgen können, bei allem, was er sagte. Doch er wurde dazu erzogen perfekt zu funktionieren und genau dies tat er am Abend zuvor nicht, so musste dieser Fehltritt aus der Welt geschafft werden. Der junge Mann fürchtete, dass er sich zu angreifbar gemacht hatte. Er hatte alle seine Gefühle offengelegt. Bei einem Mann seiner Klasse konnte das den Untergang bedeuten. Es hätte nicht passieren dürfen. Und wieder einmal verletzte er damit nicht nur seine Geliebte, sondern in vor allem auch sich selbst.

"Niemand darf mir so nahe kommen, dass er es schafft mich zu verletzen. Niemand darf mir so nahe kommen, dass er es schafft mich zu berühren. Niemand darf mich je erreichen, sonst droht mir der Abhang." dachte er. Wie sollte er auch anders denken, wenn es ihm genau so doch vorgelebt wurde? "Nur wer kalt bleibt und nur wer zuerst an sich denkt, ja, nur der kann erfolgreich werden" war das Motto, welches sich in erster Linie darin wiederfand, dass, nach der Scheidung seiner Eltern, seine Mutter direkt wieder heiratete. Und wieder war es ein erfolgreicher Geschäftsmann. Das Verhältnis zum leiblichen Vater war zwar ebenfalls furchtbar, aber das eigentlich Furchtbare war doch, dass es somit keine Seite gab, die es schaffte dem jungen Mann zu vermitteln, wie wichtig es war, im richtigen Maß Gefühle zuzulassen. Und da dies nie passierte, beschloss er, er musste sich von der abwenden, die ihn zum fühlen brachte. Doch die junge Frau wollte das nicht hinnehmen. Sie kämpfte um ihn und bemühte sich darum, dass er bei ihr bleiben würde. Hätte sie gewusst, was in ihm vorging, so hätte sie ihm vielleicht lediglich Zeit gegeben. Denn nun war es zu spät. Er wusste ihr Bemühen zu schätzen und hätte es von Herzen gern anerkannt, doch sein Kopf sprach dagegen. So sehr er sie liebt, oder viel mehr eben weil er sie so liebte, so ließ er sie fallen. Der junge Mann war ihr nun, wann immer er sie sah, kalt gestimmt. Er redete nicht mit ihr und wenn doch stritten sie. Sie hielten keinen Kontakt mehr, alles ging verloren. Die junge Frau verzweifelte daran. Sie verstand die Welt nicht mehr. Erst soll er sie geliebt haben, dann wieder nicht, dann sagte er ihr, dass er sie immer noch liebte, doch dann war auch das wieder nur gelogen und plötzlich sah man sich gar nicht mehr. Auf die Frage warum das so war, sagte er lediglich, dass er von einem gemeinsamen Freund etwas gehört habe, was ihn zutiefst kränkte, weshalb er auch nichts mehr mit ihr zutun haben wollte. Was dies gewesen sein soll, erfuhr sie nie.

Die Monate vergingen. Die immer noch stark gekränkte Frau versuchte, sich mit der Situation abzufinden und so lernte sie einen Anderen kennen. Aus der Begegnung wurde bald Verliebtheit und sie ging eine Beziehung mit ihm ein. Der junge Mann, der auch sie immer noch liebte, bemerkte dies schnell und es traf ihn doch sehr, da sie ihm doch versprach, sie würde warten. Aber da er ihr sagte, es sei alles gelogen gewesen, so dachte er sich, dass auch sie ihr Versprechen wohl zurückzog. Doch auf den Gedanken hin, dass sie nun vergeben war und sie ihn nicht mehr erreichen könnte, durch diesen Bund, beschloss er, bald schon wieder auf sie zuzugehen. Was ihn erst störte, schien nun sein Vorteil zu sein, denn seine Liebste verstand sich prächtig mit seinen Freunden. Über jene war es einfach, wieder mit ihr reden zu können. Und so tat er genau dies. Auf einem Geburtstag zweier Freunde sprach der junge Mann sie zum ersten Mal wieder an. Es war nicht viel. Aber es war ein erster großer Schritt. Die Frage nach dem mitgebrachten Geburtstagsgeschenk und danach, wie es in der Schule voranging, reichten aus, um ein positives Gefühl in ihm hervorzurufen, so wie er auf ihre Antworten wartete. Von da an fehlte nicht mehr viel und sowas wie ein leichter, aber dennoch sehr eingeschränkter Kontakt tat sich erneut auf. Der junge Mann verwehrte der Dame auch weiter alle Möglichkeiten ihn zu kontaktieren, denn er wollte auch nicht, dass sie es wieder schaffen würde, ihm zu nahe zu treten. Aber das wollte sie auch gar nicht. Sie war glücklich in ihrer Beziehung und froh, dass es nun auf freundschaftlicher Ebene voranzugehen schien. Man witzelte und lachte wieder gemeinsam. Doch dann hörte sie von Freunden, dass er ihnen gegenüber wohl behauptete, dass er sie hassen würde und sie merkte, wie sehr es diesen Freunden zusetzte, zwischen zwei Stühlen zu stehen. So beschloss sie, mit dem jungen Mann darüber zu reden. Die junge Frau ging also auf ihn zu, als sie ihn einmal allein erwischte und sprach mit ihm. Sie sprachen sich aus, über frühere Ereignisse, doch auch hier viel zu rational. Er zog sich in Fakten zurück, und sie betonte immer wieder, dass es ihr nur um die gemeinsamen Freunde ginge. Sie entschuldigten sich für das von früher, sie taten es beide, und dachten, jetzt wäre erstmal alles gut.

Aber auch das sollte sich ändern.

Denn nicht viel später darauf begann die Beziehung der jungen Frau zu bröckeln. Ihr Freund war eifersüchtig und zwar sehr und was immer sie tat, in der Hoffnung ihn besänftigen zu können, schien es nur noch schlimmer zu machen. Auch der junge Mann erfuhr davon, woraufhin ihn die Panik überkam. Wenn die Beziehung dann in die Brüche gegangen wäre und sie wieder alleinstehend war, dann hätte es ja passieren können, dass sie ihm wieder hätte näher kommen wollen. Und er hätte keinen Anhaltspunkt mehr gehabt, auf den er sich hätte stützen können, um sie wieder von sich zu weisen. Womöglich hätten seine Gefühle es gar kein zweites Mal zugelassen. Oder schlimmer noch: Was wäre gewesen, wenn er wieder so einen schwachen Moment gehabt hätte, wie damals schon? Sie war ja im selben Freundeskreis, es war also nicht unwahrscheinlich, dass beide noch häufiger zu den selben Feierlichkeiten eingeladen werden würden. Wenn er sich dann wieder im Alkohol vergreifen würde und wieder so sentimental werden würde, so müsste er sich nicht nur vor ihr, sondern auch vor allen anderen, erklären. Seine Freunde wussten nicht, was er für sie empfand, denn niemand wusste es, außer ihm selbst. Und für in bestand nur eine Option: Er musste diese Frau wieder loswerden. Koste es was es wolle.

Sie ahnte von all dem nichts, aber irgendwann merkte sie, dass sich gemeinsame Freunde zurückzogen. Viel dachte sie sich dabei nicht. "Die haben sicherlich viel zutun" redete sie sich ein. Bis es irgendwann zur direkten Konfrontation kam. Der junge Mann brachte es in jenem Moment auch tatsächlich fertig, sich hinzustellen und zu sagen, dass es an ihm läge, dass sich die Freunde von ihr abwanden, da er nicht wollte, dass sie weiterhin Kontakt hielten. Auf die Frage hin warum, antwortete er schlicht weg, dass er von einem gemeinsamen Freund etwas gehört habe, was ihn zutiefst kränkte, weshalb er auch nichts mehr mit ihr zutun haben wollte. Es war eins zu eins die selbe Situation, wie zuvor auch. Eins zu eins das, wofür er sich erst noch so großartig entschuldigte. Eins zu eins das selbe Spielchen, nur ein anderer Freund, von dem er das angeblich gehört haben soll. Und auch hier erfuhr die junge Frau nicht, was dieser denn eigentlich gesagt haben soll. Doch das war zu viel. Unter all dem Stress, den sie letzte Zeit über erfuhr, brach sie zusammen, mitten in der Öffentlichkeit. Viele kamen zur Hilfe. Viel bekam sie nicht mit, es war alles schwarz um sie herum, nur den Herrn, der vor ihr stand und ihre Beine hielt, erkannte sie. Es ging alles sehr schnell. Der junge Mann wusste nicht, was er denken sollte. Er hatte mit der Situation nicht gerechnet. Was war da passiert? War sie wegen ihm umgekippt? Wie sollte er handeln? Viele Fragen mit denen er sich einfach nicht versuchte aufzuhalten. Im weiteren Verlauf des Tages sah er sie noch ab und zu im Gang sitzen. Immer an der selben Stelle. "So schlecht kann es ihr ja gar nicht ergehen, wenn sie noch hier rumsitzt." dachte er. Er wusste ja nicht, dass sie nur noch da war, weil sie ihrer Mutter, ihrem Bruder und einer Freundin versprochen hatte, dass sie durchhalten würde. Schließlich wollte sie ja, dass wenigstens ihre Liebsten einen schönen Tag haben.

Es schien alles erneut den Bach runterzugehen.

Die junge Frau ließ sich davon jedoch nicht großartig beeinflussen. Sie war wütend, gewiss, und enttäuscht, aber sie lebte ihr Leben auch fortan, wie sie es für richtig befand. Der junge Mann jedoch schien dies nicht zu können. Er versuchte den Kreis derer, die sie ignorieren sollten, immer mehr auszuweiten, provozierte sie, indem er sich ständig in ihrem Blickfeld befand, auch wenn es nicht nötig war, oder indem er mit Personen sprach, die sie eindeutig nicht ausstehen konnte. Selbst der Ex-Freund der jungen Frau, der nun zu einem guten Freund von ihr geworden war, bemerkte das. Und dabei war er es, der immer dachte, sie würde bei sowas übertreiben, wenn sie von dem jungen Mann sprach. Natürlich war das alles auf die Gefühle des jungen Mannes zurückzuführen: Einerseits wollte er sie nicht in seiner Nähe, andererseits wollte er sie aber auch sehen und hoffte dabei natürlich inständig, dass es ihr ohne ihn weitaus schlechter ergehen würde. Wenn er dann jedoch sah, wie gut es ihr teilweise ohne ihn ging erdrückte ihn dieses Gefühl, sie wieder einmal weggeschickt zu haben. Und so sah er sich in der Not, dafür zu sorgen, dass es ihr schlecht erging. Es konnte doch nicht sein, dass diese Frau ohne ihn glücklich sein konnte? Und mit jedem in seinen Augen attraktiven Mann, den sie im Laufe der Zeit kennenlernte, wurde es schlimmer. Das Wissen, dass sie nun das bekommen können, oder gar vielleicht bekommen, was er doch so sehr wollte, nagte an ihm. Doch was immer auch kommen mochte, sich seine Gefühle einzugestehen, und noch viel eher, ihr diese zu gestehen, das konnte der junge Mann nicht.

Und irgendwann kam ein Anderer in das Leben der jungen Frau. Einer der genauso war, wie er selbst. Und das war das Grauen für ihn. Denn zu sehen, wie sie mit diesem Typen glücklich war, mit ihm scherzte und lachte, das erinnerte ihn daran, wie sie es selbst damals taten und wie sehr er es vermisste. Er wusste ja nicht, dass dieser Typ in eine Andere verliebt war.

Der junge Mann verlor also auch weiterhin nicht ein sterbend's Wörtchen über seine Gefühle. Und auch die junge Frau beschloss, dass es besser war, besonders bei all der Wut, die sie über ihn im Herzen trug, sich nicht mehr anmerken zu lassen, wie wichtig er ihr noch war. Nur wenige wussten davon. Und alle, die die Geschichte der beiden kannten, wussten, dass sie einander noch liebten. Doch keiner wagte es sich, IHN darauf anzusprechen. Sie brauchte man nicht darauf ansprechen, denn sie selbst war sich der Situation bewusst. Und so wusste sie auch, dass einmal der Tag kommen würde, an dem auch er seine Gefühle nicht mehr verbergen können würde. Vielleicht würde es Jahre dauern, aber er liebte sie ja bereits 2 Jahre, so war es nicht unwahrscheinlich, dass dies noch weitaus länger halten würde. Denn sie schien seine erste wirklich große Liebe zu sein, so wie man bedenkt, dass er ihr gegenüber immer wieder betonte, noch nie verliebt gewesen zu sein.

Wie lang es noch dauern mag, das weiß kein Mensch.

Und so schreibt das Leben, wie eh und je, jene wundervolle Geschichte weiter.

Die Geschichte des jungen Mannes, dessen Namen niemand kannte.



Published in: