published in 'BucketList2017 von Juptr' on Juptr.io

0
0

Shalom, Israel

Harry Baumann unterwegs im Heiligen Land

 

In die Luft schießende junge Frauen, aggressive Postkartenverkäufer, koscheres Essen und eine gehörige Portion Kultur, Geschichte und Religion – all das gibt es in diesem Reisebericht …

Gründe, Israel zu besuchen gibt es genügend, wie die abwechslungsreiche Landschaft auf relativ überschaubarem Territorium, meist sonniges Wetter auch im November, kulturell und religionsgeschichtlich bedeutsame Stätten praktisch jeden Kilometer am Straßenrand. Die aktuelle politische Situation gehört sicher nicht dazu.

Nach der Eskalation des Gaza-Konfliktes Mitte November 2012 und zwei Raketeneinschlägen nahe Jerusalem stand die Reise kurz vor der Stornierung. Nach dem Waffenstillstand habe ich dann die Reise wie geplant angetreten und es keine Minute bereut.

Es sind weniger als vier Stunden Flug bis zum Flughafen Ben Gurion östlich von Tel Aviv.

Die sitzt jemand, der sonst für gewöhnlich nach Bangkok fliegt, auf der linken Pobacke ab.

Ich hatte mich vorher schlau gemacht, dass man am Ausgang rechts auf die Sammeltaxis – hier Sherut genannt – achten soll.

Die bringen einen für schlappe 61,90 NIS (Neue Israelische Schekel; Kurs zum € 5:1) zum gewünschten Hotel. Nun hat der Fahrer aber meist nicht so viel Wechselgeld zur Hand, so dass das Aufrunden gern gesehen wird.

Nun ja, das Park Plaza Hotel in Jerusalem ist nicht so der Bringer:

 

Die Franzosen, die mit mir im gleichen Sherut zum Hotel gefahren waren, hielten zunächst den Verkehr auf, dann war meine Begrüßung umso herzlicher, nehme an, das war sogar ein Vertreter des Management.

Im Park Hotel sind die „Zimmermädchen“ Männer, dafür ist die Security weiblich und trägt eine Schusswaffe (nicht die einzige Frau in Israel, wie wir sehen werden).

Das Zimmer ist klein und der herauf dringende Verkehrslärm lässt nichts Gutes ahnen für die Nacht…

Dann mache ich mich mal mit dem Lift wieder nach unten. Der linke ist ein sog. „Shabbat-Lift“, d. h. er hält Freitagabend bis Samstagabend in jeder Etage.

Hintergrund: Gemäß den strengen Regeln der Rabbiner ist am Shabbat jegliche Arbeit verboten, dazu zählt auch das Feuermachen sowie in der modernen Zeit jede damit entfernt verwandte Tätigkeit, wie Auto anlassen, Schalter von elektrischen Anlagen betätigen…

Zum Glück ist gerade christlicher Sonntag und die Straßenbahn fährt – das neueste, teuerste und modernste Nahverkehrsmittel Jerusalems, erst 2011 in Betrieb gegangen.

Jede Straßenbahnhaltestelle – auch Kiryat Moshe in der Nähe des Hotels - hat einen Ticketautomat.

Beim ersten Mal muss ich mir das Umschalten auf Englisch noch zeigen lassen.

Der Einzelfahrschein kostet 6,60 NIS – billiger als z. B. in Berlin.

Ich warte auf die Haltestelle „New Gate“, die nicht kommt und rausche bis zu „Ammunition Hill“ durch.

Das wäre sicher auch interessant anzuschauen, denn da soll ein Open-Air-Museum über den 6-Tage-Krieg sein, als eine israelische Fallschirmjägereinheit 1967 jordanische Bunker stürmte. Ich will aber zur Altstadt, fahre zurück bis zum Rathaus und laufe zum Jaffa-Tor…

 

 

Und wer grüßt da als Erster?

 

Dazu die passende Anekdote: Bei seinem Besuch Ende Oktober 1898 stieg zwar Kaiser Wilhelm II. am Stadtrand von Jerusalem vom Pferd, wollte dann aber unbedingt durch das Jaffa-Tor reiten.

Um Platz zu schaffen für den prunkvollen Auftritt mit weißem Schleier am Helm, wurde eine Bresche in die Mauern von Süleyman dem Prächtigen aus dem 16. Jahrhundert gesprengt.

Das war nur möglich, weil das Deutsche Kaiserreich damals der einzige verlässliche Verbündete der Osmanen war, die noch über Palästina herrschten.

Durch die Bresche fahren jetzt Taxen und Anwohner mit Genehmigung.

Es geht vorbei an der Davidszitadelle (The Tower of David)

 

Dessen Namensgebung nichts mit dem König David zu tun hat, sondern beruht auf einem Irrtum.

Bis hinein ins 19. Jahrhundert glaubte man, diese Befestigung gehöre zur 3000 Jahre alten „Davidsstadt“ – die wurde und wird aber viel weiter südöstlich ausgegraben.

 

Ein waghalsiger Tourist auf den Zinnen der Stadtmauer.

Man kann auch da oben (nicht auf den Zinnen, sondern auf der Mauer) entlang laufen.

Das nennt sich „Rampart’s Walk“ und muss extra gebucht und bezahlt werden.

 

Nicht viel los heute auf den Straßen der Altstadt, die sich in vier Bezirke gliedert (Armenisches, Jüdisches, Christliches und Muslimisches Viertel mit insgesamt 30000 Einwohnern).

 

Ausblick vom Parkplatz des Armenischen Viertels

 

Hier sieht es schon eher nach Orient aus

Ich trolle mich wieder zur Straßenbahnhaltestelle, fahre nach Kiryat Moshe und genieße im Hotel ein garantiert koscheres Essen (Fisch, Auberginen-Tomaten-Ratatouille)

 

Das Buffett ist vor allem von nigerianischen Pilgern dicht umsäumt. Straßenbahn und Autos machen einen Heidenlärm, aber irgendwann schlummere ich dann doch ein…

Morgens stelle ich erschreckt fest, dass ich die geführte Tour durch Jerusalem per Email oder Telefon hätte bestätigen müssen, erreiche aber weder am Zimmertelefon noch am Handy jemanden bei Egged Tours in Tel Aviv.

Vor denen hatte man mich schon auf Tripadvisor gewarnt – nach dem ich gebucht hatte.

Nach dem koscheren Frühstücksbuffet – Milchprodukte und Eierspeisen, Obst und Gemüse (Wurst und Schinken gibt es natürlich nicht) – sich auch niemand blicken lässt, lasse ich den Rezeptionisten anrufen mit dem gleichen Ergebnis.

Ich diskutiere gerade mit einem Taxifahrer über eine Tour durch Jerusalem und nach Bethlehem und habe ihn von 100 Dollar auf 400 Schekel herunter gehandelt (kleiner Gag, ist fast das gleiche) – da fährt doch noch ein Kleinbus von Egged Tours vor.

Die gibt es also wirklich!

Hier die gleiche Diskussion wie zuvor: Ich würde mir eigentlich, wenn ich in der Vorweihnachtszeit schon mal da bin, auch Bethlehem anschauen.

Das lässt sich einrichten, sagt der junge Mann, muss aber mit dem verantwortlichen Tourguide für Jerusalem geklärt werden, er wäre nur der Abholer.

An einem anderen Hotel steigt ein nettes norwegisches Pärchen zu und als ich mich mit denen gerade angefreundet habe, stellt sich raus, die wollen nach Jericho und Bethlehem und ich schließe mich einer anderen Gruppe an, die sich wiederum in einem anderen Hotel versammelt hat.

Der Tourguide Menachem fragt nach meinem Pass, da eine Grenze überschritten wird und für den kleinen Aufschlag von 100 NIS werden wir handelseinig.

Erster Stopp ist am Skopusberg (Mt. Scopus):

 

 

Zu meinem Bedauern rauschen wir am Auguste Victoria Hospital, dem Kidron Tal mit dem vielleicht größten Friedhof der Welt, dem Garten Gethsemané, wo Jesus verhaftet wurde und Oskar Schindlers Grab vorbei und kommen erst hier wieder zum Stehen mit Blick auf das King David Hotel

 

wo zionistische Extremisten 1946 unter der Leitung von Menachem Begin gleich mal einen ganzen Flügel wegsprengten, was 92 Menschen das Leben kostete.

Ich nehme mir fest vor, die ausgelassenen Sehenswürdigkeiten auf jeden Fall noch auf eigene Faust zu erkunden.

Es geht wieder einmal durch das Jaffa-Tor ins Armenische Viertel, welches ich von meinem Bummel am Sonntagnachmittag bereits kenne.

Nur biegen wir diesmal früh links ab und gelangen in das Jüdische Viertel:

 

 

Diese Tür gehört zu einer Thora-Schule und ist der Eingang für Jungen. Der Eingang rechts für die Mädchen ist deutlich schmuckloser.

Es geht vorbei am Cardo

 

dem Rest der einstigen Prachtstraße der Römer, als Jerusalem eine Zeit lang mal Aelia Capitolina hieß, sehr zum Leidwesen der Juden.

Links ist noch eine Nische zu erkennen, wo die Boutiquen und Designergeschäfte der Antike untergebracht waren.

 

Was hier aussieht wie eine Moschee, wurde bereits 1967 wieder zur Synagoge umgewidmet.

Wie so häufig in Jerusalem wechselten die Besitzverhältnisse mehrfach im Laufe der Jahrhunderte oder es wurde abgerissen und neu gebaut.

 

Gasse im Jüdischen Viertel – die junge Frau in der Mitte wird noch eine Rolle als Bikini-Model am Toten Meer spielen – also dran bleiben!

 

Blick auf die Al-Aqsa-Moschee. Nur noch ein paar Stufen abwärts, dann eröffnet sich dieses beeindruckende Panorama:

 

Um den freien Platz an der Klagemauer zu schaffen, rückten 1967 israelische Planierraupen an und machten das Marokkanische Viertel platt.

Vor dem Betreten des Geländes wieder der in Israel obligatorische Check wie am Flughafen (übrigens auch an Einkaufszentren, Kinos usw.).

 

Die Klagemauer (Ketel) ist Teil der westlichen Stützmauer des Herodianischen Tempels, der im Jahr 70 n. Chr. von römischen Truppen zerstört wurde, wobei angeblich der Heerführer Titus noch versucht haben soll, die Brandschatzung zu verhindern.

Der Tempel selbst stand auf dem Mt. Moriah, wo jetzt der Felsendom steht.

Dieser Bezirk darf von Nicht-Muslimen nicht betreten werden.

Seit knapp 2000 Jahren betrauern Juden in aller Welt den Verlust des Tempels.

 

 

Was für einen Nicht-Katholiken aussieht wie ein Beichtstuhl, sind vermutlich Aufbewahrungsorte für Thora-Rollen, die in einem verzierten Kasten verschlossen sind.

 

Vor allem montags finden an der Klagemauer Bar Mizwas (vergleichbar mit Konfirmation/Kommunion) statt.

Knaben dürfen ab dann der Gemeinde aus der Thora vorlesen.

Dabei muss es nicht immer todernst zugehen:

 

 

Hier kann religiöse Literatur erworben und gleich darin gestöbert werden.

Der Tourguide Menachem kann sich den Hinweis nicht verkneifen, besser auf die Geldbörse aufzupassen, denn wir betreten jetzt das Muslimische Viertel.

 

Und sind gleich auf der Via Dolorosa, dem Leidensweg von Jesus Christus, der hier bergauf trotz Blutverlust noch den Querbalken des Kreuzes schultern musste (der senkrechte Balken blieb an der Hinrichtungsstätte stehen und wurde mehrfach wieder verwendet).

Hier irgendwo soll die Hl. Veronika mit einem Tuch Schweiß und Blut aus dem Gesicht des Verurteilten gewischt haben und danach zeichnete sich das Antlitz auf dem Tuch ab.

Menachem behauptet, dies würde in Turin ausgestellt, verwechselt dies aber eindeutig mit dem viel größeren Leichentuch (wobei die Echtheit bis heute umstritten ist).

 

Die Stationen des Leidensweges sind mit römischen Ziffern gekennzeichnet (VII: Jesus stürzt zum zweiten Mal).

Hinter der Tür befindet sich eine kleine Kapelle.

Die Kreuzwegstationen (ursprünglich nur sieben) wurden im 4. Jahrhundert festgelegt, um die Ströme der Pilger besser lenken zu können.

14 Stationen gibt es seit dem Mittelalter, wobei sich die letzten im Komplex der Grabeskirche selbst befinden.

Es ist historisch nicht nachweisbar, dass dies der exakte Weg zur Hinrichtungsstätte (damals außerhalb der Stadt) war.

 

Was hätte Jesus dazu gesagt, dass diese aufgeblasene Figur einmal eine bedeutende Rolle an seinem Geburtstag spielen wird?

Nur zwei Meter weiter ein Kreuzwegzeichen aus byzantinischer Zeit:

 

Lautstark preisen zwei arabische Wasserverkäufer stilles Wasser für nur fünf Schekel an.

Hier soll sich damals die Stadtgrenze von Jerusalem befunden haben, damals im Jahr 33 n. Chr.

 

Und von hier aus ist bereits die Kuppel der Grabeskirche zu sehen – was eher ein Komplex von Kirchen ist, der sechs Religionsgemeinschaften gehört.

Die Mutter des Kaisers Konstantin, Helena, lokalisierte während einer Reise nach Judäa im Jahr 325 n. Chr. die Orte der Hinrichtung und Grablegung von Jesus und im Jahr 335 n. Chr. wurde die erste Kirche geweiht, die von Persern beschädigt und Arabern zerstört wurde.

Letztendlich führte der Abriss im Jahre 1009 mit zum ersten Kreuzzug, auch wenn noch ein paar Jahrzehnte ins Land gingen.

Es wurde wieder aufgebaut und angebaut und die Herrschaft über die Grabeskirche wechselte zwischen Franziskanern und orthodoxen Christen, oft durch offene Bestechung, bis der Sultan die Nase voll hatte und der muslimischen Familie Nusseibeh die Schlüsselgewalt übertrug, die sie bis heute innehat.

Literaturempfehlung: Jerusalem Die Biographie

Der Eingangsbereich rechts gehört den ägyptischen Kopten, links, gewissermaßen auf dem „Dachgeschoss“ betreiben äthiopische Christen ein Kloster:

 

 

Überall Gebetsnischen und Anbauten, was die Grabeskirche zu einem teilweise unübersichtlichen Labyrinth macht.

Verlaufen kann man sich dennoch nicht, denn es sind genügend Touristen und Pilger unterwegs.

 

An dieser Stelle im Untergeschoss wird gern behauptet, dass dies die Grablegungsstelle von Jesus war.

Ich glaube nicht, dass Josef von Arimathäa so nahe an einer Hinrichtungsstätte ein Familiengrab besaß.

Desweiteren streiten sich mindestens zwei weitere Orte weltweit darum, das Grab Jesu Christi zu besitzen:

Das sogenannte Felsengrab, auch in Jerusalem und in Srinagar (Kaschmir/Indien).

Gerade weil es so absurd und abenteuerlich klingt, bin ich Anhänger der Theorie, dass Jesus die Hinrichtung überlebte und nach der Gesundung vor den Römern nach Osten floh und möglicherweise sogar bis Kaschmir gelangte.

Zurück zu den Fakten: Die Hinrichtungsstätte Golgotha befand sich exakt da, nur wurde etwas von der Böschung abgetragen, um Platz zu schaffen zunächst für einen römischen Aphrodite-Tempel und später die Grabeskirche, als Rom auf das Christentum einschwenkte. Dies wird von Historikern und Geologen bestätigt.

 

Dieser Ort markiert die Stelle, wo Jesus ans Kreuz genagelt wurde.

 

Ein dichter Strom von Menschen schiebt sich langsam zum exakten Ort der Hinrichtung.

 

 

An dieser Stelle polieren russisch-orthodoxe Gläubige eine bereits sehr glatte Fläche, als gelte es, eine Medaille beim Eisstockschießen zu gewinnen.

Es war der erste Ort wo der Leichnam zunächst provisorisch aufgebahrt wurde.

Josef von Arimathäa hatte die Genehmigung zur Beisetzung beim römischen Statthalter Pontius Pilatus eingeholt.

 

Hier erholten wir uns erst einmal vom anstrengenden Geschichtsexkurs beim Lunch mit einer Schawarma, der israelischen Variante eines Döner.

Die vegetarische Variante mit frittierten Kichererbsenbreikugeln heißt Falafel.

Nachmittags ging es nach Bethlehem, aber das hebe ich mir noch auf, bis der Termin passt…

Anm.: Erstveröffentlichung in der Adventszeit

Felsenfestung und Totes Meer

Die nächsten beiden Tagesausflüge hatte ich nicht bei Egged Tours, sondern Get-Your-Guide gebucht und ich darf vorweg nehmen, dass ich mehr als zufrieden war.

Diesmal musste ich nicht unter den Augen von Portier und Security-Lady unruhig hin und her trappeln, ich wurde oben im Zimmer angerufen, mein Guide wäre da.

Badehose, Wasserflasche und Kamera eingepackt und an der Rezeption erwartete mich Michael (Hebräisch: Mikhael), der nach der Vorstellung sofort fließend Deutsch weiter sprach.

Er bat mich um Verständnis, wenn er aus Rücksicht auf die beiden Schweden, die mit von der Partie waren, meist Englisch sprechen würde.

Göran und Anders aus Stockholm schmunzelten ein wenig über meine Absteige, wo ungeachtet des Verkehrslärmes nichts los sei.

Sie wären gleich in Tel Aviv abgestiegen, wo nicht einmal am Shabbat die Bürgersteige hoch geklappt werden und es Bier, Mädchen und Musik auch Freitag/Samstag gibt.

Okay, die beiden sind ja auch trotz fehlender Haare ein paar Jährchen jünger als ich und wenn das Bier 20-30 NIS kostet ist das im Vergleich zu Schweden ein Schnäppchen.

Gleich hinter dem Ortsausgang Jerusalem Richtung Osten passieren wir die Wetterscheide, ab da regnet es kaum noch und entsprechend sieht dann auch die Landschaft aus.

 

In diesen Hütten leben tatsächlich Nomaden, als einziger Besitz oft nur Ziegen, wohlhabendere mit Kamelen und Pferden, aber ohne Wasser und Strom und die Kinder ohne Schule.

 

Da staunt das Kamel und der Tourist wundert sich: Hier soll Meeresspiegelniveau sein?

 

Glauben wir mal dem Schild.

Der Araber, der dort bequem auf einem Teppich lagert und nicht im Bild ist, würde mich gerne eine Runde auf dem Kamel reiten lassen, aber erstens tut mir das Kamel leid und zweitens winken Michael, Göran und Anders.

Wir passieren den Wegweiser nach Jericho, die wohl älteste bekannte Siedlung der Welt, die heute noch existiert (aber nicht immer bewohnt war).

Mehr als 10000 Jahre sind schon eine stolze Bilanz.

Angeblich hat hier mal ein israelitisches Heer die Stadtmauern mittels Posaunenschall und der „Wunderwaffe“ Bundeslade zum Einsturz gebracht – diese Mauerreste wurden von Archäologen nie gefunden, weshalb wir die Stadt links liegen lassen.

Heute leben dort meist arbeitslose Palästinenser, wer Glück hat findet einen Job als Landarbeiter in einem Kibbuz.

 

Auch diese Geschichte kennen viele: 1947 suchte ein Hirtenjunge eine kleine Ziege, die sich verirrt hatte und warf Steine in eine der Höhlen, woraufhin nicht die erschreckte Ziege meckerte sondern ein Tonkrug zersprang.

Die in den Tonkrügen versteckten Manuskripte erwiesen sich als die ältesten bisher bekannten Bibeltexte!

Die Schriftrollen von Qumran gibt es seit 2011 auch digitalisiert im Netz – aber wer kann schon Alt-Hebräisch?

Ich gebe zu, beim Vorbeifahren ist von den berühmten Höhlen von Qumran nicht viel zu sehen, aber es ist diese Gegend. Nebenbei bemerkt (für historisch Interessierte) soll die Theorie vom Essener-Kloster weitgehend vom Tisch sein, da auch Frauengräber gefunden wurden.

Es war wohl eine ganz normale Siedlung (damals war es ringsum auch etwas grüner), u. a. mit Kopierwerkstatt für religiöse Texte, die im Zuge der Masada-Belagerung von der X. Römischen Legion zerstört wurde.

Die Sekte der Essener lebte wahrscheinlich ein paar Kilometer weiter in Ein Gedi.

 

Oase, Kibbuz, Botanischer Garten und in der Nähe ein Nationalpark, wo sich einst der junge David vor König Saul versteckte.

Dort soll es sogar Wasserfälle geben! Um das zu erkunden, muss ich noch einmal wiederkommen…

Endlich am Besucherzentrum der Bergfestung Masada angekommen:

 

 

Man kann bequem mit der Seilbahn hoch fahren oder aber zu Fuß den sogenannten Schlangenpfad (Snake Trail) hinauf stapfen.

Der Aufstieg soll etwa 45 Minuten dauern, was im November machbar ist, aber im Sommer sollte man früh beizeiten los gehen.

Da Masada wegen des Widerstandswillens ein nationales Symbol ist, sind auch viele Schulklassen unterwegs.

 

Der Kommandantenturm: Von hier konnten Angreifer rechtzeitig gesehen werden, viel wichtiger war aber die Überwachung der Sklaven im darunter gelegenen Steinbruch.

 

 

Michael erklärt an Hand eines Modells die Lage des Nordpalastes von König Herodes.

Der zog sich oft dorthin zurück, weil er sich da sicher glaubte vor äußeren und inneren Feinden.

 

Reste des Nordpalastes

 

Hier gab es Thermalbäder, Saunen und sogar ein Schwimmbad – welch ein Luxus in der Judäischen Wüste!

Aber ein ausgeklügeltes System der Wasserversorgung sorgte dafür, dass dies möglich war.

 

Modell der Wasserversorgung zum Sammeln von Schmelz- und Regenwasser.

Der größte Teil musste allerdings mittels Lasttieren herangeschafft werden.

 

Den überwiegenden Teil des Hochplateaus nahmen aber Lagerräume ein.

Dort war so viel Getreide und Olivenöl gelagert, dass die jüdischen Verteidiger im Jahre 70 n. Chr. nicht ausgehungert werden konnten.

In den Jahren 66 bis 70 n. Chr. fand der erste große Aufstand gegen die Besatzungsmacht Rom statt, wobei sich die verschiedenen Gruppen der Aufständischen häufig auch noch untereinander bekämpften.

Die Römer hatten Jerusalem und den Tempel zerstört, aber eine Gruppe Aufständischer (die Hilfe von Dienern erhielt) konnte die römische Garnison überwältigen und die Festung besetzen.

Dort lebten 960 Männer, Frauen und Kinder, zumeist Zeloten, d. h. religiöse Eiferer gegen die Fremdherrschaft und Mitglieder des militanten Arms, die Sikarier (Latein: Sica=Dolch).

Es wird aber angenommen, dass auch Vertreter anderer Gruppierungen Aufständischer dort Zuflucht suchten.

In drei Jahren bauten sie Wohnhäuser und sogar eine Synagoge.

 

Durch diese Schießscharten mussten die Verteidiger mit ansehen, wie 73 n. Chr. die X. Römische Legion aufmarschierte, 10000 Mann, dazu 4000 Mann Hilfstruppen und geschätzt 4000 Sklaven.

Das Römische Imperium konnte sich so ein Widerstandsnest nicht leisten.

So wurden unter Flavius Silva eine Mauer und acht Heerlager errichtet, so dass Ausfälle nicht mehr möglich waren.

Die Verteidiger unter der Führung von Eleazar Ben Jair sahen das zunächst gelassen, denn die drei Pfade nach oben waren leicht zu verteidigen und wie erwähnt hatten sie Wasser und Lebensmittel für Monate und Jahre.

Unruhig wurden sie erst, als die Römer eine Rampe aufschütten ließen.

 

Ungeachtet des Pfeilhagels und rollender Steine wurde die Rampe auch irgendwann fertig.

 

Diese Metallplatte auf einem Stein zeigt die Taktik der Römer.

Mit einem Belagerungsturm konnte eine Bresche in die Mauer geschlagen werden, woraufhin die Verteidiger eine neue aus Lehm und Holz (?) errichteten.

Diese wurde von den Römern in Brand gesteckt.

Warum es wiederum den Juden nicht gelang, den Belagerungsturm in Brand zu schießen, ist nicht überliefert.

Als die Männer um Ben Jair sahen, dass der Sturm nur eine Frage der Zeit wäre, beschlossen sie, Frauen und Kinder zu töten und dann per Los zu bestimmen, wer jeweils den anderen tötet.

Die Römer stürmten die Festung Masada, konnten sich aber an dem Sieg nicht so richtig erfreuen.

 

Rückmarsch unserer Reisegruppe über das 300 x 600 m große Plateau des Tafelberges.

 

Lunch im Besucherzentrum: Hähnchenschnitzel mit Sesampanade und Falafel

 

Als sich unter den Piepmätzen rumgesprochen hatte, dass zwei Touris die für die Vögel fantastische Idee hatten, draußen zu essen, fand sich bald eine ganze Schar ein.

 

Das Tote Meer: Mineral Beach

Es gibt gar nicht so viele Wellness Resorts, Spas und Hotels am Toten Meer wie ich annahm.

Einige weitere sind ganz am Südufer des 810 km² großen Salzsees erbaut worden.

Die wichtigsten Badestrände sind Ein Gedi Resort, Ein Bokek und der Mineral Beach, den wir ansteuerten.

Es gibt im Internet verschiedene Angaben, wie tief man hier ist, aber glauben wir mal den Israelis, dass es hier – 422 m NN sind, auf jeden Fall der tiefste Punkt der Erde.

Ich hatte in diesem Urlaub gar keine Badelatschen mit, so dass ich mir schnell welche kaufen musste, die aber zwei Nummern zu groß waren.

So schlurfte ich nach der Ausleihe eines Handtuchs und dem Umkleiden (Handtuch und Schließfach 95 NIS; man bekommt aber einen Teil des Geldes zurück) die gefühlten 500 m zum Strand, aber 200 m sind es sicherlich, zum Glück auf einem gepflasterten Weg.

 

Bei diesem Wetter (wolkig, 20 °C Luft, Wasser weniger) gehen nur Russen, Kanadier, Schweden und Deutsche ins Wasser!

Aber was heißt hier gehen! Man wird wegen der höheren Dichte (aktuell 32% Salzgehalt) sofort abgebremst.

Die Flip Flops wollten unbedingt die Fußsohle verlassen, weshalb ich sie auszog aber wegen der Steine sofort wieder versuchte, sie am großen Onkel zu befestigen.

Nun kann der Leser einwenden, der MadMovie sitzt mit dem Hintern auf Grund, weshalb ich alsbald Ausschau hielt nach einem geeigneten Fotomodell für die berühmten Tote-Meer-Fotos – Zeitung lesend treibend im Wasser.

 

Göran (oder hieß der Anders; ich verwechsele die beiden immer) aus Stockholm?

 

Oder lieber diese nicht unattraktive Dame aus Russland? Vielleicht hat ihr Begleiter etwas dagegen?

 

Ich entschied mich dann für das jüngste Bikini-Model (wir erinnern uns: Jerusalem Altstadt)

 

„Amy, wird das heute noch was? What you gonna doing?“

 

„Du sollst die Zeitung nicht nass spritzen, sondern lesen!“

 

„Na bitte, geht doch!“

 

 

„Habe ich mich überall mit Schlamm eingeschmiert?“

„Du hast die Füße vergessen, Schatz!“

Ich schmierte mich nicht mit Schlamm ein, sondern wählte die sauberere Variante, die mineralische Heißquelle (39 °C) zusammen mit ein paar Russen.

Ein Wellness-Nachmittag, den man nicht so schnell vergisst…

Michael kam dann noch mit der frohen Botschaft um die Ecke, dass die Tagestour morgen (beim gleichen Anbieter) erst um 7 Uhr und nicht vor dem Aufstehen um 6 Uhr startet – leider nicht mit ihm als Reiseleiter.

 

Auf der Rückfahrt: Dattelpalmen-Plantagen am Toten Meer.

Galiläa: Auf Jesus Spuren

Da es in der Umgebung des Hotels nichts gab, fuhr ich mit der Straßenbahn eine Haltestelle weit bis zur Central Bus Station und suchte diese verzweifelt, bis mir einfiel, die könnte sich hinter dem Einkaufszentrum verbergen, das ich ohnehin aufsuchen wollte.

Nach der in Israel obligatorischen Einlasskontrolle stellte ich fest, die Busstation ist die oberste Etage des Einkaufszentrums wo es an einem Stand sogar unkoschere Hot Dogs gab. Ich war aber auf der Suche nach Shampoo (im 4-Sterne-Hotel nicht im Bad) und kam nach erfolgloser Suche zu einem Discount-Markt.

Dort konnte ich natürlich nicht Haarwäsche von Body-Lotion unterscheiden, wegen der hebräischen Aufschriften.

Ich fragte einen Mann mittleren Alters, ob dies Shampoo sei, was er bejahte.

Es stellte sich heraus, dass er wie so viele vor ein paar Jahren aus Russland eingewandert war.

Meine eingerosteten Russischkenntnisse wollte ich aber nicht testen.

Beim Verlassen des Ladens rannte mir eine junge Verkäuferin hinterher: „You buy one – get two!“

Jetzt habe ich einen Vorrat an israelischem Billig-Shampoo für zwei Jahre…

Am nächsten Morgen ging es für orientalische Verhältnisse fast pünktlich um halb Acht los.

Begrüßt wurde ich vom Guide Lothe (es klang aber wie Lotke, was ich unter den hebräischen Vornamen nicht fand) und einem jungen englischen Pärchen aus London.

„Prima“, dachte ich, „wieder so eine kleine Reisegruppe wie gestern.“

Wir luden aber noch ein Hotel weiter ein Paar aus Paris ein.

An der Autobahn nach Westen ausgebrannte, aber restaurierte Militär-LKW.

1967 war hier ein israelischer Konvoi in einen Hinterhalt der Jordanier geraten, wobei mir neu war, dass die jordanische Armee damals so weit im Westen operierte.

Und abgebogen auf die Autobahn 6 nach Norden gleich noch eine Überraschung:

Auch hier eine lange Mauer und Stacheldraht wegen der überwiegend palästinensischen Bevölkerung in einigen Orten. Die Mauer wurde offenbar nach der zweiten Intifada (2000-2005) errichtet.

Jeder Kilometer ist hier geschichtsträchtig. In der Ferne ist ein Hügel zu sehen – Lothe sagt nur “Megiddo“, fügt aber gleich das uns geläufige „Armageddon“ hinzu.

Dort fand tatsächlich mal eine Schlacht statt. In der Bibel ist es der Ort der zukünftigen Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse.

Es gibt einige Sekten, wie die Mormonen, die glauben fest daran.

Auffallend ist, wie grün das Land hier im November ist.

Galiläa war und ist die Kornkammer Israels – auf den trockenen Hügeln Jerusalems wächst nicht viel.

Wir biegen rechts ab und nähern uns endlich Nazareth

 

Was man auf den Bergen sieht, ist aber Neu-Nazareth (Nazareth Illit) – überwiegend von Juden bewohnt, während in Nazareth auch viele Palästinenser leben

 

Bis auf eine jung verstorbene, kleine Katze am Gehwegrand, die mich an die Vergänglichkeit des Daseins erinnerte, war es aber in Nazareth verhältnismäßig sauber.

Vor 2000 Jahren war das eine kleine Siedlung von 400 Einwohnern, weshalb der Zimmermann Joseph wahrscheinlich Arbeit im viel bedeutenderen Sepphoris suchte (90 Minuten Fußmarsch), wie Historiker annehmen.

Die blutjunge Maria ging Wasser holen und hatte eine Erscheinung.

Ein Engel behauptete, sie wäre schwanger. An diesem Ort wurden mehrfach Kirchen errichtet und wieder zerstört.

 

 

Die Kirche, die jetzt dort steht, wurde 1964 gesegnet und 1969 geweiht.

Religionsgemeinschaften aus aller Welt stifteten Mosaike für den Säulen-Wandelgang

 

Hier jenes, welches der Vatikan stiftete

 

An der Fassade sind die vier Evangelisten verewigt

Auch die Türen sind kunstvoll gestaltet

 

 

Die Verkündigungsgrotte: Hier soll Maria erfahren haben, dass sie schwanger ist

 

Altarraum

 

Detail der Frontfassade von Innen

 

Gesamtansicht

 

Gottesdienst in der St. Joseph-Kirche

 

Detail in der St. Joseph-Kirche. - In den Katakomben

 

ein rituelles Bad, was darauf hindeutet, dass hier mal eine Synagoge stand

 

Die heilige Familie

 

Einblick in die Arbeit der Archäologen: Nazareth vor 2000 Jahren

 

Die Flecken an den Händen der Maria kommen daher, dass nahezu jeder sie berühren möchte

Galiläa: Tabgha

Gleich hinter Nazareth Illit gibt es diesen schönen Ausblick zu bewundern

 

In diesem Land genießt man nicht einfach die Aussicht, alles hat einen historischen, mythologischen und religiösen Hintergrund:

Hier handelt es sich um den mythologischen Berg Tabór – hier wurde in grauer Vorzeit der Gott Baal verehrt, im Jahr 55 v. Chr. ein 30000 Mann starkes Heer von Aufständischen von den Römern unter der Führung von Aulus Gabinius vernichtend geschlagen, Jesus erschien hier seinen Jüngern in seiner göttlichen Gestalt (Verklärung), die Araber bauten eine Festung, 1217 erfolglos von einem Kreuzfahrerheer unter König Andreas II. von Ungarn belagert und 1218 nach ständigen Attacken des Templerordens aufgegeben…

Die tschechische Stadt Tabór ist nach dem Berg benannt und heute steht da die Verklärungsbasilika…

Ich muss wirklich aufpassen, nicht zu jedem Bild ganze Abhandlungen zu schreiben…

 

Also mache ich es hier kurz: Cana – Hochzeit zu Kanaan – Jesus war auch eingeladen – Wein alle – Spätkauf hatte zu – Jesus verwandelt Wasser in Wein – Party mit Happy End – die Cana Wedding Wine Company wirbt kokett mit diesem Wunder

 

Durch die Täler Galiläas dem See Genezareth entgegen

 

Historiker behaupten, einige der Wunder, die Jesus vollbrachte, hätten sich am Ostufer des Sees Genezareth ereignet, auch die Bergpredigt wurde da gehalten.

Um die christlichen Pilger besser schützen zu können, wurden einige der heiligen Stätten kurzerhand an das Westufer verlegt.

Wie auch immer, da wird der historisch interessierte MadMovie wohl genauer hinschauen müssen…

Ob die Speisung der 5000 mit fünf Broten und zwei Fischen wirklich in Tabgha stattgefunden hat, ist also umstritten.

 

Die Kirche, die jetzt dort steht, wurde 1980 bis 1982 von den Kölner Architekten Anton Goergen und Fritz Baumann auf den Grundmauern aus dem 5. Jahrhundert errichtet.

Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, einen frisch gepressten Granatapfelsaft zu ergattern, dass ich glatt vergaß, die deutsche Inschrift zu fotografieren…

 

An diesem lauschigen Plätzchen holte Lothe wieder zwei Bibeln aus dem Rucksack, eine französische und eine englische Ausgabe, und wie schon in Nazareth las mir der junge Engländer die entsprechende Bibelpassage vor.

 

 

Ein sehr schlichter Altarraum

 

Galiläa: Kapernaum - Die frühere Wohnstätte des Shimon Bar Jona, uns besser bekannt als Simon Petrus (oder Kephas, wie Paulus ihn nennt) entpuppt sich als interessanter archäologischer Park, wo auch Besucher auf ihre Kosten kommen, die nicht so bibelfest sind. Es werden z. B. auch Olivenölpressen gezeigt.

 

 

Diese gut erhaltenen Ruinen stammen allerdings aus oströmischer Zeit, als dies ein öffentliches Gebäude und sich davor so etwas wie ein Forum befand

 

Hier handelt es sich um die Überreste einer Synagoge aus dem 1. Nachchristlichen Jahrhundert, wo möglicherweise Jesus gepredigt hat

 

Überreste des Hauses des Fischers Simon, der ursprünglich aus Bethsaida stammte, aber nach Kapernaum gezogen war und dort mit seiner Frau wohnte

 

Das Gebäude, das die Franziskaner darüber errichtet haben, ist gewöhnungsbedürftig und erinnert an ein UFO

Ein Blick durch den Glasboden von oben bringt nicht viel – Historiker sind sich aber einig, dass es hier einen Versammlungsraum der Fischer vom See gab, womöglich war dies sogar eine Art Hauskirche.

Jesus soll hier eine Zeit lang gewohnt haben – ein paar von Archäologen gefundene Inschriften stützen die Hypothese.

 

 

Die Holzschnitzereien der futuristischen Franziskanerkirche stellen Wunder dar, die Jesus vollbrachte, wie hier die Heilung eines Kindes.

 

Der heilige Petrus, dicht umlagert von asiatischen Touristen, hier bereits mit Bischofsstab und Schlüsseln für das Himmelreich ausgestattet, zu seinen Füßen einen Fisch vom See Genezareth…

Apropos Fisch – langsam bekomme ich Hunger…

Gut, dass es in Kapernaum das Restaurant „St. Peter“ gibt – auf die Idee sind aber andere Reisegruppen auch gekommen – aber draußen sind noch Plätze frei!

 

St. Peter-Fisch – den hatten schon Simon und sein Bruder Andreas im Netz

 

Ich bevorzugte die grätenfreie Variante

 

Nach dem Essen ein Verdauungsspaziergang am Badeufer von Kapernaum – das Laufen über das Wasser probierte ich gar nicht erst – dies überlasse ich den Profis…

Meine Aufmerksamkeit erregten bald darauf diese possierlichen Tierchen

 

die hier in einer Kolonie leben

 

Auf Nachfrage erklärte uns Lothe, das seien „Hirocks“, weniger mit den uns bekannten Nagetieren verwandt, sondern sehr weitläufig mit Elefanten.

Die Internetrecherche zu Hause gleich am Abend der Heimkehr ergab, es handelt sich um „Rock Hyrax“ (Procavia capensis; Klippschliefer), die innerhalb der Säugetiere eine eigene Ordnung bilden und in Afrika und auch Westasien vorkommen.

 

„Schon wieder so ein Touri mit so einem komischen Apparat in der Hand!“

 

„Du, Chef? Stört es dich, wenn ich deinen Schwanz als Kopfkissen benutze?“

„We are going down Jordan…

…we gonna walk the heavenly road!”

 

Den berühmtesten Fluss dieser Weltgegend hatte ich mir irgendwie auch beeindruckender vorgestellt, aber es wird sowohl von Jordanien als auch Israel bedeutend mehr Wasser für die Landwirtschaft abgezapft, als noch zu biblischer Zeit.

Johannes der Täufer wirkte an mehreren Stellen des Jordan, warum also auch nicht hier, in Jardenit, nahe des Abflusses aus dem See Genezareth.

Das Treiben des Mannes, der Erwachsene untertauchte, war den Römern ein Dorn im Auge, weil die jüdischen Sektierer sich weigerten, römische Götter anzubeten.

Dem lokalen König von Roms Gnaden, Herodes Antipas, war das egal, so lange nicht zum offenen Aufruhr aufgestachelt wurde.

Herodes Antipas heiratete in zweiter Ehe Herodias, was die erste Gattin verärgerte, die zu ihrem Vater Aretas floh, der wiederum mit Krieg drohte.

Zudem kritisierte Johannes der Täufer diese Heiratspolitik offen, weshalb er in Machaerus am Toten Meer inhaftiert wurde.

Die Tochter der Herodias, Salomé, tanzte den erotischen Tanz der sieben Schleier und Antipas war von den Socken.

Die sexy Kirsche konnte nun alles verlangen.

Nach Rücksprache mit der Mutter forderte sie ein silbernes Tablett, woraufhin Antipas lachte.

„Ja, aber mit dem Kopf von Johannes dem Täufer obendrauf!“ soll der Legende nach Salomé gesagt haben.

Dass die Salomé bei der Gelegenheit den Striptease erfunden haben soll, ist ein pikantes Detail, aber auch die alten Pharaonen hatten schon leichtbekleidete Tänzerinnen und Akrobatinnen.

Johannes der Täufer wirkte meist am Ostufer des Jordan, in Peräa.

Nur so war es möglich, dass der Antipas ihn überhaupt festnehmen lassen konnte.

Die Strafe folgte auf dem Fuß: Antipas verlor den Krieg gegen Aretas und musste die Region Damaskus abgeben, behielt aber zunächst Peräa.

Er starb dann in der Verbannung in Gallien.

Die Taufstelle von Jesus befand sich am Unterlauf in der Nähe von Jericho.

 

Es hat sich aber eingebürgert, die Wiederholung der Taufe hier durchzuführen, weil das Wasser so nahe am See Genezareth wahrscheinlich sauberer ist als am Unterlauf.

Ein russisch-orthodoxer Priester, der an Rasputin erinnert, taucht bereits die Ersten unter

 

 

bevor die Frauen auf der betonierten Treppe sind

 

 

Ein asiatischer Tourist schien etwas Interessantes entdeckt zu haben

 

Neugierig trat ich näher

 

Offensichtlich fühlte sich der Otter sehr unwohl unter den großen Flusswelsen.

Zurück ging es über Tiberias (benannt nach dem römischen Kaiser Tiberius), was man sich vorstellen muss wie ein Badeort an der Côte d‘ Azur mit Hotels und Palmen, nur nicht so mondän – durch das Jordantal und dem schon bekannten Weg durch die Judäische Wüste nach Jerusalem.

Zurück in Jerusalem

Am nächsten Tag checkte ich aus dem Hotel aus und draußen neckte mich Taxifahrer David, er hätte mich schon gestern erwartet.

Bei 400 NIS (+ einem Aufpreis für die Tour durch Jerusalem, zu Stellen, die ich noch nicht gesehen hatte), wurden wir handelseinig.

Dafür konnte ich aber auch in den nächsten knapp fünf Stunden bestimmen, wo es hinging, es kam sogar mal kurz die Idee „Jericho“ auf, die wieder verworfen wurde.

Wir beschränkten uns auf Jerusalem und Tel Aviv.

Am nächsten dran am Hotel war der Mount Herzl

 

Der Eingang zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

 

 

Nicht gerade direkt hier im Sonnenlicht, sondern zuvor gingen mir die Gedanken durch den Kopf, wie so etwas damals möglich war.

Der Gefreite Adolf H., Meldeläufer im I. Weltkrieg an der Westfront, auf Empfehlung eines jüdischen Offiziers mit dem Eisernen Kreuz dekoriert, kam nach Lazarettaufenthalt (zeitweilig erblindet wegen Giftgaseinwirkung) in die Kaserne nach München und bewachte zunächst Kriegsgefangene in Bayern.

Es war eine turbulente Zeit. Adolf H. wurde zum Vertrauensmann seiner Kompanie und sogar zum stellvertretenden Soldatenrat gewählt. Es kann aber gut sein, dass er die Wahl nur annahm, um später Kameraden, die die Räterepublik Bayern unterstützt hatten, zu verpfeifen.

Die kamen vors Kriegsgericht und Adolf H. zu einer Propagandakompanie.

Bei Schulungen formte sich dann sein verqueres Weltbild vom „Lebensraum im Osten“ (Prof. Haushofer) oder der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung (Eckart), wobei uns heute völlig unverständlich ist, wie die Juden gleichzeitig für Börsenkapitalismus und Kommunismus verantwortlich sein können, aber damals wurde das geglaubt – mit verheerenden Folgen!

1919 erschienen auch die vom russischen Geheimdienst des Zaren einst gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ in deutscher Übersetzung, bezugnehmend auf die Aussage von Herzl: „Ich habe den Judenstaat gegründet!“

Als Adolf H. an die Macht kam, ging er noch weiter, als seine einstigen Dozenten und versuchte alles in die Tat umzusetzen bis hin zur physischen Vernichtung der Juden in Europa.

 

Die Mädels marschieren auf

 

„Achtung!“

 

„Feuer!“

An die bewaffneten jungen Frauen traute ich mich nicht näher ran. Es war übrigens keine scharfe Munition.

 

Das Holocaust-Forschungszentrum wird u. a. vom Regisseur Steven Spielberg unterstützt.

 

Blick vom Mount Herzl ins Tal

Neu-Jerusalem

Im Bible Lands Museum …

 

… war ich tatsächlich drin.

Hier wird sehr anschaulich der Stand der Geschichtswissenschaft und Archäologie verglichen mit den Mythen, die in der Bibel stehen.

So wird zum Beispiel der Weg von Urvater Abraham, auf den sich alle drei Religionen berufen, die in der Region ihren Ursprung nahmen, von der Stadt Ur (heute Süd-Irak) über Syrien nach Palästina dargestellt.

Es wird aber auch auf die Geschichte aller Völker der Region eingegangen, von den Hethitern bis zu den alten Ägyptern.

Nicht weit davon entfernt befindet sich das vielleicht bekanntere Israel Museum mit dem „Shrine Of The Book“

 

Das markante Dach ist den Deckeln nachempfunden, mit denen die Tonkrüge in den Höhlen von Qumran verschlossen waren.

Und hier werden tatsächlich auch einige der Original-Schriftrollen ausgestellt.

 

Von der Knesset, dem israelischen Parlament, hat jeder schon einmal in den Nachrichten gehört.

Das Problem ist nur, dass gemäß UNO-Beschluss Jerusalem gar nicht Hauptstadt von Israel ist, der Regierungssitz wie die Botschaften sich in Tel Aviv befinden und die Abgeordneten donnerstags die Flucht nach Westen antreten, bevor am Shabbat die Bürgersteige hochgeklappt werden…

Zwischen Skopus- und Ölberg

 

genießt ein orthodoxer Priester die Aussicht auf das Heilige Land

 

Nur die Autobahnen zerstören die Illusion von der Vergangenheit.

Jerusalem: Ölberg und Kidrontal

Rechts abgebogen ist das nächste Bauwerk am Wege das Auguste-Viktoria-Hospital

 

mit der Himmelfahrtskirche, was auf ein Versprechen von Kaiser Wilhelm II. während seines Besuchs 1898 zurückgeht.

Es wurde Land erworben, eine Stiftung gegründet und zur Eröffnung 1910 war dann nicht die Namensgeberin (die Frau des Kaisers) vor Ort, sondern Prinz Eitel Friedrich von Preußen mit Frau Sophie Charlotte von Oldenburg.

Dort war zeitweilig das Oberkommando der Orient-Front im I. Weltkrieg untergebracht und jetzt hat der Lutherische Weltbund die Schirmherrschaft.

Auch das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes hat dort seit 1982 seinen Sitz.

 

Einer der beeindruckendsten Friedhöfe weltweit erstreckt sich über das Kidron-Tal zwischen Ölberg und Jerusalem. Alle drei abrahamitischen Religionen verweisen darauf, dass hier das Jüngste Gericht stattfindet – nur über das Wie und Wann ist man sich uneinig.

Für die Juden ist es das Tal Josapath, das Tal der Entscheidung; Christen glauben, dass der Heiland durch das (von den Osmanen zugemauerte) „Golden Gate“ erscheint; im Islam wird ein Seil zum Ölberg gespannt, worüber die Gläubigen balanzieren müssen.

 

 

Wer hier beerdigt ist, kann am Tag des Jüngsten Gerichts am schnellsten seine Knochen einsammeln und hat den kürzesten Weg.

Ob noch ein paar Plätze frei sind, habe ich nicht erfragt …

 

Dann ging es steil bergab zur vorläufig letzten historischen Stätte

 

dem Garten Gethsemané, wo der Überlieferung zufolge Jesus in der Nacht von Gründonnerstag zum Karfreitag des Jahres 33 n. Chr. verhaftet worden sein soll.

Das Zeichen zum Zugriff war ein Wangenkuss, den Jünger Judas ihm gab.

Jünger Simon (Petrus) soll noch – wenn ich mich recht erinnere – ein Kurzschwert gezogen und jemand von den Tempelwachen ein Ohr abgeschlagen haben, entkam aber und leugnete drei Mal, ein Anhänger des Jesus gewesen zu sein.

 

Im Unterschied zu manch anderen historischen Stätte ist es amtlich, dass dies hier passierte.

Die Altersbestimmung der Olivenbäume ergab 2000 Jahre.

 

Bethlehem

Nahezu jeder kennt doch die Weihnachtsgeschichte: „Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge…“ (Lukas 2, 1-20)

 

Doch halt mal! Der Zensus unter Quirinius fand im Jahr 6 n. Chr. statt und der sogenannte Stern von Bethlehem (von dem sich die Astronomen aus Babylonien leiten ließen, die später zu Königen gemacht wurden), eine Konjunktion von Saturn und Jupiter, war am hellsten sichtbar im November 7 v. Chr. – eine ziemlich breite Zeitspanne für ein Geburtsdatum!

Das Weihnachtsfest ist seit dem Jahr 336 auf den 25. Dezember festgelegt, war vorher der Feiertag Sol Invictus im alten Rom.

Aber es kommt noch dicker: Einige Historiker sind sich einig, dass der Geburtsort von Jesus nur nach Bethlehem verlegt wurde, weil er aus dem Hause Davids stammen soll.

Es kann also gut sein, dass Maria ohne Reisestrapazen zu Hause in Nazareth entbunden hat. Macht nix, Weihnachten wird trotzdem gefeiert!

Es hindert auch nicht abertausende von Pilgern und Touristen, mich inklusive, diese mögliche Geburtsstätte zu besichtigen.

 

Nicht Demut vor dem Herrn veranlasste einst die Kreuzritter, den Eingang so zu gestalten, sondern schlichter Pragmatismus:

Die Kirche ließ sich so besser verteidigen.

Der Geburtsort selbst, der kein Stall im heutigen Sinne war, sondern eine Höhle ist von Touristen dicht umlagert und eine Enttäuschung.

1847 wurde der silberne Stern, der den genauen Geburtsort angeblich markiert, gestohlen.

Der Pascha gestattete voreilig den Franziskanern, ihn zu erneuern, was die Russisch-Orthodoxe Kirche und ihren Beschützer Zar Nikolaus erzürnte, der gegen das Osmanische Reich mobil machte, was wiederum England und Frankreich nicht gefiel und 1853 zum Krimkrieg mit einer halben Million Toten führte. 

 

Standort der Krippe

 

Fußbodenmosaik der ursprünglichen Geburtskirche – die erste stammt aus dem 4. Jahrhundert (die Kaiserinmutter Konstantins, Helena, war die erste Prominente, welche alle heiligen Stätten aufsuchte), die nächste aus dem 6. Jahrhundert (Kaiser Justinian), aber historisch nicht belegbar, Umbauten durch die Kreuzritter (siehe Eingang) – so ziemlich die einzige Kirche, welche im Laufe der Jahrhunderte nicht zerstört wurde.

Unser Guide in Bethlehem hieß übrigens Isa – die arabische Form von Jesus - der aber sofort auf die aus den Weihnachtssendungen des Fernsehens bekannte Katharinenkirche zusteuerte:

 

 

Hier hat der heilige Hieronymus im Jahr 386 erstmals die Bibel ins Lateinische übersetzt.

 

 

 

Fast schon ein wenig kitschig: Das Jesuskind als Schaufensterpuppe

 

Die Flagge mit dem Jerusalem-Kreuz weht über der Katharinenkirche

 

Platz vor der Geburts- und Katharinenkirche in Bethlehem.

Anschließend ging es noch zum Shopping in eine Souvenir-Boutique, die kaum einen Wunsch offen ließ.

Kann auch nicht jeder behaupten, die Weihnachtsgeschenke am möglichen Ursprungsort des Festes gekauft zu haben …

 

Blick auf eine der israelischen Siedlungen rund um Bethlehem im Palästinensergebiet – immer wieder scharf kritisiert – verhindern diese einen dauerhaften Frieden – nicht zu vergessen Mauer und Stacheldraht

 

Grenzübergang vom Palästinensergebiet nach Israel.

Hier hatte ich die einzige unangenehme Situation während meiner Reise:

Ich trödelte leider etwas, was sich zwei junge Palästinenser zunutze machten, um mir unbedingt Postkartenalben aufzuschwatzen.

Als ich auf Englisch anmerkte, ich müsse zu meiner Gruppe, wurden die aggressiv und versuchten mich aufzuhalten.

Als ich einen los war, verfolgte mich der andere bis zum Drehkreuz des israelischen Grenzüberganges, hielt mich am Ärmel, traute sich aber nicht weiter.

Ich habe ja Verständnis für die Situation arbeitsloser Jugendlicher in Bethlehem, aber das war mir einen Tick zu aggressiv.

Tel Aviv und Jaffa

Ich war am letzten Tag wie erwähnt mit dem Taxifahrer David unterwegs und nach dem Besuch des Gartens Gethsemané ging es durch einen Tunnel Richtung Westen – aber nicht direkt auf die Autobahn 1, sondern auf die Straße 443.

David wollte mir nur zeigen, dass auch hier Stacheldraht gespannt ist, was aber für ein Kommandounternehmen kein wirkliches Hindernis darstellt.

Früher brauchte man für die Strecke Jerusalem-Jaffa gut zwei Tage, heute knapp eine Stunde.

 

Blick auf eine der Kirchen in Jaffa. Nach dem ich so viele beschrieben habe, verging mir die Lust, herauszufinden, welche Historie dahintersteckt.

 

Historical Site von Jaffa

Zu der Zeit, als es noch keine Flughäfen gab, kamen alle hier an:

Vom einfachen russischen Bauern, der eine Pilgerreise machte bis hin zu Königen und Kaisern.

Die Kreuzritter benutzten natürlich noch andere Häfen, wie Akkon (Akko).

 

Dieser Gipskamerad in einer Uniform vom Ende des 18. Jahrhunderts gemahnt daran, dass auch Napoleon Bonaparte einst hier war.

Seine Offiziere ermunterten ihn, das symbolträchtige Jerusalem zu erobern, der reine Militärpragmatiker lehnte ab und wollte lieber die Küste sichern.

Nach Vernichtung der französischen Flotte und Unterbrechung der Nachschubwege durch Admiral Nelson hat er sich dann sowieso verkrümelt.

 

Grandiose Aussicht auf Tel Aviv, die noch besser wird, wenn man störende Elemente entfernt …

 

David hatte Angst, einen Strafzettel zu kassieren, weshalb wir uns wieder vom Acker machten.

In Tel Aviv („Hügel des Frühlings“) selbst gibt es sicher auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten, wie die Stadtteile im Bauhaus –Stil, die dem Regierungssitz und Geschäftszentrum des Landes den Beinamen die „weiße Stadt“ einbrachten. Wir mussten aber weiter zum Flughafen.

David, der aus Jerusalem stammt, erklärte während der Fahrt zum Airport, dass Tel Aviv die gefährlichste Stadt Israels sei, und zwar nicht wegen der Raketen aus Gaza, welche die Flugabwehr meistens abschießt, sondern wegen der Rauschgiftkriminalität und vieler Einwanderer aus Afrika, insbesondere dem Sudan.

Er selbst wäre schon Zeuge einer Schießerei gewesen.

Die Fluggesellschaften teilen ja mit, man solle zwei Stunden vor Abflug eines internationalen Fluges da sein – in Israel sind es drei Stunden, was ich übertrieben fand.

Aber einen Kilometer vor dem Ben Gurion Airport östlich von Tel Aviv schon der erste Militärkontrollposten, der Fragen stellte, wie „Ist das Ihr Gepäck?“

Die israelische Armee weiß jetzt auch, dass die Tante meiner Frau in Nordost-Thailand krank ist, zumindest zum Zeitpunkt der Befragung, was die aber eigentlich nichts angeht.

Auslöser war die Frage: „Warum reisen Sie allein?“

Nachdem auch geklärt war, dass meine Frau nicht in Israel einreiste, sondern direkt von Deutschland nach Thailand geflogen war, durften wir weiter.

Ich verabschiedete mich herzlich von David mit einem „Todah!“ und Trinkgeld und wollte schon die Kamera hervor kramen, da winkte der Chauffeur noch einmal und rief:

„No photos!“

 

Zwischen den beiden Glastüren den nächste Check-Point – die Sicherheitsbeamte macht aber nur Stichproben und ich bin nicht dran.

Man kommt dann in einen Wartebereich mit langen Schlangen vor der nächsten Passagier-und Kofferkontrolle.

Dort kann man im Gegensatz zu anderen Flughäfen zugucken, wie der Koffer durchleuchtet wird.

Ich machte es mir erst einmal gemütlich, schaute die letzten Fotos im „Mäusekino“ an, las noch etwas und stellte mich dann in aller Seelenruhe an.

Drei junge Frauen vom Sicherdienst diskutierten dann miteinander, ob mein leicht gerötetes Gesicht der Sonne Israels zuzuschreiben war oder der Aufregung, weil ich Plastiksprengstoff ins Flugzeug schmuggeln will.

Zuvor hatten sie aber schon die gleichen dämlichen Fragen gestellt wie der Militärposten und die gleichen freundlichen Antworten bekommen, ich konnte sie aber von meiner Harmlosigkeit überzeugen und wurde nicht abgeführt.

Im Check-In-Bereich ohne jede Sitzgelegenheit vertrieb ich mir die Zeit mit dem Beobachten von vier jungen israelischen Frauen, von denen drei keinen Vergleich mit dem Fotomodell Bar Refaeli zu scheuen brauchten (leider kein Foto, was ich heute noch zutiefst bereue).

Die saßen später in der gleichen Reihe im Flugzeug.

 

Im Bereich vor den Gates (der Rundbau) wollte ich die letzten Schekel umsetzen, aber für einen Saft brauchten die so lange, dass ich annahm, die schicken erst einen los um frisches Obst in Galiläa zu pflücken.

Die Reaktion der Mädels in Berlin auf drei Grad und Schneeregen konnte ich nicht mehr beobachten, denn ich hastete zum Terminal C wo ich sofort den Wagen von „Förster Reisen“ fand.



Published in: