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Luisa Capaendemoio

Malawi

 

Luisa Capaendemoio

In einem Land, fernab unserer Zivilisation, in dem der Frieden jung ist. In einem Land, in dem das Vieh noch frei ist, begegnete ich einer Frau, die barfuß auf Boden ging, der von Blut durchtränkt zu sein scheint. Die Sonne steht dort beinahe immer im Zenit, so gingen wir in ein schattiges Motelzimmer. Es war klein. Die Wände waren kahl weiß. Es gab nur ein kleines Fenster und zwei sperrige Holzbetten. In dem kleinen Motelzimmer, schlief sie irgendwann ein. Sie war schon sehr alt. Und mir war langweilig. Also nahm ich meinen ferngesteuerten Jeep mit nach draußen und fuhr achten auf dem Hinterhof. Jemand rief mich bei meinem Namen. Ich schaute mich um und sah meinen Vater aufgebracht mit dieser Frau reden. Ich verstand deren Sprache nicht. Dennoch verstand ich ihren Blick. Ihre Augen sagten mir: „Ich dachte, ich hätte dich verloren.“ Mir war die Aufregung völlig unverständlich. Ich hab doch bloß ein Wenig mit meinem Jeep gespielt. Mein Vater hätte mich geohrfeigt, aber in der Gegenwart dieser Frau wagte er es nicht seine Hand gegen mich zu erheben. Er hatte Respekt vor ihr. Nein sein Verhalten grenzte schon an Ehrfurcht. Aber Warum? Warum hatte diese Frau so eine Macht über ihn? Was es auch war. Mich kümmerte es damals nicht weiter. Ich war sauer auf sie. Wegen ihr gab´s Ärger. Später. Als sie weg war. Ich durfte nicht mehr ohne irgendwen spielen gehen. Mein Vater wollte, dass wir auf einem Bild lächeln. Wozu? Erst gibt´s Anschiss und dann soll ich heile Welt spielen? Auf dem einzigen Foto von mir und dieser Frau schnitt ich eine Grimasse. Doch was ich wirklich bereue, ist nicht die Grimasse, sondern dass sie mich in den Arm nehmen wollte, ich aber aus meinem innerem Frust heraus, ihre Nähe verweigerte und wegrückte. Hätte ich gewusst, dass mein Vater mit mir nach Malawi reiste, um mich seiner Mutter vorzustellen, weil diese uns noch kennen lernen sollte, bevor sie stirbt, dann hätte ich...



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