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Seit ich im Jahr 2000 das erste mal an einem PC saß und das erste mal online ging, habe ich den Namen Knockcollector.


knockcollector

Auf der Suche nach Frieden - Ein Unfall der besonderen Art

Auf meiner Suche nach Frieden hatte ich einen Unfall. Alle sagten: "Das ist ja schrecklich!" Auch alle, die das Auto hinterher sahen, sagten ,dass es schrecklich sei, bis ich ihnen die Geschichte erzählte.

 

Für den Frieden muss man auch Opfer bringen!!!

Auf meiner Suche nach Frieden hatte ich einen Unfall. Alle sagten: "Das ist ja schrecklich!" Auch alle, die das Auto hinterher sahen, sagten ,dass es schrecklich sei, bis ich ihnen die Geschichte erzählte.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als Frieden. Darum hatte ich auch schon an der Friedensfahrt Berlin Moskau im August 2016 teilgenommen und so viel ich konnte dazu beigetragen. Gegen Ende der Friedensfahrt traten einige Freunde an mich heran und schlugen vor, dass ich die nächste Friedensfahrt organisieren solle. Gleich nach der Friedensfahrt begann ich auch schon damit. 


Mitte Dezember 2016 startete ich zu meiner Reise nach Russland. Ich wollte nicht nur mehr Zeit mit meiner Freundin verbringen, sondern auch neue Kontakte aufsuchen und Verbündete finden für die weiteren Missionen in der Friedensarbeit. Uns ist es wichtig, die Menschen auch zusammen zu bringen, uns gegenseitig Einblick zu gewähren in unsere Leben, in unsere Ängste, in unsere Nöte und in unsere Wünsche und Träume.

Schon in Sankt Petersburg konnte ich viele neue Kontakte knüpfen und alte wieder beleben. Inzwischen war ich auch in Moskau gewesen und habe dort meine Aufgaben erledigt. Jetzt befand ich mich auf dem Weg nach Utorgosch im Oblast Veliki Novgorod.

Die Fahrt hatte schon schlecht angefangen. Mein Geld war noch nicht auf dem Konto eingegangen. Ich hatte den Tank zwar voll, aber es würde knapp werden. Das Erste Drittel der Strecke dümpelte ich so im Stau vor mich hin. Dann sollte ich laut meinem Navi (ich benutzte mein Handy mit der Google Maps App) abbiegen. Das tat ich dann auch. Plötzlich stand ich an einer Moutstelle, obwohl ich in mein Navi eine Mout-freie Strecke eingegeben hatte. Gottseidank funktionierte meine Karte. 

Als ich dann wieder auf die M10 fuhr ging das nur entgegengesetzt der Richtung in die ich musste. Zum Glück gab es einige Meter weiter eine Stelle, an der man links abbiegen konnte. Eigentlich wollte ich erst nur wenden, doch mein Navi hatte die Strecke nach links als schnellste und kürzeste Strecke markiert. Also folgte ich meinem Navi.

Inzwischen hatte es wieder gefroren. Die Strassen waren spiegelglatt. Ich schitterte so mit dreißig vor mich hin, als sich plötzlich der vor mir liegende Weg auf eine einzige schmale Spur verengte. In Nullkommanix stand ich auf einem schmalen Waldweg mit einer tiefen Sprurinne, total vereist und rechts und links des Weges ein Abhang. Ich musste eine Stelle zum Wenden finden. Häuser und Licht hatte ich schon eine Weile nicht mehr gesehen. Ich dachte noch, "Na hoffentlich passiert mir hier nichts. Hier findet mich kein Mensch." Mit Schrittgeschwindigkeit fuhr ich weiter.

Dann sah ich drei Häuser, zwei rechts eins links, aber alles dunkel. Ob das Wohl Datschas waren, die nur im Sommer besucht werden? In einiger Entfernung schien so etwas wie eine selbst gebaute Strassenlaterne etwas Licht zu spenden. Doch plötzlich... Halt... Stopp...rums... Die Spurrinne hatte sich den Abhang herunter gezogen und mich direkt auf einen Zaunpfahl zugeführt. Bremsen war zwecklos. Es war zu glatt. Ich ruschte einfach weiter.

Zuerst stieg ich aus, um mir den Schaden anzusehen. Ich stand bis zu den Knien im Schnee. Der Untergrund war glatt. Die Nacht war dunkel und still. In den Häusern war kein Licht. Ich fand auch keinen Weg, wie man auf das Grundstück gelangen könnte. Zum Glück war es nur ein Plastikschaden. Der Zaunpfahl stand auch noch. Also setzte ich mich ins Auto und versuchte dort wieder heraus zu fahren. Aber die Räder drehten nur durch. So schaffe ich es nicht.

Ich rief also meine Freunde an, die in Utorgosch schon auf mich warteten. Ich wollte wissen, wie ich denn fortfahren soll. Olga erklärte mir, dass ich ein Auto finden und anhalten soll. Ich hielt es zwar für unwahrscheinlich, dass dort einer lang fahren würde, dennoch machte ich mich auf die Suche. 

Als ich ein paar Meter auf die selbst gebaute Laterne zugelaufen war, kam mir tatsächlich ein Auto entgegen. Der Fahrer hielt auch sofort und war bereit mir zu helfen. Er murmelte auch etwas zu seiner Frau. Dann ging sie los, während er sein Auto an meinem Abschleppseil fest machte. Mit vereinten Kräften versuchten wir mein Auto wieder auf den Weg zu schleppen, aber auch seine Räder drehten nur durch.

Ich wollte gerade aussteigen und fragen, wie man den einen Abschleppwagen mit Kran rufen könne, da war mein Auto plötzlich umringt von zwanzig Männern. Alle packten irgendwo an und schoben. Ich hatte den Rückwärtsgang eingelegt und gab Gas. Der Mann im anderen Auto zog. So schafften wir es und bekamen mein kleines Friedensauto wieder auf den Weg. 

Als ich aus dem Auto stieg, wurde die umarmt. Und wir feierten zusammen, dass wir es geschafft hatten. Meine Geschenke hatte ich schon fast alle verteilt. Ich hatte nur noch ein paar Magneten und Aufkleber, die ich ihnen geben konnte. Gleich fragten alle, was mich in diese Gegend trieb. Also erzählte ich ihnen von meinem Plan und was ich bis dahin unternommen hatte. Sie luden mich mitsamt der Friedensfahrt für diesen Sommer zu sich ein.

Igor, so hieß der Mann in dem Auto, brachte mich auf den richtigen Weg. Aber bevor ich abfuhr, gaben die Männer mir noch ihren Segen mit und eine kleine Bibel, damit Gott immer bei mir sei. Dann brachten mich Igor und seine Frau zur Hauptstraße und wir verabschiedeten uns herzlich.

Ich habe den Frieden zwar noch nicht gefunden. Dafür fand ich aber schon viele Menschen, die es wert sind im Frieden zu leben. Und das ist allemal ein Bisschen Plastik wert.



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