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Der Feind in meinem Fett


Dininini

Auf der Suche nach Leichtigkeit

Willkommen ihr da draußen! Folgt mir in mein Leben, dass mit jedem Tag l(i)ebenswerter und auch ein bisschen verrückter wird! Nach gefühlten 27 fetten Jahren mit zuletzt 171,5 kg habe ich mich für das Leben mit einem Schlauchmagen entschieden. Das stellt das Leben rasant auf den Kopf. Ein rauschartiger Zustand voller Glück, der manchmal zum völligen Ausrasten meines Inneren und Äußeren führt. Ich suche jeden Tag aufs Neue nach dem Stückchen Leben, wovon ich bisher nur geträumt habe. Ich erobere mir das Leben mit jedem Tag mehr zurück. Ich war schon immer ein lebensbejahender Mensch, aber jetzt gerade glaube ich, dass keine einzige Droge auf diesem Planeten, mir auch nur ansatzweise ein geileres Lebensgefühl bieten könnte.

Im Januar schrieb ich folgendes dazu:

Manchmal holt einen das Leben ein. Dann gilt es, sich selbst und die Realität in Einklang zu bringen.

Die ersten äußerlichen Veränderungen nach der OP führen erfahrungsgemäß erst einmal zur Zustimmung, Bestärkung und Bewunderung. Genauso aufregend wie das für einen selbst ist, scheint es auch für die Umwelt zu sein, zumindest wenn die Freunde, Kollegen, Familie und Bekannte eng mit einem verbunden sind.

Die charakterlichen Veränderungen jedoch sind unbequem. Unbequem für die, die im Zuge dessen, mit sich selbst konfrontiert sind. Veränderungen eines anderen machen Angst. Es ist leichter, die Veränderungen eines anderen zu kritisieren, als bei sich selbst zu schauen.

Entwicklung bedeutet manchmal Verlust. Verlust kann schmerzhaft sein. Verlust kann aber auch neue Wege bereiten.

Manchmal trifft man Entscheidungen in seinem Leben. Entscheidungen, die für manche plötzlich kommen, mit denen manche gerechnet haben, andere überfordert sind.

Alle bilden sich eine Meinung. Alle wissen, was gut für einen ist. Aber es sind immernoch meine Entscheidungen. Meine ganz allein. Ich treffe meine Entscheidungen, denn ich muss mit ihnen leben. Ich muss sie leben. Ich erwarte kein Verständnis für meine Entscheidungen. Aber ich erwarte Akeptanz dafür, dass ich meine Entscheidungen treffe.

Als ich beschlossen habe, mich operieren zu lassen, war das auch meine Entscheidung ganz allein.

Ich erinnere mich an die Warnungen.. "Pass bloß auf, dass du dich nicht auch charakterlich veränderst!" "Nicht abheben!" "Bleib bitte die Alte!"

Mir war bewusst, dass es Veränderungen geben wird. In welcher Form kann man nicht erahnen. Jeder ist da unterschiedlich.

Ich reflektiere mich und mein Verhalten oft, zu oft.

Die Rückmeldungen, die ich zurzeit bekomme, sind unterschiedlich - spannend! Ein großer Teil nimmt Veränderung wahr; ordnet diese positiv ein. Ein anderer Teil sieht es deutlich kritischer. Sie wollen "die alte" zurück. Ich sei nicht mehr wieder zu erkennen. Ich würde abheben.

Ich würde nicht behaupten, dass sich grundlegend mein Charakter verändert hat. Es haben sich Ansichten verändert. Dinge sind plötzlich wichtiger geworden, andere sind in den Hintergrund gerrückt. Ich sehe Situationen egoistischer. Bedürfnisorientierter. Viel zu lange habe ich auf das Leben verzichtet. Habe mich selbst eingeschränkt. Habe mich hinter Entscheidungen und Einstellungen versteckt. Ich war damit beschäftigt, dick durchs Leben zu kommen und möglichst geschmeidig das Leben zu erledigen.

Nein, ich bereue mein bisheriges Leben nicht. Ich habe es nicht ausgetauscht und ich lasse es auch nicht gänzlich hinter mir.

Ich brauche keine Bestätigung für das, was ich äußerlich geleistet habe. Ich brauche auch keine Bestätigung für mögliche positive innerliche Veränderungen. Ich verschließe auch nicht Ohren und Kopf vor Kritik und den Hinweis auf negative Veränderungen. Aber ich habe es auch satt, mich für mein momentanes Sein, für meine Entscheidungen, für mein Denken und für mein Handeln zu erklären und rechtfertigen zu müssen. Oder beweisen zu müssen, dass ich mir über die Tragweite mancher Entscheidungen bewusst bin.

Ich will mein Leben genießen. Ich möchte das machen, worauf ich Lust habe. So lange ich die wichtigsten Dinge in meinem Leben nicht aus den Augen verliere, erlaube ich mir das auch.

Ich bin frei. Ich habe mich befreit. Die OP hat wesentliches dazu beigetragen. Ich bin dankbar. Dankbar für diese Erfahrung.

Sich entwickeln bedeutet neue Wege gehen. Neue Wege gehen, bedeutet Veränderung. Veränderung macht Angst. Angst macht ohnmächtig. Aber es bedeutet nicht altes streichen, vergessen und durch neues zu ersetzen. Es ist viel mehr die Herausforderung altes und neues zu Gegenwärtigem werden zu lassen.


 



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