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Weil ich gerne schreibe...für die, die gerne lesen


malika

Frauenparkplätze

.

Frauenparkplätze“

„Ich finde es ungerecht, dass es Frauenparkplätze gibt.

Ich fühle mich da als Mann diskriminiert.“

Der junge, charmante Mann aus osteuropäischen Gefilden sitzt

mir bei einem Glas Wein gegenüber und sieht mich

herausfordernd an.

Ich überlege kurz, was er jetzt von mir erwartet. Ich glaube,

er möchte mein Mitgefühl und mein Verständnis dafür, dass

er eine so schwerwiegende Einschränkung in seinem Alltag

hinnehmen muss. Ich beschließe, dass ich heute keine Lust

habe, verständnisvoll und empathisch zu sein. Ich bemerke

lediglich, dass es die Frauenparkplätze vermutlich deshalb

gibt, weil es in Tiefgaragen immer wieder zu Vergewaltigungen

und Mißhandlungen kommt.

Oh, oh. Böser Fehler, merke ich. Manchmal ist es besser, das

unangenehme Wort mit „V“ als Frau einem Mann gegenüber

nicht auszusprechen.

Es löst Schuld- und Schamgefühle beim anderen Geschlecht

aus. Die werden denn auch postwendend abgewehrt:

„Vielleicht wollen manche Frauen ja vergewaltigt werden?!“

Lächelnd sagt es der nette Mann, und hebt bedauernd die Hände

in die Luft.

Aha.

Ich hole Luft. Ruhig erkläre ich, dass es ja dann nicht

VerGEWALTigung hieße, sondern einvernehmlicher Sex, zum

Beispiel. Das sei ein Unterschied.

Mein Gegenüber lässt es nicht gelten. Es stört ihn auch, dass

ich mich nicht aufrege über seine Provokation. Ja, ich werde

nicht einmal hysterisch. Ich mache das Spiel kaputt.

Also legt er nach: In Deutschland gebe es ja ohnehin keine

Vergewaltigungen. Das sei ja alles Übertreibung und Panikmache

der Medien.

Aha.

Ich bleibe ruhig.

„Jede dritte Frau in Deutschland hat sexuelle Übergriffe oder

körperliche Gewalt erlebt“, nenne ich ihm die aktuelle Statistik.

Das wisse ich doch garnicht. Das stimme nicht, so die Antwort.

Und ich solle doch mal auf andere Länder sehen. Indien zum

Beispiel. Da wäre es wirklich schlimm mit der Gewalt und den

sexuellen Übergriffen. Davon hätten wir deutschen Frauen doch

keine Ahnung.

Interessiert sehe ich den Mann an. Er fühlt sich schuldig, und

er fühlt sich angegriffen. Wieso eigentlich?

„Ich glaube, dass es einer Frau egal sein kann, ob sie in Indien

oder in Deutschland vergewaltigt wird“, sage ich noch.

Dann gebe ich auf. Ich lasse los.

Mein Gegenüber kehrt immer wieder zwanghaft zum Thema

Frauenparkplatz zurück. Diese Diskriminierung ist ein großes

Problem für ihn. Meine Einwände haben kein Gewicht.

Ich werde auch müde inzwischen, und ich will ins Bett.

Ich stehe auf und verabschiede mich.

Lächelnd fragt mich der hübsche Mann, ob er mich nach Hause

begleiten solle? Es sei doch dunkel, und so gefährlich.

Ich lasse die verbale Handgranate, die mich im Rücken trifft sanft

zu meiner linken Seite am Boden aufkommen. Ebenfalls lächelnd

drehe ich mich noch einmal um und verneine. Ich bedanke mich

für die Bemühung. Und ich bedanke mich für das Gespräch

 



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