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“Warum?“

#aufdersuche

 

Ich höre nur die dumpfen Schritte die unter mir widerhallen. Bei jedem Schritt macht es platsch. Platsch, platsch, platsch. Der Regen tropft mir ins Gesicht, den Nacken hinunter, meinen Rücken entlang. Obwohl sich über meinem ganzen Körper eine Gänsehaut zieht, spüre ich die Kälte nicht. Ich fühle gar nichts. Nicht den kalten Wind, nicht meine Beine die immer schneller rennen, nicht mein taubes Gesicht. Nichts. Ich fühle rein gar nichts. Meine Haare kleben an meinem Gesicht, das Wasser dringt in meine Schuhe, mein Atem geht schneller. Ich weiß nicht wohin ich renne, wonach ich suche, vielleicht einfach nur nach etwas was mich spüren lässt, was mich hoffen lässt, was mich leben lässt. Vielleicht aber auch nur nach Erlösung. Ich renne weiter, blind vor Gefühlen, blind vor Empfindungen, nicht einmal Angst, nicht einmal Wut oder Trauer, noch nicht einmal Leere, einfach nur nichts. War “nichts“ auch ein Gefühl? Ich fühle mich nicht mehr. Meinen Körper nicht, meine Seele nicht. Nur meine Gedanken sind da. Ich renne weiter, vorbei an Häusern und Straßenlaternen, Bäumen und Autos. Warmes Licht flutet auf die Straße. Stumme Münder die Lächeln und Worte formen, die ich nicht hören kann, stehen in den Fensterbögen. Familien. Ich kenne das Gefühl von Familie nicht. Plötzlich taucht ein paar dunkelblauer Augen in meinem Gedächtnis auf, so als würde mein Gehirn sagen wollen, dass es nicht stimmt. Das er meine Familie ist. Oder besser war. Das war der Punkt, er ist nicht mehr da. Jetzt verschleiern Tränen meine Sicht. Fühle ich doch etwas? Mein Herz beginnt zu rasen, ich stolpere, falle hin. Meine Hände berühren den rauen und nassen Stein. Ich schluchzte und rolle mich zusammen. Jetzt fühle ich alles auf einmal. Meine Brust schmerzt so sehr dass ich sie heraus reißen will. Ich war auf der Suche nach dem Falschen. Mein Herz hatte meinem Kopf dieses Bild geschickt. Nur dieses eine und ich hatte gefunden was ich gesucht habe. Gefühle, Schmerz, das Gefühl nach irgendetwas. Doch jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob ich auf der Suche nach dem Richtigen war. Diese Gefühle waren so viel schlimmer als nichts. Ich öffne die Augen und blicke hinauf den immer strömenden Regen. “Warum?“, wisperte ich. “Warum?“, schreie ich in die Nacht hinaus und mir wird klar, dass ich die ganze Zeit auf der Suche nach einer Antwort war. 



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