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Das Kind in dir...

Vom Nicht-suchen und trotzdem finden.

 

Die Meisten fragen sich ob man als Solo-Reisende nicht oft allein ist und wie man damit umgeht. Viele haben Angst davor und trauen sich nicht, diesen Schritt zu wagen denn sie denken, dass sie allein vielleicht eher in schwierige Situationen geraten, oft niemanden haben mit dem sie reden können oder niemanden haben, um schöne Momente zu teilen und zu erleben. Diese Angst hat eigentlich nicht mal eine Daseins-Berechtigung denn man begegnet unterwegs unendlich vielen wundervollen Menschen die genauso ticken wie man selbst. Das wird jeder Solo-Reisende bestätigen. Dass es so einfach ist, hätte ich zu Anfang selbst niemals geglaubt aber es ist tatsächlich so wenn man sich denn nicht extrem bescheuert anstellt. Selbst dann...oft reicht ein Lächeln, eine Frage nach einer Unterkunfts- oder Restaurant-Empfehlung oder man fragt in einem überfüllten Café einfach, ob der Platz am Tisch noch frei ist. In Hostels ergeben sich automatisch Gespräche, viele reisen allein und suchen genau wie man selbst nach Gesellschaft. Auch wenn man schüchtern ist ergeben sich zauberhafte Momente von ganz allein und hat man sich in der einen Sekunde noch gefragt, mit wem man nun abends durch die Bars ziehen kann, ergibt sich beim Kochkurs, der Tempelbesichtigung oder beim recherchieren in der Chillout-Ecke des Hostels auch schon die erste Gelegenheit jemanden etwas zu fragen oder findet sich gleich inmitten einer lustigen Runde bei einem Bierchen wieder.

Es gibt aber Momente, gerade wenn man länger reist, da ist man gar nicht mehr so sehr darauf bedacht, mit jedem X-beliebigen Menschen Zeit zu verbringen. Man realisiert, dass man auch allein sehr gut klar kommt, die Zeit allein sogar genießen kann, ja regelrecht feiern kann. Besonders dann, wenn der Tatendrang nachlässt, der Kopf ruhiger wird, man Dinge von Hause hinter sich gelassen hat, wenn man endlich ankommt im "Hier und Jetzt" und mit sich und der Welt Frieden schließt. Dann merkt man, dass man sogar Freude daran hat, absolut frei und ungebunden allein loszuziehen und die Gegend  zu erkunden. Ohne sich dauernd nach anderen richten zu müssen. Man hält an wo man will, muss auf nichts und niemanden warten, hat vielleicht auch gar keinen Plan und kein Ziel und lässt sich einfach treiben.

So trifft man früher oder später auf sich selbst. Und vor Allem auf die Person, die man nun selbst erschaffen hat, die man sein will und sein kann, auf die man stolz ist, die eine unglaubliche Eigenständigkeit entwickelt hat, an der man neue Eigenschaften, Stärken und Schwächen entdeckt. Man schaut zurück auf Zeiten, in denen man sich nicht vorstellen konnte, dies alles zu tun, so zu sein wie man vielleicht schon immer gern gewesen wäre. Man sieht seine eigene Entwicklung, man sieht Wachstum, welche Situationen und Menschen einen dazu gebracht haben zu lernen. Meistert man eine gewisse Zeit allein "on the road", kommt man nicht umher als sich irgendwann mit sich selbst zu beschäftigen und auseinander zu setzen. Aber anders als "zu Hause" ist man meistens beeindruckt von seiner eigenen Leistung, sieht und findet weitaus mehr positive Entwicklungen als Negative. 

Und vielleicht findet man auch ein wenig das Kind in sich selbst wieder. Ein Kind, das staunt, entdeckt, plötzlich vorurteilslos auf andere zugeht. Das darauf pfeift, welcher Trend gerade "in" ist, sondern das neue bunte Shirt und all den schönen Hippie-Klimbim vom letzten Nachtmarkt trägt weil es einem ehrlich gefällt. Das Kind, das wissbegierig Neues lernt, sich wagemutig in das nächste Abenteuer "morgen" stürzt, das ohne nachzudenken tanzt als wenn es kein Morgen gibt - egal wie es aussieht und auf Konventionen pfeift. Das Lieder summt und grinst und Fragen stellt vor Wissbegier. Das Kind, das die Natur wieder lieben lernt und ehrfürchtig vor dem nächsten Wasserfall steht, sprachlos und beindruckt von so viel Schönheit. Das Kind, das sich vor Glück taumelnd vergnügt in die Fluten stürzt weil es das Meer so lange nicht gesehen hat. Das Kind, das von Klippen springt und sich nicht darum kümmert, was passieren könnte, sondern das den Moment genießt und lebt und Anlauf nimmt - und vor Freude gackernd springt. Das Kind, das Mahlzeiten mit jedem teilt, der neugierig oder gar hungrig herüberlinst. Das Kind, das endlich wieder die Wunder vor seiner Nase erkennt. Das Kind, das sagt "Schön dich zu sehen alte Schachtel - komm ich zeig dir was" und dich an die Hand nimmt und losrennt...



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