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Ich bin Paula, Generation Z, Schreibenthuisastin, theaterverrückt, tanzbegeistert und verliebt in die Musik und die Worte.


paulameister

Von Sprints und der Ode an den Schlummermodus

Das erste aufkommende Hochgefühl des Tages stellt sich ein, als ich endlich mit meinen Fingern den Touchscreen erreiche und aus dem ohrenbetäubendem vibrierendem Ungetüm wieder einen internetfähigen Klotz machen kann. Eine Ode an den Schlummermodus!

Nach und nach öffne ich meine Augen, ganz langsam, nur damit sie im nächsten Moment wieder zufallen. Langsam drifte ich wieder ab in die Nebelschwaden meiner Traumwelten und ich genieße den Moment kurz vor dem heraneilenden Schlaf...

 

Das Gefühl von heraneilendem Schlaf

Meine Hand wandert ganz langsam nach links zu meinem Nachttisch. Nur nicht zu weit den Arm unter der warmen Decke hervorstrecken. Das erste aufkommende Hochgefühl des Tages stellt sich ein, als ich endlich mit meinen Fingern den Touchscreen erreiche und aus dem ohrenbetäubendem vibrierendem Ungetüm wieder einen internetfähigen Klotz machen kann. Eine Ode an den Schlummermodus!
Nach und nach öffne ich meine Augen, ganz langsam, nur um sie im nächsten Moment wieder zufallen zu lassen. Langsam drifte ich wieder ab in die Nebelschwaden meiner Traumwelten und ich genieße den Moment kurz vor dem heraneilendem Schlaf.
Dann höre ich ein Geräusch was so gar nicht in meine watteweiche Traumwelt passt. In meinem Türrahmen steht eine große Person, schlägt mit den Armen um sich und schaut mit weit aufgerissenen Augen auf die Uhr am Handgelenk. Ich muss schmunzeln, was mein Hirn in der Präschlafphase so produziert. Als ich realisiere, dass dort im Türrahmen mein Vater steht und mir erklärt, dass ich schon wieder verschlafen habe, ist von meinem melancholisch angehauchtem Morgengefühl nicht mal mehr ein Bruchteil übrig. Jetzt sind meine Beine schneller aus dem Bett und im Bad als mein Oberkörper und Kopf, welcher sich gegen die ruckartigen Bewegungen noch wehement sträubt. Beim Blick in den Spiegel stellt sich herau, dass hier sowieso nicht mehr viel hilft und so werfe ich mir nur schnell meine Klamotten über um mich danch noch mindestens viermal umzuentscheiden. Als Frühstück stecke ich mir in meine linke Jackentasche einen Apfel und in die rechte drei Mandarinen. Nachdem ich mir noch beim hinunterkippen meines Tees den rachen verbrannt habe bin ich bereit zum losfahren. Für den Weg habe ich 7 Minuten Zeit. Zu bewältigen ist er aber höchstens in 10. Dabei spreche ich aus jahrelanger Erfahrung, aber ich lasse mich nicht davon entmutigen sondern nehme mir vor heute meine Rekordzeit im Zur- Schule- Rasen zu knacken. Mein Fahrrad fliegt praktisch über den Asphalt und ich sehe wie jeden Morgen dieselben Menschen. Da gibt es den Mann mit dem eingefallenen Gesicht, der jeden Morgen auf der Bank neben der Wiese an der ich vorbeifahre Zeitung liest. Dann ist da die Kneipe, wo jeden Morgen drei ältere Herren am Tisch sitzen. Die Mutter mit den zwei kleinen Kindern an der Hand wirkt wie jeden morgen sehr gestresst, während das Ältere der Beiden munter plappert. Heute schnappe ich die Wortfetzten von "Projektwoche", "Wir basteln heute in Kunst" und "ich glaube ich habe meine Sporttasche vergessen". Vor dem Schultor muss ich noch den Räucherofen durchqueren, das ist der Ort an denen all die Raucher stehen und mich mit Geruch nach Angebrannten einparfümieren. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich noch 2 Minuten habe. Da ich mittlerweile wahrscheinlich an Weltmeisterschaften in Fahrrad- schnell- anschließen teilnehmen könnte bleiben mir fast die vollen 2 Minuten für den letzten, alles entscheidenten Sprint. 43 Stufen später stehe ich im Raum, keuche meinen Freunden ein "Hallo" zu und lasse mich auf den Stuhl fallen. Es klingelt und ich fühle mich so als hätte ich gerade als erster Mensch der Welt den Mars betreten.
Nachdem ich mich aklimatisiert habe beginnt der Schulalltag vor sich hin zu stolpern. Die Schule ist für mich wie eine mysteriöse Zeitmaschine. Manche Stunden vergehen so schnell, dass man sich fühlt als hätte man einen Sprung in die Zukunft gemacht. Doch auch 10 Minuten können manchmal auf 10 Stunden gedehnt werden und damit wäre klar bewisen, dass die Schule keine Bildungsanstalt ist, sondern eine geheime Verschwörung eines Wissenschaftlers welcher mit der Zeit experimentiert.  Oder so.

Im Grunde passiert in der Zeit von 7.30 bis 15 Uhr, während ich in der Schule hocke nie etwas Besonders oder Bewegendes. Es gibt Menschen die ich gerne sehe und Menschen denen ich möglichst aus dem Weg gehe oder mich verstecke, weil ich seit mehreren Wochen eine Arbeit bei ihnen nachschreiben müsste. Die Neuigkeiten sind eigentlich auch immer dieselben und lassen sich mit: Die Schulklos in der zweiten Etage sind wegen Vandalismus bis auf weiteres gesperrt, A bricht die Schule ab, B und C sind nicht mehr zusammen weil B was mit D hatte und F überlegt die Schule abzubrechen. Außerdem haben sich G und H gestritten und I hat sich auf der Party am Wochendende so sehr übergeben, dass I jetzt mindestens 5 Kilo weniger wiegt. Da fällt mir ein: Ist euch schon aufgefallen wie dünn J geworden ist?
Nachdem einem in der Mensa die Optionen Pappnudeln mit Wasersoße und rotem Farbenzym oder Klumpen mit Kartoffeln und irgendwas Bräunlichem zur Auswahl stehen und man sich für das kleinere Übel entscheidet (tatsächlich sind es nicht die Pappnudeln) neigt sich der Schultag langsam dem Ende zu.
Als ich nach Hause komme beginne ich mich erst einmal aus Prinzip aufzuregen. Über das Lernen, den Stress, die Zwänge, das Leben und die Liebe. Beim Blick nach draußen bekomme ich Fernweh. Eigentlich habe ich immer Fernweh.
Wenn man mich fragt: Wo ist deine Heimat? würde ich wahrscheinlich zuerst meinen Wohnort nennen, aber wenn man mehr darübernachdenkt, dann ist meine Heimat kein fester Ort, sondern der Mensch, die Stadt, das Land wo ich mich hinsehne.
Zu Hause leide ich ständig unter Fernweh und in der Ferne, da sehne ich mich manchmal nach Hause zurück. Es ist paradox, aber wahrscheinlich werden Menschen wie ich niemals wirklich irgendwo ankommen. Denn die Heimat liegt für uns in allem. In den Armen eines Freundes, im Tanzstudio, auf der Bühne oder auch im Haus von Oma und Opa. Heimat ist überall und gleichzeitig auch nirgendwo.

Am Nachmittag gehe ich zu meinen Freizeitaktivitäten und gebe dort alles. Ich weine bei der Theaterprobe, schlage mir das Knie blau beim Tanzen oder verbrauche sämtliche Luft beim Klarinettespielen. Mit meinen Eltern liefere ich mir die Täglichen Grundsatzdiskussionen über Ordnung, Strukturierung, Zukunftsplänen aber auch über die Spülmaschine und den Staubsauger.

Derweile trudeln auf meinem Smartphone die täglichen Nachrichten ein. Die Fragen nach den Hausaufgaben, die zwei Typen die immer noch nicht locker lassen können und die Beste Freundin die 4 Minuten Audios schickt und von ihren Problemen in der Liebe zu erzählen. In den sozialen Netzwerken kreieren die Menschen um mich herum weiter ihre Vorstellung von sich selbst und die eigene Meinung zu allem was am heutigen Tag passiert wird die Meinung per Tweet abgesetzt.

Im Fernsehen laufen die immergleichen Nachrichten von Menschen die böses tun und Menschen die Gutes tun, von Kriegen, von Größenwahn, dem Kampf um die Ideale und alles abgeschmeckt mit einem Hauch Dschungelcamp und GNTM. 

Nach dem Essen, verfalle ich ins Lernen, ins Schulzeug und später todmüde in mein Bett.

Wenn ich dann an die Decke blicke und in die Dunkelheit um mich starre, dann frage ich mich, was mit meinem Leben ist. Das Ende der Schule rückt immer weiter aus der Gegenwart an die Zukunft heran und ich weiß, dass sich damit, zum ersten Mal seit ich denken kann, mein Alltag verändern wird. Dann bin ich frei. Dann kann ich endlich losziehen. Dann kann ich leben.

Noch 478 Tage, dann ist es vorbei. Dann beginnt ein neuer Alltag. Eine neue Zeit. Aber bis dahin heißt es Schlummermodus und Sprinten. Mit kreiselnden Gedanken in meinem Kopf schlafe ich ein und ziehe in das Land der Träume, wo sich all meine Wünsche erfüllen, ich jeden Tag unglaublich lecker Essen kann, nur Dinge mache die ich liebe und mehr verreise als es Tage im Jahr gibt. In meinen Träumen kann ich dem Alltag entfliehen- jedenfalls solange bis der Wecker klingelt. #24hDeutschland



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