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Begegnungen - Romane

Menschen sind eigentlich Lektüre.

Es gibt sie in den verschiedensten Größen und Formen.

 

Menschen sind eigentlich Lektüre. 

Es gibt sie in den verschiedensten Größen und Formen.

Einige von ihnen sind in unserem Leben klein und unbedeutend, wie eine Zeitschrift auf dem Tischchen des Wartezimmers beim Arzt. Man blättert sie kurz durch und überfliegt den Inhalt, ohne sich wirklich bewusst darüber zu werden, was man da gerade gelesen hat.

Diese Art von Zeitschriften wäre bei uns Menschen wohl gleichzusetzen mit jenen, die uns auf dem Weg zur Arbeit oder zum Supermarkt entgegenkommen. Man sieht sie kurz an, vielleicht fällt uns auch eine Kleinigkeit an ihnen auf, aber wenn sie vorbeigehen, sind sie in unseren Köpfen auch schon wieder verschwunden.

Dann wären da noch etwas vollere, vielleicht auch sogar ganz schön verpackte Kurzgeschichten, denen wir begegnen. Menschen, mit denen wir uns für einen Teil unseres Lebens beschäftigen und dann, nach einem unausgesprochenen Ablaufdatum, wieder wegstellen. Dies können Schulfreunde, Bekannte oder Kollegen sein.

Aber was ist mit den Menschen, die unser ganzes Leben füllen?
Die unsere außergewöhnlichsten Empfindungen auslösen und uns stetig begleiten? Sind sie nicht zu vergleichen mit einem fesselnden Roman, mal wunderschön, mal witzig und mal traurig, ein stetiger Begleiter, den wir einfach nie zur Seite legen können, weil es süchtig macht, sich in ihnen zu verlieren und wir uns ohne sie nicht vollkommen fühlen? Jene, die wir auch nach dem Lesen einfach nicht vergessen können, weil sie es waren, die uns erst zu dem gemacht haben, was wir jetzt sind?

Ja, sie sind Romane. Du bist ein Roman. Mein Roman.



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