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Hallo zusammen, hello to everyone :) Hier sind ein paar Gedanken meinerseits zum Thema Toleranz. 


Marlene

Ein Ade an die Toleranz 

Copyright: Marlene Bokelmann 

„I have a dream“ – sind Martin Luther Kings Worte wirklich wahr geworden?

 

Bild aufgenommen in Belgien, bei einem Konzert (Estivale 2014).

1

Wenn ein Mann ohnmächtig wird in einer Bankfiliale, neben dem Geldautomaten, dort zusammenbricht

Der erste Mensch reaktionslos an ihm vorbeigeht

Der zweite Mensch reaktionslos an ihm vorbeigeht

Und der nächste, der nächste, der nächste

Der Sechste setzt den Notruf ab – der Mann stirbt – hätte noch gerettet werden können, hätte der Erste das getan, was erst der Sechste tat

Wenn das so ist und an dieser Stelle steht kein „falls“, sondern ein „wenn“, dann gerate ich ins Grübeln: Hätte gerettet werden können: „Hätte“– dieser verdammte Konjunktiv – der ist doch nicht real – der ist doch fiktiv. Bezieht sich zumindest auf Fiktives.

Von diesem Konjunktiv können sich die Angehörigen des Mannes auch nichts kaufen

Warum zur Hölle sollten sich die Angehörigen etwas kaufen wollen? Wollen sie nicht vielmehr ihren Lieben zurück? Ohne Materielles glücklich sein.

Wo bleibt der Blick für den Anderen, wo bleibt die Toleranz von Schwächen? Wo ist die Empathie, wo die Stütze, die Hilfe?


2

„Ich bin ja kein Rassist, ABER“, höre ich den Jungen zu seinem Kumpel in der U-Bahn sagen. Und ich brauche den Rest nicht zu hören, denn ich weiß, was das „ABER“ macht, nämlich das Vorangegangene zunichte. Das ist wie: „Ich will dich ja zu nichts zwingen, ABER“ oder „Ich will dir ja nichts Böses, ABER.“

Also doch, verdammt noch mal, du bist ein Rassist, wenn du so etwas sagst.

Wo bleibt der Blick für den Anderen? Und dabei meine ich nicht den abschätzigen, sondern den respektvollen. Wo ist die Akzeptanz, wo die Toleranz für eine fremde Kultur?


3

Du bist der, der vor allem Anderen, vor allen Anderen da war

Du erweckst meine Kreativität aus dem Tiefschlaf

Und zeigst mir, dass jemand nur den richtigen Ton treffen muss, um sie auferstehen zu lassen aus den Tiefen meines Bewusstseins

Du bist die Zaubermelodie für mein Inneres

Bist die Lieblingslieddauerschleife, die mich in den Schlaf wiegt, wenn die Dunkelheit beginnt

Und Energie durch meine Adern schießen lässt, wenn es darauf ankommt


3.1

Ich solle dich nicht verlassen, hast du mich angefleht

Nachdem du mich vorher massiv kritisiert hast für meine Art. Für das, was mich ausmacht.

Und jetzt machst du keinen Schritt auf mich zu, ich nehme den ganzen Weg in Kauf.

Etwas muss sich verändern und diese Veränderung kann nicht alleine von mir ausgehen.

Wo bleibt der Blick für den Anderen? Den, der alleine dasteht, in der PARTNERSCHAFT. Paradox und doch keine Parallelwelt, sondern vielmehr Realität. Wo ist die Empathie, wo die Stütze, die Toleranz für die Andersartigkeit des Partners?


Lasst uns hinschauen, anstatt wegzusehen, ob es nun um einen Fremden, einen Bekannten oder den eigenen Partner geht. Lasst uns nicht nur leise denken, sondern uns trauen, auch laut etwas zu sagen und unseren Handlungen eine so hohe Lautstärke verleihen, dass sie dem Sound vom puren Bass in einem Lied entspricht.

Lasst uns richtig Radau machen, Radau um ALLES, denn alles ist wichtig. Jeder ist wichtig.

Unabhängig davon, welche Hautfarbe er hat, aus welchem Land er stammt, welche Sprache er spricht, vielleicht spricht er auch gar nicht. Vielleicht hat er keine Lust zu sprechen, vielleicht ist er aber auch stumm, das ist nicht das Entscheidende.

JEDER ist wichtig und JEDEM sollte Respekt und Wertschätzung entgegengebracht werden. Ausnahmslos. Nicht einem exklusiv, sondern allen selbstverständlich und bedingungslos. 



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