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Je-m'en-foutiste, living and writing in Cologne, Germany.


Suffimoiselle

Häuser aus Zuckerwürfel

Denn in der Stille ruht das Genie

Wieviele Farben braucht es, um Stille hören zu können?
Wieviele Geräusche bedarf es, um das Unsichtbare zu zeigen? 

Die Antwort: Grau und manchmal auch Schwarz-Weiß.

 

Making-Of einer Sequenz eines Films von Hans Op de Beeck, der während des Besuchs von "The Silent Castle" zu sehen ist.

Hans Op de Beeck ist ein bildender Künstler, der in Brüssel lebt und arbeitet. Das Museum Morsbroich fertigte, in Kooperation mit dem Künstler selbst, eine Retrospektive seines Schaffenswerks der letzten zwölf Jahre, die noch bis einschließlich 30.April 2017 im Leverkusener Schloss bestaunt werden kann.

Mit dem Einsatz verschiedenster Materialen und einer monochromen Farbwahl gelingt es dem Künstler, die für uns schwierig in Worte zu fassende Melancholie in mehreren Dimensionen auf den Kopf zu treffen.

Häuser aus Zuckerwürfel, die durch einen Kaffeeregen einzustürzen drohen, Marionetten, die sich zufällig in einem Park begegnen und so gemeinsam alt werden, bis ihnen die Zeit davon läuft. Das Medium Film nutzt Op de Beeck auf eine faszinierende Art und Weise, die den Betrachter dazu animiert, die Welt mit anderen Augen zu sehen, aber auch gleichzeitig, sich mit der eigenen Innenwelt auseinander zu setzen und in alten Erinnerungen zu schwelgen.


In Beton gegossene Kinder, von denen eines mit einer zwischen seinen Händen befindlichen Schnur spielt, ein schwarzer Teich mit steinernen Seerosen, in dem kein Wasser steht. Neben den ungewöhnlichen und mit Liebe zum Detail gestalteten melancholischen Filmen, erwartet den Besucher eine Vielzahl an skulptural anmutenden Installationen, welche durch ihre monochrome Komposition in ihrer eigenen Schönheit betont werden, aber u.a. auch eine Dystopie verstärkt zum Ausdruck bringen.

"The Silent Castle" als metaphorisch angehauchte Verbindung von Op de Beecks Kunst des stillen Genies und dem Schloss, in dem das Museum Morsbroich beheimatet ist, sorgt für eine ästhetische Interaktion von Architektur, des Künstlers Œuvre und dem Betrachter.


Wer sich in seinen absurden Tagträumen verlieren will und in den Installationen Op de Beecks versinken möchte, ist damit gut beraten, den Weg zum Museum Morsbroich in Leverkusen auf sich zu nehmen. 

Bei einem Kaffee in der Sonne im Schlossgarten lässt sich die soeben besuchte Ausstellung auch gleich viel besser Revue passieren.



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