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Den Unterschied machten die Menschen 

Als ich das erste Mal über Nacht in einem Krankenhaus bleiben musste war ich bereits sechzehn.

#aufdersuche

 

Als ich das erste Mal über Nacht in einem Krankenhaus bleiben musste war ich bereits sechzehn.

Die Wände der kinderstation hatten eine merkwürdig gelbe Farbe, mit Akzenten die wohl grün sein sollten. Als wenn jemand versucht hätte die Zimmer so fröhlich wie möglich zu gestalten. Nur leider machte der gute Wille den Anblick nicht weniger unangenehm.

Ich weiß noch wie ich den Kopf schief legte, auf dem Krankenhausbett sitzend, um einen Namen für diese eigenartige Farbe zu finden.

Ich gab schon immer gerne Namen, eine Trotz Reaktion, wurde mir einmal gesagt.

Und trotzig war ich.

Nach meinem Wissen kann man keinem früh reifen Halbstarken so einfach den Stempel "Kind" aufdrücken ohne auf eine erhebliche Gegenwert zu stoßen.

Eine Woche lang hatte man mich damals dort behalten, gegen meinen Willen, wie ich nicht müde wurde zu betonen.

Sechs Jahre später fand ich mich erneut in einem merkwürdig gelben Zimmer wieder, drei Krankenhausbetten großzügig im Raum verteilt.

Pastellfarben sollten wahrscheinlich eine beruhigende Wirkung auf die Patienten haben und es war geradezu faszinierend wie entgegengesetzt meine Meinung dazu war.

Wie nicht anders zu erwarten fanden sich die gewohnten "fast grün" Töne in den Aufenthaltsräume wieder und die Flure hatten etwas grau-violettes, wie ich erfreut feststellen konnte. So als hätte man sehr wenig Blaubeersaft in viel Sahne gerührt. Irgendwie dreckig.

Anscheinend gab es mehrere Überschneidungen zwischen Kinderstationen und psychiatrischen Einrichtungen.

Den Unterschied machten die Menschen. 

Ich war zweiundzwanzig und somit eine der Jüngsten auf der Station. Niemand beschwerte sich lautstark über die neue Freundin des Verflossenen, kein lachen am Ende des Flurs.

Viele ältere Menschen bahnten sich langsam einen weg durch die Räume,auf der Suche nach einer Beschäftigung oder etwas Ruhe.

Seit ich als Krisenfall eingewiesen wurde gab es keine Tageszeit, an der nicht mindestens zwei ältere Damen am Empfangstresen standen und fragten ob Besuch für Sie eingetragen sei.

Nach einiger Zeit überkam mich Kurzweilig das Verlangen zu singen um das drückend schweigen zu füllen.

Doch letztendlich habe ich den ganzen Tag über kaum ein Wort gesprochen.

Meine Bettnachbarin lächelte mir aufmuntern zu, doch ich konnte einfach nichts finden das sagenswert gewesen wäre.

Und wenn ich ehrlich war, hatte ich auch nicht wirklich gesucht. 



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