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yannik

Jura in Berlin - Nicht so arm, aber vermutlich auch nicht so sexy 

Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin, Art. 22 Abs. 1 S. 1 GG - Eigentlich die perfekte Stadt um Jura zu studieren, oder? #24hDeutschland

 

Blick von vor der juristischen Fakultät über das DHM auf den Fernsehturm.

Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin, Art. 22 Abs. 1 S. 1 GG.Dabei ist wahrscheinlich gerade Berlin die “undeutscheste” Stadt in Deutschland. Das inoffizielle Motto Berlins ist “Arm, aber sexy”, welches vermutlich gerade das Gegenteil von der verbreiteten Meinung über Jura, dass es elitär und trocken sei, ist.

Doch gerade in Berlin ist Jura nicht so “konservativ” wie man es vielleicht aus den Hochburgen München und Heidelberg kennt. Auch in der juristischen Fakultät sind vermehrt die typischen Hipster, bzw neudeutsch Gentrifizierer, anzutreffen, die aus den hippen Gegenden X-Berg und Neukölln ihren Weg Unter die Linden finden. Den männlichen (auch wenn man sie nicht in lediglich männlich und weiblich unterteilen darf) Teil dieser Menschen erkennt man am dünnen Oberlippenbart, dem Second-Hand-Pulli und der Hornbrille. Den weiblichen Gegenpart zeichnen vor allem die weiten Klamotten im Boyfriend-Stil und das eng anliegende Choker-Halsband aus. Das ist die Krankheit unter Neu-/Wahl-Berlinern: Jeder hat den Drang individuell und anders zu sein, wodurch am Ende wieder alle gleich sind.

Bei Jurastudenten jedoch ist der Lebensmittelpunkt unabhängig von der Stadt sowieso meistens die Bibliothek. Insbesondere im Winter ist es besonders trist, da es sowohl beim Gang in die, sowie beim Verlassen der Bibliothek draußen noch dunkel ist. Dadurch wird dann zumindest die Gefahr eines Wintersonnenbrands minimiert.

Verständnis dafür gibt es höchstens von den Kommilitonen. Von nicht-juristischen Freunden gibt es hingegen immer dieselben Klischees, bzw fast schon Ressentiments, gegenüber Juristen. Wir seien abgehoben, extravagant und eigensinnig. Dabei müssten wir für unser Studium ja lediglich Gesetze und Streitstände auswendig lernen.

Dabei sitzt meist gerade der letzte Punkt besonders tief. Die Anstrengung und die Komplexität des juraspezifischen Lernens werden meist unterschätzt.

Selbstdisziplin ist ein nicht zu unterschätzender Faktor im Jurastudium. Viele scheitern einfach, weil sie nicht mit dem eigenständigen Lernen klar kommen. Zusätzlich macht die Abwesenheit der Anwesenheitspflicht in Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften das allmorgendliche Aufstehen besonders mühsam.

Wenn man es dann tatsächlich mal in die Universität geschafft hat, vermittelt einem bereits die Atmosphäre in der Bibliothek die eigene Unwissenheit.

Dies beginnt schon bei der Ausstattung. Man sitzt dicht gereiht an langen Tischen mit harter Holzverkleidung, sodass jeder nicht nur sprichwörtlich ein Brett vor dem Kopf hat.

Hinzu kommt, dass gefühlt jeden Tag die selben Leute in denselben Räumen sitzen und egal, wie lange man bleibt, sie sitzen länger da. Dadurch bekommt jeder das Gefühl zu wenig zu tun, da alle anderen ja ständig da sind und gefühlt mehr machen als man selbst und man in einem solch konkurrenzbehafteten Studiengang ja auf keinen Fall weniger tun darf als alle anderen. In Wahrheit scrollt aber jeder achtzig Prozent der Zeit durch Facebook, Instagram & Co und sehnt sich nach dem Leben seiner nicht-juristischen Freunde, die es schon geschafft haben die neue Staffel der Lieblingsserie drei Monate früher durchzuschauen und ihre Abende in Studentenbars anstatt über Büchern verbringen.

Einzig die Hoffnung später den Traumberuf aus der Kindheit auszuüben, dient als Motivation, das Ganze am nächsten Tag erneut durchzustehen.



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