published in 'CHIAROSCURO' on Juptr.io

0
0

Je-m'en-foutiste, living and writing in Cologne, Germany.


Suffimoiselle

CRUDE EXPRESSIONISM

HOLMEAD in der Von der Heydt Kunsthalle in Wuppertal-Barmen.

 

HOLMEAD, Drei Mädchen, 1971, Sammlung Joseph Hierling.

Wenige und breite, mit einem Spachtel auf die Leinwand gebrachte Spachtelstriche - HOLMEAD entwickelte in seinem Spätwerk ab 1966 einen ganz eigenen und unkonventionellen Stil, mit dem er die Persönlichkeiten seiner Portraits in Szene setzte.

Kurios und faszinierend zugleich, wirken die Gesichter der Portraitierten mit kleinen Augen und ebenfalls winzigen Nasen, dafür aber teilweise sehr breit anmutenden Köpfen, die der Maler schuf.

Crude Expressionism, so lautet die vom Künstler selbst lancierte Bezeichnung für seine aussagekräftigen Portraitmalereien. Dabei geht er immer auf die individuellen Charakterzüge der jeweils abgebildeten Personen ins Detail ein, wodurch wirkliche Individuen zu erkennen sind, die sich durch die groteske Darstellungsweise von der Masse abheben.

 

Portraitfotografie des Künstlers Clifford Holmead Phillips.

Clifford Holmead Phillips, 1889 in Pennsylvania, war ein wandernder und nicht lange rastender Künstler. So wechselte er immer wieder zwischen den Standorten seiner Tätigkeiten von Pennsylvania bis nach Europa. 

In den Jahren der 1920er und 1940er sollte er immer wieder vor dem Beginn seines großen Durchbruchs stehen, allerdings wurde dieser durch den Einmarsch deutscher Truppen 1940 verhindert, weshalb der Maler sich dazu entschied, vorzeitig in seine Heimat zurück zu kehren, bis er sich schließlich 1956 dazu durchringen konnte, in Brüssel zu bleiben und dort niederzulassen.

Dort entwickelt er das in der Retrospektive in der Von der Heydt Kunsthalle in Wuppertal-Barmen zu sehende Shorthand-Painting.

"

HOLMEAD kreiert mit seinen Gemälden melancholische und groteske Figuren, die das Menschliche in den Personen hervorkehren soll, allen voran die Imperfektion.

Der pastuöse und breit gezogene Duktus, die ineinander verschwimmenden Farben und die teilweise, sich aufhebenden Grenzen der naturalistischen Darstellung von Proportionen - HOLMEAD kreiert mit seinen Gemälden melancholische und groteske Figuren, die das Menschliche in den Personen hervorkehren soll, allen voran deren Imperfektion.

Die Schattenseiten von seinen abgebildeten Köpfen werden auf eine träumerische, nahezu fabelhafte Art und Weise inszeniert, sodass der Betrachter sich minutenlang in einzelnen Bilder gefangen fühlen lassen darf. Und zwar mit immer wieder neuen Erkenntnissen über die etwaige Persönlichkeit der portraitierten Person.

 

HOLMEAD, Colette, 1970.

Wer diese außergewöhnliche Gattung und wenig bekannte Malweise des Crude Expressionism einmal selbst auf sich wirken lassen möchte, der kann noch bis einschließlich dem 07.05.2017 die Retrospektive des Künstlers in Wuppertal-Barmen besichtigen. An manchen Tagen inkludiert das Ticket sogar eine kostenlose Führung.



Published in: