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schmetterlingsmomente

Das Zeit-Konzept-Netz

Ich verschwende meine Zeit....
Komm schon, lass uns alles hinschmeißen...
Zeit ist doch nur ein Konzept...

 

Zeit ist doch nur ein Konzept. Also lass uns alles hinschmeißen,
um dann einmal um die Welt zu Reisen.


Ich verschwende meine Zeit.
Mit Dingen und Menschen, die nicht wichtig sind,
die ich eigentlich nicht mal wirklich mag.
Vielleicht sollte ich manchmal mehr an mich denken,
meine Zeit für mich selbst verwenden,
anstatt sie für andere zu verschwenden.
Aber geht das überhaupt?
Zeit ist doch nur ein Konzept.
Ein Konzept, das alles bestimmt.
Der Rhythmus, in dem die Melodie des Lebens erst so richtig klingt.
Ich könnte so schöne Melodien schreiben,
Sie zusammenklingen lassen,
wenn das nicht der Rhythmus wär, der alles durcheinander bringt.
Wenn da nicht die Zeit wär, die mir durch die Finger rinnt.
Ich könnte so viel mehr sagen,
so viel mehr wagen.
So viel mehr machen,
so viel mehr lachen,
so viel mehr tun
und wahrscheinlich auch so viel mehr ruhn.

Ich stell mich auf die Zehenspitzen,
drehe am Zeiger, bleibe nicht sitzen.
Nur ein paar Stunden mehr.
Nur ein Tag die Woche.
Aber ja, ich hab den Braten schon gerochen.
Auch ein paar Stunden mehr am Tag würden nicht reichen.
Ich könnte trotzdem nicht all das erreichen,
was ich wirklich ändern und bewegen will.
Ich könnte trotzdem nicht all die Melodien klingen lassen,
die sich in meinem Kopf nicht ordnen lassen, die nicht rasten.
Denn auch dann wird es am Rhythmus scheitern,
auch dann wird das Konzept dazwischenfunken und nur den wichtigsten Melodien zuhören.

Ich verschwende meine Zeit.
Auch wenn ich weiß, ich könnt sie ja so viel sinnvoller nutzen.
Ich könnte soziale Bindungen pflegen, statt sie zu stutzen,
Ich könnte lernen statt meine Reime zu schreiben,
denn wie bringt mich das im Leben mal weiter?
Und nein,
ich will nicht sagen, dass das Dichten meine Zeit verschwendet,
denn dann wäre eine meiner liebsten Leidenschaften verendet.
Verkümmert und vertrocknet wie eine vergessene Blume.
Doch ich will blühen und mich weit entfalten ohne vor dem Konzept zu fliehen.

Vielleicht sollte ich beginnen Prioritäten zu setzen,
oder das Zeit Konzept anzufechten.
Doch beides erscheint mir nicht sehr leicht
Und es ist egal, ob ich’s erreich,
denn schlussendlich kann ich nur verlieren.
Was wäre denn das Leben ohne Zeit?
Eine Melodie ohne Rhythmus?
Unvorstellbar.
Und egal, auf was ich Wert lege oder meine Priorität setze,
irgendwas bleibt auf der Strecke,
irgendwas geht sicher unter.
Also lebe ich einfach weiter so drauf los, ungeplant und munter.
Dann verschwende ich lieber meine Zeit,
als dass ich mich für was entscheid,
das ich dann doch nicht machen will.
Denn eigentlich ist das doch wirklich schlimm.
Wenn man Prioritäten nicht nach Leidenschaften, sondern nach Nutzen setzt.
Dann wirst du gefangen im Konzept Zeit Netz
Und sicher nicht mehr so schnell befreit,
wenn dich die ganze Zeit lähmend fesselt.
Also lasse ich das lieber mit den Prioritäten.
Dann dichte ich weiter,
das ist meiner Meinung nach sowieso viel gescheiter,
als sich jetzt schon mit der Zukunft zu befassen
und die Zeit durch deine Finger rinnen zu lassen.

Komm schon.
Lass uns alles hinschmeißen
Und dann einmal um die Welt reisen.
Ich möchte jedes Land einmal sehen
Und am liebsten jede Sprache verstehen.
Kommst du mit?
Zusammen können wir unsere Superheldenkräfte testen,
über den Wolken fliegen, oder einfach nur den aller aller letzten
Bus nach Hause nehmen.
Und davor, die ganze Nacht durchtanzen.
Denn wir sollten nicht zurückzucken vor den Lanzen,
mit denen uns das Leben bedroht.
Und erst recht nicht vor dem Zeit-Konzept-Netz.
Wir schreiben unsere Melodien und malen sie an.
Ohne Rhythmus und ohne schwarz gehen wir da ran,
denn Schwarz ist in Bildern langweilig
und Melodien, die einem Rhythmus gehorchen eher zweitrangig.
Die wahre Kunst entsteht erst, wenn man Rhythmen mischt
Und alles um sich herum vergisst.
Zu aller erst vergesse ich die Zeit,
denn es ist nicht gescheit
immer nur dem Rhythmus des Lebens zu gehorchen.
Zusammen wird das Zeit-Konzept-Netz von uns angefochten,
bevor wir dann alles hinschmeißen,
um einmal um die Welt zu reisen. 



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