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Haakjöringsköd

 

yannik

Todesstrafe in Deutschland

 

Nachdem die USA in den letzten Wochen mit “Fließband”-Hinrichtungen für Schlagzeilen gesorgt hat, ist es naheliegend sich die deutsche Geschichte der Todesstrafe etwas näher anzusehen.

 
 

Kaiserreich

 

Das Reichsstrafgesetzbuch von 1871 beinhaltete die Todesstrafe als Strafe für Mord und Mordversuch am Kaiser oder dem eigenen Landesherrn. Zuvor gab es jedoch schon Bestrebungen sie abzuschaffen.

Die SPD fordert 1891 die Abschaffung der Todesstrafe.

Im Ersten Weltkrieg werden viele Todesurteile von Militärgerichten gefällt, insbesondere wegen Fahnenflucht.

 

Weimarer Republik

 

In der Weimarer Republik bleibt die Todesstrafe trotz heftiger Gegenwehr erhalten. Sie bildet das höchste Strafmaß für Mord, Spionage und Landesverrat. Ab 1922 wurde sie auch für die Mitgliedschaft in republikfeindlichen Vereinigungen und die Vorbereitung politischer Attentate angedroht.

Trotz namhafter Gegner (u.a. Albert Einstein, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky) und eines erneuten Abschaffungsantrags durch die SPD blieb die Todesstrafe bis zum Ende der Weimarer Republik bestehen.

 

Nationalsozialismus

 

Die NSDAP weitete die Todesstrafe exzessiv auf neue Tatbestände aus. Ziel war neben Vergeltung und Prävention auch die Beseitigung von als minderwertig beurteilten Tätern.

Ab 1944 konnte sie für jeden Verstoß gegen das “gesunde Volksempfinden” verhängt werden.

 

Sowjetische Besatzungszone

 

In der sowjetischen Besatzungszone verhängten sowohl deutsche Gerichte, als auch sowjetische Militärtribunale die Todesstrafe.

 

DDR

 

Nach Wiedereinführung der Todesstrafe in der Sowjetunion 1950 gab es bis 1953 Todesurteile durch sowjetische Militärtribunale für konterrevolutionäre Verbrechen (u.a. Spionage, Organisationsbildung, Propaganda) und Kriegs- und Gewaltverbrechen.

Anschließend bestraften deutsche Gerichte politische Delikte, Verbrechen in der NS-Zeit und gewöhnliche Kriminalität - idR Mord - mit dem Tod.

Die Zahl der Todesurteile war ab 1970 sehr rückläufig und 1987 wurde die Todesstrafe unter anderem für Wirtschaftskriminalität und Republikflucht abgeschafft.

 

Westliche Besatzungszonen

 

Bis 1951 wurde auch im Westen noch die Todesstrafe angewandt, insbesondere im Rahmen der Nürnberger Prozesse.

In West-Berlin galt die Todesstrafe aufgrund des Besatzungsstatuts sogar noch bis 1989, da West-Berlin wegen des Vier-Mächte-Status nicht im Geltungsbereich des Grundgesetzes lag.

 

Bundesrepublik Deutschland

 

In der Bundesrepublik trat 1949 das Grundgesetz in Kraft. Dessen Artikel 102 besagt: 

 
"

Die Todesstrafe ist abgeschafft.


Damit setzt es als Bundesrecht die Artikel der Länderverfassungen, die die Todesstrafe noch als höchste Bestrafung vorsahen - im Falle Hessens noch vorsehen (Art. 21 Abs. 1 Verfassung des Landes Hessen) - , faktisch außer Kraft.

 

Mehr dazu auch hier.



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