published in 'Encounters von Juptr' on Juptr.io

0
0

Erlebtes, Absurdes, Trauriges, Romantisches, Witziges, Schönes, Kritisches, Spannendes…


Maybegenerationmaybe

Abschied von meiner Seelenverwandten

Wäre das hier ein ein Song von Fettes Brot würde er wahrscheinlich mit: Wisst ihr, ich liebe diese Frau …anfangen. Mir erscheint ein klassischerer Einstieg jedoch zweckgemäßer und ihrer würdiger, also beginne ich einfach mit dem Anfang. Dem kurzen Moment, in dem alles begann.

Es war Liebe auf den ersten Blick, antworten wir...

 

Abschied von meiner Seelenverwandten

Wäre das hier ein ein Song von Fettes Brot würde er wahrscheinlich mit: Wisst ihr, ich liebe diese Frau …anfangen. Mir erscheint ein klassischerer Einstieg jedoch zweckgemäßer und ihrer würdiger, also beginne ich einfach mit dem Anfang. Dem kurzen Moment, in dem alles begann.

Es war Liebe auf den ersten Blick, antworten wir meistens betrunken in irgendeinem der abgeranzten Schuppen, durch die wir gemeinsam zogen, auf die Frage, wie wir uns kennengelernt haben. Ich erinnere mich noch exakt an dein Lächeln, dieses wunderbar strahlende Lächeln. Meine kleine eigene Sonne, in meinem kleinen Mikrokosmos.

Du strahlst meistens mit jeder Faser deines Körpers und wüsste ich nicht, dass in dir manchmal auch Gewitterwolken aufziehen und die peitschenden Wellen nur so toben, sodass Schiffe zerbersten, dann würde ich glauben, dass du in einem früheren Leben wohl ein warmer Sommertag mit blauem Himmel, grüner Wiese, Erdbeeren und Schmetterlingen gewesen sein musst. Du wärmst mich jeden Tag mit deinem Strahlen. Ein einziges Wort, allein der Gedanke daran, dass du da bist, irgendwo auf dieser Welt, macht mich froh und treibt mich an.

Du bist so tief, wie stille Wasser, nur viel lauter, ohne, dass du etwas sagen musst.

Dein Atmen, Pusten, Schmatzen sind der Soundtrack dieses Sommers, unseres Sommers und der unzähligen Abende auf deinem Balkon mit billigem Wein, zwei Schachteln Kippen und im Idealfall ohne Ratten.

Abende, von denen ich wünschte, dass sie nie enden würden und wir verweilen könnten in den tiefen Schluchten und auf den hohen Gipfeln unserer Gespräche. Die Nase im Winde, den Kopf voller Ideen und Träume, Melodien und Worte. Dann springen wir gemeinsam kopfüber ins kalte Nass und schwimmen mal wieder gegen den Strom. Die Lippen blutrot, die Augen rabenschwarz, die Haare zerzaust.

Die Zeit steht still, wenn ich mit dir tanze, mit dir lache, mit dir singe, mit dir rolle, mit dir lebe und doch vergeht sie viel zu schnell.

Alles dreht sich, um uns, mit uns und nie hat die Karussellfahrt so viel Spaß gemacht.

Augenblicke verschwimmen in den halbleeren Gläsern und wir wippen im Takt. Deine Stimme wird höher, meine Sprache vulgärer. Wir sind unbesiegbar, Nachtgestalten, die tagsüber am liebsten schreiend über Blumenwiesen rennen würden. Doch es gibt sie kaum noch, bunte Blumen in dieser tristen Welt. Verwelkt, verdörrt, vergiftet. Also malen wir uns unsere eigenen Blumen, die Fantasie ist oft so viel schöner, als die Realität. Und doch haben wir sie nicht verloren. Und trotzen deshalb allen, die uns das Prädikat „Bedenklich“ auf die Stirn gebrannt haben.

Manchmal ist der Mond unsere Sonne. Was willst du sein? Du schaust mich an mit deinem wunderschönen Porzellanpuppengesicht und sagst: „Eine Ente!“

Lass uns also fliegen und frei sein, ohne Angst vorm Fallen. Bis unsere vernünftigen Hälften aus unserem tiefsten Inneren heraus vor Panik schreien, denn dann haben sie Angst, dass wir sie für immer vergessen. Lass uns all die Nächte sicherheitskopieren für schlechtere Zeiten, jederzeit wieder abspielbar in unserem kleinen Kopfkino.

Lass mich jetzt allein, sagst du und machst einen deiner grazilen Ausfallschritte und ich grinse, bevor du zum Treppenaufgang torkelst, auf dem du melancholisch wirst und die See in dir wieder zu toben beginnt. Ich lass dich los und halte dich doch fest, wenn du nur willst. So fest, bis alle Bäche versiegen und du wieder strahlen kannst.

Dankbar bin ich für unsere Lebenskreuzung, an der wir immernoch Hand in Hand stehen. Und es bricht mir das Herz, zu wissen, dass die Ampel eines Tages auf Grün schalten wird und du mit wippendem Haar auf die Straße trittst, meine Hand loslässt und ich stehenbleibe, wie gelähmt.

Ich schau dir hinterher, lass dich gehen und hoffe mit ganzem Herzen, dass du glücklich wirst und manchmal an mich denkst.

Wir sind so weit gefahren, ohne Bremsen auf der Überholspur, uns selbst entgegen, Richtung Verwirklichung. Selbstbestimmt, jung, klug, schön und mit flotten Sprüchen auf den Lippen. All die Begegnungen, Wirrungen, Erinnerungen und Irrungen, kleine Teile in unserem Puzzle.

Du bist so stark und hast mich stärker gemacht, als je zuvor. Ich danke dir dafür.



Published in: