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Wahlheimatstadt.

Eine Hommage an meine Wahlheimatstadt.

 

Jedes Jahr fragen sich viele Abiturienteninnen und Abiturienten: Was jetzt? Wohin jetzt? Wenn man aus dem Elternhaus zieht, dann soll das eine weise Entscheidung sein. Denn man bleibt in der neuen Stadt für mindestens drei Jahre.
Ich habe zweitausendfünfzehn eine Wahl getroffen. Nach einem Jahr in Düsseldorf ziehe ich Bilanz. Das ist eine Hommage an meine Wahlheimatstadt.
Düsseldorf, du bist meine Wahlheimat.

Schon in den frühen Morgenstunden sind die ersten Menschen auf den Straßen zu sehen. Sind das Pendler oder nur Studenten, die aus der Altstadt Heim wollen? Großstadt. Und Studentenstadt. Mit dem ersten Tageslicht tummeln sich mehr und mehr Menschen am Hauptbahnhof. Der tägliche Kampf. U79. Kommt viel zu unregelmäßig, manchmal gar nicht, lässt uns einfach stehen. Müssen uns beeilen, Alternativen suchen, um zur Uni zu kommen… oder einfach wieder ins Bett? Schon morgens gefrustet und total übermüdet.
Düsseldorf, du bist meine Wahlheimat.

Wenn man es in die Uni geschafft hat, ist das Leben schon etwas besser. Denn Düsseldorf, ich habe hier wunderbare Freundschaften geschlossen. Menschen, die ich täglich sehe, die den gleichen tagtäglichen U-Bahn-Wahn mit mir erleben, mit mir im Lernstress sind, mit mir um die Klausuren und Noten bangen, mit denen ich gemeinsam die langweiligsten Vorlesungen überstehe. Die es sich aber auch nicht nehmen lassen, mit mir Bier bis tief in die Nacht zu trinken, weil es in unserem Pub mal wieder zwei für eins gibt oder wir uns an unserer Lieblingspommesbude die Mägen füllen. Was für wunderbare Momente ich mit euch schon erlebt habe, Tränen gelacht habe, meine Stimmbänder wund gesungen habe. Obwohl ich euch doch kaum mehr als ein Jahr kenne. Vielleicht, vielleicht ist dieser Text auch eine kleine Hommage an euch.
Düsseldorf, du bist unsere Wahlheimat.

 

Die Nachmittage im Sommer, wenn es nicht ein Anzeichen von Sonnenuntergang gibt, da sitzen wir am Rhein und reden. Reden über Gott und die Welt. Pläne schmieden, Reisen planen. Eis schlecken. Wir grillen mit unserem Billiggrill, welchen wir aus unseren letzten Kupfergroschen zusammengespart haben. Einer spielt Gitarre.
Düsseldorf, du bist meine Wahlheimat.

Abends, wenn die Sonne untergegangen ist Düsseldorf, da bist du so unglaublich laut. Das kenne ich als Kleinstadtkind gar nicht. Ob zu Karneval sich die ganze Stadt verkleidet, zur Kirmes, wenn das bunte Licht und die Musik die Stadt erhellt, oder zum Weihnachtsmarkt, bei dem wir nach der Vorlesung mit einem Glühwein anstoßen und uns satt essen.

Du bist immer laut. Aber auch durch uns.

Wenn abends sich die Altstadt mit Touristen, Einheimischen und Studenten füllt. Geht es noch lebendiger? Wir ziehen von Kneipe zu Kneipe, trinken dein berühmtes Alt, viel zu viel, und viel zu ekelige Schnäpse, tanzen, lachen, fühlen uns unschlagbar. Die Boltkerstraße wird nicht leerer. Eine Stadt auf den Beinen.

Aber irgendwann ist auch diese Nacht vorbei. Wenn die Vögel wieder zwitschern finden alle irgendwie wieder Heim. Nach Hause. Und während wir auf dem Heimweg im Taxi bemerken, dass der Fahrer uns gerade abzieht, sind gleichzeitig die ersten wieder auf den Beinen. Zur Arbeit, zur Schule, zur Uni. In Düsseldorf.
Düsseldorf, du bist meine Wahlheimat.

 

Ich denke, ich habe zweitausendfünfzehn die richtige Wahl getroffen.
Denn Düsseldorf, du bist jetzt meine Wahlheimat.



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