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Gummistiefel

 

Gummistiefel

Es regnet...

Ein Tropfen, zwei Tropfen , unendlich viele Tropfen wie sie unsichtbar geschützt von der Dunkelheit aus unbeschreiblicher Höhe mit schier unbegreiflicher Kraft auf mein Dachfenster prallen.

Ein dumpfer Schrei nach dem anderen ,doch jeder lauter als der vorherige, vereint zu einem lauten Knallen.

Es raubt mir den Schlaf, denn jeder Tropfen versucht einzudringen in Körper und Psyche. Der Regen scheint sich nach und nach mit meinem Puls zu synchronisieren. Ein alles durchziehendes meine Gedanken hypnotisierendes Pochen.

Die Gedanken und Erinnerungen samt Emotionen erscheinen und verstecken sich im Rhythmus des Naturschauspiels in und außerhalb meines Körpers. Meine Atmung beschleunigt sich bei jedem Gedanken an die Ängste und Sorgen, die mich prägten und gerade wieder heimsuchen.

Der Regen wird stärker und schwappt über zu einer Flut über das Fenster. Auch der Pegel meiner Emotionen steigt und droht mich zu überfluten .

Die Dämme brechen und ich lasse ihnen freien Lauf. Die Tränen laufen in Bächen über mein Gesicht und bilden Pfützen aus Kummer, Schmerz und Verzweiflung auf meinem Kopfkissen .

Das ist alles, was übrig bleibt von den Erlebnissen der letzten Jahre konzentriert in Form von schmerzend salzig tropfenden Tränen.

Es hat aufgehört zu regnen und alles was am nächsten Morgen noch an die Ereignisse der vergangenen Nacht erinnert sind Pfützen auf dem Asphalt.

Die Sonne scheint und spiegelt sich in eben diesen Erinnerungen wider. Nun wirken sie lange nicht so grausam wie im Dunklen der Nacht. Sie zeigen, dass nach jedem Regen die Sonne wieder scheint und die schlechten Gefühle und Erinnerungen in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Denn wie die Sonne ist auch der Regen Bestandteil des Lebens.

Ich sehe wie die Menschen auf der Straße im wirklichen und im übertragenen Sinne ihre Pfützen umgehen . Sie scheinen die innere Begierde, die wir schon bei unseren kleinsten Mitmenschen beobachten können, wirksam zu unterdrücken . Gewöhnlich wie immer umgehen sie die Pfützen in der Angst "nasse Füße" zu bekommen. Denn der Alltag bietet auch gar keine Zeit dazu.

Doch ich entschließe mich dazu den ersten Schritt zu wagen: Ich winke der Sonne lachend zu, mit dem Wissen sie beschützt mich vor dem Dunklen der Nacht, wenn auch nur für den Augenblick.

Ich ziehe meine Gummistiefel an, um mich aufgeregt zitternd meinen Ängsten zu stellen.

Ich ziehe meine Gummistiefel an und hüpfe in die größte Pfütze, die dich finden kann.

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