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Die große Tragikomödie des New Age

Father John Mistys neues Album Pure Comedy ist brilliante Gesellschaftskritik ohne politisches Engagement 
 

Father John Misty hat mit seinem neuen Album ein unglaubliches Gesamtkunstwerk geschaffen, das sicherlich noch einige hundert Runden bei mir auf dem Plattenteller drehen wird. Ich bin aus dem Grunde so begeistert, weil es ein Konzeptalbum ist, welches im Zuge aktueller Ereignisse, die Entwicklung der westlichen Welt anprangert. Tillman schafft mit seiner Platte woran so gut wie jeder Künstler scheitert (man denke an den traurig penetranten Einsatz Joseph Beuys bei den Grünen - „Sonne statt Reagan“), er übt Gesellschaftskritik ohne politisch-ideologisch zu sein. Er beschreibt lediglich die Zustände, inszeniert sie. Und an dieser Stelle greift die zweite Qualität des Albums: Der Humor. Wie der Titel es schon vermuten lässt, ist das ganze Album eine große, orchestral zelebrierte Tragikomödie. Die Stücke schaffen es die Lächerlichkeit der Situation auszumalen, ohne an dystopischer Schwere zu verlieren, unbestimmt oszillieren sie zwischen diesen Polen. 

Pure Comedy ist eine wunderschöne Ausarbeitung von Galgenhumor. Das liegt an der breit angelegten Instrumentalisierung, der pathetischen, mal gefühlvollen Gesangsperformance und natürlich den Texten die Tillman ausbreitet - Bedding Taylor Swift, every night inside the Oculus Rift

Man mag dem Album attestieren an der ein oder anderen Stelle zu exaltiert mit sämtlichen Gestus zu hantieren, doch scheint gerade das auch eine Qualität. Nicht ohne Grund ist es das Album, welches sich bisher am stärksten im Pop verortet lässt. Denn Father John Misty dekonstruiert die Unterhaltungsindustrie deren Sound er so stark wie noch nie adaptiert hat gleich mit. Alles fügt sich stimmig zusammen, auch das Coverartwork, in dem der moderne Stil des Cartoonisten Ed Steed auf ein apokalyptisches Szenario in der Machart eines Hyronimus Bosch trifft. Sicherlich könnte ich auch die ein oder andere Kritik ansetzen, aber warum? Zu sehr freue ich mich über diese theatralische Gesellschaftskritik, die mir immer wieder ein Lächeln über das Gesicht huschen lässt, ohne sich dabei politisch zu positionieren. Ansonsten wäre es auch nicht ein so gelungenes Kunstwerk.



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