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Je-m'en-foutiste, living and writing in Cologne, Germany.


Suffimoiselle

ATTRAKTIVER ATTRAKTOR

Schock zum Sonntag gefällig? Ein Besuch von Jürgen Klaukes Selbstgespräche im Max Ernst Museum in Brühl ist dafür bestens geeignet.

 

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Alle Anomalien betören uns, als erste das Leben - die Anomalie schlechthin (Emil M. Cioaran).

Bereits beim Betreten warnt ein kleines quadratisches Schild mit schwarzen Lettern: „Wir weisen darauf hin, dass einige der in der Ausstellung gezeigten Kunstwerke Wert- und Moralvorstellungen irritieren könnten.“

Jürgen Klauke, eigentlich bekannt geworden für seine inszenierten Fotografien, wurde seinem Skizzenwerk bis dato nicht sonderlich viel aufmerksam geschenkt. Allen voran ist er bekannt dafür, sich bereits mit der Thematik der Genderdebatte auseinander gesetzt zu haben, bevor diese wirklich in den 1970er Jahren entstanden ist. Bei ihm darf deshalb mehr von der totalen Auflösung des Geschlechts bzw. der Geschlechterrollen gesprochen werden.



Die Grenzen verschwimmen zu lassen, durch das Brechen von Tabus und dem Zeigen der Amoral, das Moralische im Menschen wiederfinden und beeinflussen - so könnte im Versuch umschrieben werden, eine Deutung des Künstlers Werkes zu definieren, das vielschichtiger nicht sein könnte. Abstrakt und wachrüttelnd.


Die Retrospektive im Max Ernst Museum in Brühl präsentiert erstmal etwa 450 Zeichnungen des polarisierenden Künstlers.

Doch was erwartet den Besucher, wenn er eine Ausstellung betritt, die mit Selbstgespräche tituliert worden ist?

 

Porträtfoto von Jürgen Klauke.

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Das schöne Scheitern des Menschen, unter anderem an seinen eigenen Erwartungen an sich selbst, das Sujet der unauflöslichen Selbstkonflikte, die Unzulänglichkeiten des Daseins.

Die Ausstellung mag vielleicht nicht gerade ein geeignetes Ereignis für den nächsten Familienausflug darstellen, aber eines ist sicher: Wer sich ein Ticket für die Ausstellung kauft, der erwirbt zugleich auch eine Reise zu den Schattenseiten seiner eigenen Gedanken, die ihm zuvor vielleicht realitätsfern erschienen.

Die negative Erkenntnis, dass der schöne Schein alleine nicht genügt, da Kunst nicht nur als Instrument für die ästhetische Optik existiert, sondern auch, um Krisen zu evozieren, um den Mitmenschen den Spiegel vor das Gesicht zu halten. In dem zeichnerischen Werk von Jürgen Klauke finden wir all das wieder.

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Die negative Erkenntnis, dass der schöne Schein alleine nicht genügt, da Kunst nicht nur als Instrument für die ästhetische Optik existiert, sondern auch, um Krisen zu evozieren, um den Mitmenschen den Spiegel vor das Gesicht zu halten.

Die Ausstellung mag vielleicht nicht gerade ein geeignetes Ereignis für den nächsten Familienausflug darstellen, aber eines ist sicher: Wer sich ein Ticket für die Ausstellung kauft, der erwirbt zugleich auch eine Reise zu den Schattenseiten seiner eigenen Gedanken, die ihm zuvor vielleicht realitätsfern erschienen.

Die negative Erkenntnis, dass der schöne Schein alleine nicht genügt, da Kunst nicht nur als Instrument für die ästhetische Optik existiert, sondern auch, um Krisen zu evozieren, um den Mitmenschen den Spiegel vor das Gesicht zu halten. In dem zeichnerischen Werk von Jürgen Klauke finden wir all das wieder.

 

Ausstellungskatalog Zeichnungen 1970-2016. U.a. können auch 100 Exemplare mit Künstlersignatur erworben werden.

Seine ganz eigene Philosophie der Sinnlosigkeit lässt sich noch bis einschließlich zum 16.7. im Max Ernst Museum in Brühl bestaunen. Ideal ist die Ausstellung für jeden, der sich für die Melange aus geometrischen und organische Formen interessiert, aber auch eine Neigung für obskur-düstere Thematiken und/ oder die Sexualität hegt.

Falls Ihr doch einen Familienausflug plant, möchte ich an dieser Stelle vorab auf meinen nächsten Artikel verweisen, der nichts anderem als dem wunderschönen Schloss Augustusburg in Brühl gewidmet ist - der perfekte Ort für jeden, der an einem sonnigen Wochenende einmal bei Kultur und köstlichem Eis abschalten und Energie tanken möchte.



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